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unternehmer
magazin
4/5·2009
nanzhoheit von Kommunen und Bundesländern. Unsere Gebiets-
körperschaften haben es kaum noch in ihrer eigenen Verantwor-
tung, welche Steuern sie senken oder erhöhen wollen und vor allem
welche Ausgaben sie tätigen dürfen. Alles ist in einer heillosen
Mischfinanzierung verknotet. Es gibt keinen wirklich Verantwort-
lichen mehr. Da beschließt der Bundestag über die Ausstattung der
Kindertagesstätten und zwingt die Kommunen, das zu bezahlen. Da
erhalten die Bundesländer einen Anteil von der Mehrwertsteuer,
können aber überhaupt nicht über den Steuersatz entscheiden. Das
dürfte einer der wesentlichen Gründe für die grassierende Wahlmü-
digkeit sein: WirWähler haben in unseren Kommunen und Bundes-
ländern kaum noch Einfluss auf die Finanzströme.
Lassen Sie uns das Familienunternehmer-Prinzip hier vom Pe-
tersberg aus in die Politik tragen. Damit wird Politik wieder transpa-
rent, damit wird klar, welche Politiker und welche Institutionen die
Verantwortung für ihr Handeln tragen. Mit dem Familienunterneh-
mer-Prinzip können viele Politiker wieder gestalten und nicht nur
verwalten. Das wird unserem Land gut tun. Wir werden selbstbe-
wusst mit der Politik reden. Denn von uns Familienunternehmern
hängen 57 Prozent aller Arbeitsplätze in diesem Land ab – und zwar
die sozialversicherungspflichtigen. Eine Politik, die uns nur belastet,
schadet auch unseren Mitarbeitern. Eine unternehmerfeindliche Po-
litik kostet unser Land Arbeitsplätze und breit verteilten Wohlstand.
In diesemWahljahr werden wir die Wahlprogramme der Partei-
en prüfen, ob sie mit dem Familienunternehmer-Prinzip kompatibel
sind. Und wir werden prüfen, ob ihre Wirtschaftspolitik gut für uns
Familienunternehmer ist. Denn die Experten für Wirtschaftspolitik
sind wir. Wir werden unsere eigenen Vorschläge machen. Vor allem
aber werden wir das tun, was jedenWahlkämpfer nervös macht: Wir
werden uns mit einer Kampagne direkt an die Wähler richten, um
ihnen zu erklären, welche Wirtschaftspolitik unserem Land hilft und
neue Arbeitsplätze schafft. [...] Die Wirtschaftskrise fordert ihre Op-
fer. Es sind nicht nur viele unserer Unternehmerkollegen, denen es
schlecht geht. Auch unsere Mitarbeiter machen sich Sorgen. Wer
jetzt arbeitslos wird, hofft nur zu gerne, dass der Staat es besser rich-
ten könne als die Marktwirtschaft. Es sind viele Scharlatane unter-
wegs, die auf ihren Pfeifen das verführerische Lied vom allzuständi-
gen Staat blasen. Da muss jemand gegenhalten.Wer, wenn nicht wir?
Wenn die Landtagswahlen und vor allem die Bundestagswahl zu
einem Rutsch in Richtung Staatswirtschaft führen, werden wir Un-
ternehmer zur Kasse gebeten. Und zwar kräftig, denn Staatswirt-
schaft ist teuer. Unser gesamtes Gesellschaftsmodell steht in dieser
Krise auf dem Spiel. Es ist wieder wie vor 60 Jahren. Auch damals
war die Soziale Marktwirtschaft alles andere als ein Selbstläufer. Lud-
wig Erhard brauchte dringend Unterstützung. Es war unser Ver-
band, der sich mutig an Erhards Seite stellte. Wir traten ein für die
Soziale Marktwirtschaft, für freies, verantwortliches Unternehmer-
tum. Und das mit Erfolg. All das ist nun in Gefahr. [...] Dabei ist dies
die Zeit für uns Familienunternehmer. Wir haben einen hohen Ver-
trauensbonus bei den Bürgern. Für unsere Mitarbeiter sind wir einer
der letzten Vertrauensanker der Sozialen Marktwirtschaft. Fami-
lienunternehmen schaffen Bindung in einer scheinbar bindungs-
und haltlosen Welt. Werben und kämpfen Sie für die beste aller
Wirtschaftsordnungen, die unser Land bisher hatte. […]Wir müssen
Überzeugungsarbeit leisten wie unsere Väter und Großväter. [...]
Abschließend möchte ich noch einmal aus dem Brief von Curt
Leffers zitieren, der uns folgenden Appell mit auf den Weg gibt: »Al-
so tun wir das, was unsere Eltern und Großeltern damals getan ha-
ben, packen wir es an! Handeln wir doch so, wie unsere Eltern und
Großeltern als Überlebende auf den Trümmern stehend gehandelt
haben: mit Tradition und Leidenschaft und Innovation!« […]
Dr. Patrick Adenauer, Präsident »Die Familienunternehmer – ASU«,
Berlin
Jubiläumsrede im Mai 2009 anlässlich der Festveranstaltung
60 Jahre »Die Familienunternehmer – ASU« auf dem Petersberg b. Bonn
Alexandra Gräfin Lambsdorff, Dr. Otto Graf Lambsdorff, Dr. P. Adenauer
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XTRA
60 Jahre »Die Familienunternehmer – ASU«