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ver) sowie in Regierungskommissionen berufen (Heinz Greiffenber-
ger). ASU-Unternehmer spielten und spielen auch in Parlamenten
eine Rolle (Gunnar Uldall, Rainer Haungs, Christian Schwarz-Schil-
ling, der Postreformer, heute Michael Fuchs oder Heinrich Kolb).
Der Gegenpol zum unternehmerischen Idealstaat der ASU war
und ist der Interventions- undWohlfahrtsstaat, der über der Umver-
teilung die Produktion vergißt und die Division des Sozialprodukts
im Zeichen einer fragwürdigen »sozialen Gerechtigkeit« betreibt.
Gegen diese Umverteilungsethik, die auch Raubethik heißen könnte,
setzte eine Unternehmerkommission die »Ethik des Mehrens«. Be-
deutsamer als Brot »gerecht« zu teilen, ist, für mehr Brot zu sorgen.
Tenor der Studiewar: So lösenUnternehmer das Problem der Armut.
In den 80er und 90er Jahren erhöhte sich die Schlagzahl der ASU
unter den charismatischen Präsidenten Martin Leicht, Volker J. Geers
und Dr. Thomas Bentz. Auf fast allen Gebieten staatlicher Interven-
tion kam es zu ordnungspolitischen Studien und Reformentwürfen.
Die Schlagworte hießen Liberalisierung, Deregulierung, Privatisie-
rung und Entbürokratisierung, namentlich zu Zeiten der Regierung
Kohl. Nur ein Teil der Botschaft wurde gehört, aber daran war die
ASU meist beteiligt. Außerdem zogen ASU-Unternehmer in die TV-
Talkrunden ein, wo sie bis heute begehrt sind (Thomas Selter). Auch
die Pressearbeit (Barbara Vogt) avancierte seit den 80er Jahren. 1994
firmierte die Grundsatzabteilung zum »Unternehmerinstitut« um,
was die Wertschätzung ordnungspolitischer Arbeit unterstrich, mit
einem prominent besetzten Beirat aus Wissenschaftlern, Publizisten,
Politikern und Unternehmern, der aktuell 33 Mitglieder zählt.
Die Erfolge der ASU-Familienunternehmer bestanden zunächst
darin, der ordnungspolitischen Debatte Impulse zu geben. Von der
»Öffnungsklausel« des Tarifkartells über die Privatisierung des
Rundfunkwesens, von Post und Bahn, die Liberalisierung des Ar-
beitsmarkts, die Privatisierung der sozialen Sicherung bis hin zu To-
talprivatisierungsfahrplänen für die Städte Berlin und Essen und ei-
nemEntwurf für ein »Europa des Wettbewerbs« gegen das lange Zeit
dominierende zentralistische Leitbild. Neben der Wettbewerbspoli-
tik, in der die ASU vielleicht am meisten bewirkte, dominierte die
Steuerpolitik, die im Hinblick auf Unternehmensteuerreform und
Erbschaftsteuer zuletzt im Mittelpunkt stand. Zur Förderung der
Kapitalbildung legte die ASU gar ein eigenes Steuerkonzept vor: die
»Einmalsteuer« (Dr. Peer-Robin Paulus). Nie zuvor wurde so inten-
siv angesetzt wie bei der Erbschaftsteuer, als die ASU ihr »Abarbei-
tungsmodell« leider nur mit Einschränkungen durchsetzte, die jede
Freude nahmen. Die ASU gab und gibt Studien in Auftrag, wie (er-
neut) in den 80er Jahren eine große Modellrechnung zur Umstellung
der gesetzlichen Rentenversicherung auf Kapitaldeckung (Felderer-
Gutachten) oder einen internationalen Vergleich der Unfallversiche-
rungssysteme. Bisweilen wurden auch Musterprozesse geführt, etwa
im Kampf um das Monopol der Berufsgenossenschaften (bis zum
EuGH) oder zur Begrenzung des staatlichen Zugriffs auf unterneh-
merisches Einkommen (»Halbteilungsgrundsatz«) beim BVG.
Alle Erhebungen von EMNID über Baaders Unternehmerhand-
buch bis zu einer Dissertation von Thomas Krickhahn belegen, dass
»Die Familienunternehmer – ASU« gemessen an ähnlichen Verbän-
den wohl bekannt sind und als politisch effizient gelten. Anlässlich
des 40-jährigen Jubiliäums der ASU schrieb die FAZ (Jürgen Jeske)
unter dem Titel: »Die Unerschrockenen«: »Sie ist so alt wie die Bun-
desrepublik und vertritt am nachdrücklichsten und unerschrocken-
sten die verwirklichte Ordnung der sozialen und freien Marktwirt-
schaft. [...] Die Kritik und die Anregungen der ASU lesen sich über
Jahrzehnte wie eine erfrischende Agenda der freien Marktwirtschaft.
Bei Politikern ist das ‚Weiter so!’ als Jubiläumsgruß selten ange-
bracht, von dem Verband der Einzelkämpfer ist es zu fordern«.
Im Zeichen des Triumphes der Marktwirtschaft nach 1989 ero-
dierten die Mitgliederzahlen. Mancher Unternehmer glaubte, nun
die Hände politisch in den Schoß legen zu können: Eine Unterschät-
zung des Aggressionspotentials des Wohlfahrts- und Gleichheitsstaa-
tes. So breitete sich das Konsum- und Transferdenken aus, während
die ordnungspolitische Idee verblasste. Daran änderte auch ein viel
beachteter Vorstoß der ASU zur Demokratiereform nichts, der mehr
direkte Elemente, fiskalischen Föderalismus und Kommunalismus
sowie Verfassungsschranken für den Fiskus bringen sollte, um die
Herrschaft der teilweise staatsfinanzierten Parteien zu limitieren.
Präsident Dr. Patrick Adenauer sucht unter dem Banner »Fami-
lienunternehmer« an Traditionen anzuknüpfen und das alte Feuer
neu zu entfachen. Namhafte Adressen wurden für denVerband reak-
tiviert,was zeigt, dass die ASU unter dieser Fahne wieder an Ansehen
und Bedeutung gewinnt. Das Familienunternehmerprinzip hat Zu-
kunft, hierzulande und weltweit. Die Politik tut gut daran, den ord-
nungspolitischen Weckruf der Familienunternehmer zu vernehmen
und die Renaissance der Sozialen Marktwirtschaft einzuleiten.
Prof. Dr. Gerd Habermann, Direktor Unternehmer-
institut »Die Familienunternehmer – ASU«, Berlin
unternehmer
magazin
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