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                                               indem man gelernt hat, auch über Gefühle zu sprechen. Vorwürfe und blinde Attacken sind unbedingt zu vermeiden. Besser ist zu sagen: »Ich habe ein Problem damit.« Damit nimmt man dem möglichen Vorwurf die Spitze: nicht Du bist von vornherein schuldig, sondern ich habe ein Problem und brauche Deine Hilfe. Das Urproblem ist ja, dass jede Familie weiß, dass es essentiell für ihren Fortbestand ist, den Frieden zu erhalten. Und weil man das weiß, werden Probleme eventuell nicht offen ange- sprochen, so dass sie oft lange unter der Decke bleiben. Man muss lernen, Probleme, auch ei- gene, offen zu adressieren und anzusprechen. Das muss ja nicht aggressiv geschehen. Alle anderen müssen lernen, das nie als Affront zu verstehen, sondern als willkommene Chance, eine tragfähige Lösung zu finden. Geschieht dies nicht, brechen die ungelösten Probleme irgendwann später auf und führen zu Streit.
UMAG > Sie haben Patriarchen angespro- chen und demokratisch geführte Unterneh- men. Gibt es Grenzen der Beteiligung an Ent- scheidungen?Wannisteswichtiger,dennäch-
sten Schritt zu tun als alle zur Zustimmung zu bewegen? Wann ist eine starke Hand ge- fragt? > Hier spielt die korrekte Unterneh- mensorganisation eine große Rolle. Es muss absolute Klarheit herrschen, welche Aufgaben die Gesellschafterversammlung hat, welche die Geschäftsführung und welche der Beirat. Je besser das formuliert ist, umso klarer weiß man, was man tun soll und was nicht. Kommt es zu einer Situation, in der die Familie mit entscheiden muss, hat sie dafür zu sorgen, dass diese Entscheidung rasch und zuverlässig ge- troffen wird. Ist eine Abstimmung nötig, wird sie nach dem Statut des Gesellschaftervertrags ausgeführt und ist von der Familie, die den Vertrag unterschrieben hat, zu akzeptieren.
UMAG > Sie setzen hoch kompetente Beirä- te voraus, die mit reichem Branchenwissen abgeklärt agieren, die souverän kontrollie- ren, beraten und moderieren, so dass sie in alle Richtungen Vertrauen genießen. Im rich- tigen Leben treffen wir hier Schwächen an, auch bei Geschäftsführern und Gesellschaf- tern. Raten Sie zu knappen Gesellschafter- verträgen oder zu Lösungen mit vielen Klau- seln? > Ich bin für kurze, klare Verträge, und zwar aus einem einfachen Grund: Je länger ein Vertrag ist, umso weniger wird er gelesen. Die Klarheit ist entscheidend. Wesentlich ist, her- auszustellen, was wirklich gewollt wird. Je kür- zer ich das richtig ausdrücken kann, umso mehr wird es auch verstanden und beherzigt.
UMAG>Klarheit erzeugt stets ein Stück weit Sicherheit. Ein Beispiel sind die Andienungs- regeln für Anteile, um nicht plötzlich Dritte am Tisch zu haben. > Eine solche Regelung müssen alle Familiengesellschaftsverträge ha- ben. Man will ja Familiengesellschaft bleiben.
> Fortsetzung auf Seite 46
Dr. Jörg Mittelsten Scheid
»Vertrauen im Familienun-
ternehmen« • 2019 • 84 Sei- ten • Verlag Müller + Busmann, Wupper- tal • 19,80 Euro • ISBN 978-3-941217-12-6
Literatur
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