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    Unternehmernachfolge
 SPECIAL
     Deutschlands nächste Unternehmergeneration
Jede Unternehmernachfolge ist für Familien- unternehmen ein entscheidender Moment. Im Idealfall hat man sich Jahre darauf vorbe- reitet und viele Fragen gestellt: Sind die jungen Miteigentümer überhaupt an Nachfolge inter- essiert? Wie sehen sie ihre künftige Rolle als aktive oder passive Gesellschafter? Da die Stif- tung Familienunternehmen diesen Dingen auf den Grund gehen will, hat sie 2010 gemeinsam mit dem Friedrichshafener Institut für Fami- lienunternehmen (FIF) das Projekt »Deutsch- lands nächste Unternehmergeneration« ge- startet, um die »NextGen«, also Gesellschafter von Familienunternehmen zwischen 16 und 40 Jahren, in ihren Motiven und Absichten zu verstehen. Dabei handelt es sich mit 1.625 Be- fragungen um die umfangreichste Studienrei- he zu diesem Komplex in Deutschland.
Tatsächlich berühren Generationswechsel ja nicht nur den Kern von Familienunterneh- men, sondern sie betreffen auch die Volkswirt- schaft. Neun von zehn Firmen in Deutschland
sind Familienunternehmen, die in besonderer Weise für Wachstum und Beschäftigung sor- gen, wobei die breite Landschaft großer Fami- lienunternehmen außergewöhnlich ist. Sie wa- ren und sind nicht nur ein Wachstums-, son- dern auch ein Jobmotor. Die größten 500 Fa- milienunternehmen haben die Zahl ihrer Be- schäftigten in Deutschland von 2007 bis 2016 um stolze 23 % ausgebaut, während die 27 Konzerne im DAX, die keine Familienunter- nehmen sind, die Anzahl ihrer Mitarbeiter im selben Zeitraum nur um 4 % gesteigert haben.
Wer in die Presse schaut, gewinnt trotz der beeindruckenden Zahlen mitunter den Ein- druck, in vielen Familienunternehmen gingen bald die Lichter aus. Als Grund wird ein an- geblicher Nachfolgeengpass genannt. Unsere Studie widerspricht diesen Unkenrufen. Das Kernergebnis lautet vielmehr: Die junge Ge- neration will unternehmerische Verantwor- tung tragen, doch die Nachfolgemodelle sind vielfältiger geworden. Was ist damit gemeint?
Junge Gesellschafter übernehmen unter- nehmerische Verantwortung > Fast 85 % streben eine aktive Rolle als Gesellschafter an, über 70 % wollen später in der Geschäftsfüh- rung aktiv sein. Im Zehnjahrestrend hat sich dieser Anteil derer, die das Familienunterneh- men operativ führen wollen, fast verdoppelt. Das gestiegene Selbstverständnis fußt auf einer hochkarätigen Ausbildung, die viele junge Ge- sellschafter heute an nationalen und interna-
Fit und flexibel
 Nächste Unternehmergeneration
Geschäftsführende Familienmitglieder
 Ein Familienmitglied Zwei Familienmitglieder Drei Familienmitglieder Vier Familienmitglieder Fünf Familienmitglieder oder mehr Kein Familienmitglied
36,4 % 40,1 % 14,3 %
3,4 % 0,6 %
5,2 %
      Quelle: Stiftung Familienunternehmen, FIF Zeppelin Universität, Friedrichshafen, 2019
 40 unternehmermagazin 1/2·2020


















































































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