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 Titelthema
»Hidden Champions«
 Nachhaltigkeit ist das große Thema unserer Zeit. Politiker aller Parteien schnüren Klima- pakete und entwerfen ehrgeizige Strategien, Unternehmen arbeiten an innovativen Ferti- gungsverfahren und Produkten, die Medien engagieren sich für bewussten Kon-
sum. Dabei wird oft auf die »Agen-
da 2030« der Vereinten Nationen
(UN) verwiesen, die insgesamt 17
Ziele für nachhaltige Entwicklung formuliert, die verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit nicht nur ökologi-
sche Aspekte hat. Eine intakte Um-
welt, gute soziale Lebens- und Ar- beitsbedingungen, eine prosperie-
rende Wirtschaft und damit Wohl-
stand sind übergeordnete Ziele, die Gesellschaften insgesamt betreffen.
Das komplexe Konzept basiert im fachlichen Diskurs auf einem Drei- Säulen-Modell mit einer ökologischen, einer ökonomischen und einer sozialen Dimensi- on, die gleichberechtigt sind. Diese Mehrdi- mensionalität der Nachhaltigkeit stellt jedoch auch eine Problematik dar, da Maßnahmen in verschiedener Weise auf die drei Bereiche ein- zahlen,sich aber auch konterkarieren können.
Strategische CSR > Unternehmen sind vor allem unter dem Leitsatz der »Corporate So- cial Responsibility« (CSR) aktiv. Auch diese Konzepte umfassen wirtschaftliche, ökologi- sche und soziale Komponenten. Ein wesent- licher Aspekt von CSR ist, in die Strategie von Unternehmen eingebunden zu sein, was die Maßnahmen grundsätzlich von Sponsoring, Spenden und »Good will« unterscheidet. Nur die strategische Einbettung, die sich auch im Kerngeschäft zeigt, sorgt dafür, dass Engage- ments effektiv sind und dass sich die Zielkon- flikte zumindest teilweise auflösen lassen. Sie führt aber auch dazu, dass die Ziele und Akti- vitäten von Unternehmen in einzelnen Bran- chen und Ländern uneinheitlich sind. Heute gibt es noch keine Übereinkunft, welche spe- zifischenHandlungen Nachhaltigkeit fördern.
Die 2015 beschlossene »Agenda 2030« der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwick- lung stellt demgegenüber einen internationa- len Kanon dar. Die 17 globalen Ziele für nach- haltige Entwicklung (SDGs), denen 169 kon-
krete Zielvorgaben zugeordnet sind, verstehen sich als ein nicht verpflichtendes Programm für die nachhaltige ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung in diesem Jahrzehnt. Dabei handelt es sich um das erste globale Ab-
Handlungsfelder > Die Felder sind zahlreich und groß. Es geht um soziale Absichten wie die Verminderung von Armut und Hunger, um die Sicherstellung der Menschenwürde, um Gleichberechtigung und Gesundheit, um
Agenda 2030
Drei »Sustainable Development Goals« für die Wirtschaft
    Dr. Adriana Neligan
Theresa Eyerund
ökologische Ziele wie eine nach- haltige Produktion und nachhalti- gen Konsum, um verantwortungs- vollen Umgang mit unseren natür- lichen Ressourcen sowie um Maß- nahmen im Klimaschutz. Andere wichtige Maximen sind Wohlfahrt, Frieden, Partnerschaft und Solida- rität. Außerdem sind die Verbin- dungen zwischen den Zielen als in- tegraler Teil der Agenda zu verste- hen. Die Vielfalt bringt es mit sich, dass nicht alle Vorgaben gleicher- maßenvonallenglobalenAkteuren betrieben und erreicht werden.
kommenmiteinemuniversellenumfassenden Aktionsplan, der alle Länder und Interessen- gruppen, also Regierungen, Zivilgesellschaft, Privatsektor und Wissenschaft, adressiert. Da- bei wird von den Nationalstaaten erwartet, dass sie diese Vorgaben freiwillig konsequent umsetzen. Auch die Bundesregierung folgt in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie diesen SDGs.
E-Mobilität • Beitrag zur Nachhaltigkeit
Unternehmen und Staaten, die beispiels- weise sehr mit Fischerei oder mit Wasserwirt- schaft zu tun haben, sind eher von Ziel Nr. 14, »Leben unter Wasser«, betroffen als diejeni- gen, die damit zunächst nichts zu tun haben. Dennoch zwingen die weltweiten Abhängig- keiten und die Verflechtungen dazu, die eige- nen Auswirkungen auf die diversen Ziele zu prüfen. Insofern strebt die Agenda auch mit mehreren SDGs an, die Nachhaltigkeit globa- ler Lieferketten zu stärken. Es gibt aber auch Aspekte, die mehrere Ziele der SDG treiben und daher ein wichtiges Element von Unter- nehmensstrategien sein können. Beispielswei- se hängen 12 der 17 SDGs direkt von der nach- haltigen Nutzung natürlicher Ressourcen ab.
Während also alle Ziele für Individuen, Unternehmen und Staaten gelten, gibt es vor allem drei Ziele, die Nummern 8, 9 und 12, deren Umsetzung durch Unternehmen be- sonders nahe liegt. Ziel Nr. 8 (Menschenwür- dige Arbeit und Wirtschaftswachstum) will weltweit gute Arbeitsbedingungen etablieren und möglichst alle Menschen am Wohlstand teilhaben lassen. Dazu gehört, wertschöpfen- de Arbeit zu schaffen und Arbeitssicherheit zu garantieren, Menschen fair zu entlohnen und ihnen Mitspracherechte zu gewähren. Deut- sche Unternehmen können ihre Lieferanten im Ausland partnerschaftlich dazu bringen, solche Standards einzuführen oder zu halten.
    24 unternehmermagazin 1/2·2020









































































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