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 Titelthema
»Hidden Champions«
 Manchmal frage ich mich, an wen Frithjof Bergmann (*1930) dachte, als er seine Theorie begründet hat. Der gebürtige Sachse ist der geistige Vater der »New Work«-Bewegung, ei- ner großen Initiative, die Handlungsfreiheit und Selbstständigkeit im Ar-
beitsleben etablieren will. Der
Schlüssel zu Erfüllung im Be-
ruf und effizienter Arbeit soll
sein, zu tun, »was man wirk-
lich, wirklich will«. Glückli-
che Arbeitnehmer, das weiß
man mittlerweile, sind häufig
deutlich leistungsfähiger, zu-
verlässiger und selbstverant-
wortlicher. Für wen oder was
aber setzt Bergmann sich ein?
Will er mehr glückliche Men-
schen oder produktivere Mit-
arbeiter? Ging es ihm um das
Seelenheil oder um die Shareholder? Wie auch immer die Gewichtung ausfällt, für Arbeitge- ber und Arbeitnehmer ergibt sich eine »Win- Win«-Situation, da jeder, der in einem Unter- nehmen macht, was er wirklich, wirklich will, diesem voraussichtlich von hohem Nutzen ist.
Agilität als Trend in der Arbeitswelt > Für wen Agilität primär gedacht ist, teilt sich sofort mit. Unternehmen, die konsequent agil agie- ren, verstehen es, den arbeitenden Menschen
und seine Fähigkeiten in den Fokus zu rücken, aber nicht um seiner selbst willen, sondern um die Kreativität, die Innovationskraft und die Performance im Betrieb zu steigern. Diese Fir- men haben von Trendsettern wie Google ge-
bei aller Dynamik der Arbeitswelt Berechen- barkeit und Kontinuität vor. Zudem sind viele Menschen nicht für eine sich ständig neu er- findende Welt der Teamarbeit geschaffen, in der ständig Ergebnisse geliefert und diskutiert werdenmüssen.Tatsächlichgibtesvielestille Tüftler und Träger von Know-how, die erst im geschlossenen Abteil zur Höchstleistung kom- men und keinen Bedarf an täglicher Teamar- beit haben, auch wenn dies in der heutigen Managementphilosophie als unmodern gilt.
Ich selbst war als Angestellter und als Füh- rungskraft in konservativen Branchen, bei ei- ner Versicherung, bei Banken und bei einem
»Mit New Work passiert Ähnliches wie mit der Agilität. Eine gute Idee wird geboren, wird zum Hype und wird unreflektiert übernommen.«
Energieversorger, im Haus und habe damals dasselbe festgestellt, was ich danach als Berater und Trainer in dutzenden anderen Unterneh- men erlebt habe, dass nämlich größere Pro- jekte mit längerfristiger Planung und turnus- mäßigen Controllingtreffen oft adäquater in der vorherrschenden Firmenkultur betrieben werden können. Nur in wenigen Fällen wie et- wa in der Softwareentwicklung wird die Me- thodik der Agilität als Lösung für komplexe Herausforderungen zum Gebot der Stunde.
Vielerorts macht man sich weder die Mü- he zu ermitteln, wo und wie agiles Arbeiten im Unternehmen sinnvoll wäre, noch werden die ersten Erfahrungen reflektiert, um nachzuju- stieren. Statt dessen reißt man brachial Wände heraus, geht zum kollektiven Duzen über und erklärt Kompetenzen im Tischfußball zu »Key
Agilität in Unternehmen Sich selbst überfordernde Organisationen
    Dr. Thomas Würzburger
lernt, dass die besten Ideen in den Zeiten entstehen, in de- nen die Belegschaften (unter- nehmensspezifischen) The- men nachgehen, die sie sehr interessieren. In diesem Sin- ne basiert Agilität auf selbst organisierter Teamarbeit, die neue Umgangsformen, Ab- läufe und Methoden verfolgt, um sich permanent den Rah- menbedingungen anzupas- sen und zunehmend volatile Kundenwünsche zu erfüllen. Das klingt sehr verlockend.
Vieles am Trend zu Agilität ist ja auch gut und richtig. Doch warum scheitern dann so viele Firmen in der Umsetzung? Seit der Sturm der Digitalisierung die Arbeit als solche ver- wirbelt, liegt ein Grund in den Unternehmen selbst, da sie oft unreflektiert in Fallen tappen. Ein weiterer Grund liegt in dem von Manage- mentberatern, Coaches und Trainern unge- prüft gepushten Gedanken von »New Work«.
Mittelständische Familienunternehmen zehren von Vertrauen und Stabilität. Sie leben
 Wünsche an den Arbeitgeber | Mitarbeiter in Deutschland
 Weiterbildung
Betriebliche Altersvorsorge
Überdurchschnittliche Gehälter
Jobticket
Vertrauensarbeitszeit
Smartphone, Tablet, Computer der neuesten Generation
Home Office Kinderbetreuung Kostenlose Getränke Dienstwagen
61 % 59 %
54 % 49 %
49 % 48 %
        19 %
n=1002, Berufstätige im Alter von 16 bis 65 (Telefonische Befragung)
34 %
73 %
 73 %
 Quelle: Bitkom Research, 2019
  Dr. Thomas Würzburger
Die Agilitätsfalle - Wie S i e i n d e r d i g i t a l e n Tr a n s - formation stabil arbeiten und leben können • 2019
• 142 Seiten • 24,90 Euro Paperback • 21,99 Euro eBook • Verlag Franz Vahlen GmbH • ISBN 978-3-8006-5927-2
Literatur
 38 unternehmermagazin 1/2·2020















































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