Page 48 - UMAG
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  Unternehmernachfolge
 SPECIAL
[Teil II] UMAG > Herr Heuse, Sie schließen mit beiden Parteien Dienstverträge. Danach begleiten Sie das Engagement als Ansprech- partner und ausgleichende Instanz. Ist das BranchenstandardoderBenefit?>Beiden Qualitätsanbietern ist das Standard. Der Na- me des Providers ist mit dem Projekt sowieso durch die Vermittlung des Interim Managers verbunden. Dann will man auch die Kontrolle über die Qualität der Ausführung haben und außerdem will man ja mit dem Kunden weiter Geschäfte machen. Wenn wir merken, dass in einem Projekt etwas nicht so läuft, wie es soll, sprechen wir mit dem Interim Manager und mit dem Auftraggeber und wir moderieren bei Konflikten oder bei Abstimmungsbedarf.
UMAG > Es gibt keine Klausel im Vertrag, dass der Interim Manager nicht mit Ihnen über Interna sprechen darf? > Nein, gibt es nicht. Aber es geht nicht um Interna. Die wol- len wir gar nicht wissen. Es gibt eine Klausel, die festlegt, dass sich der Interim Manager re- gelmäßig mit uns über den Fortschritt im Pro- jekt abstimmt. Zusätzlich sehen wir die Tätig- keitsprotokolle, die der Kunde abgezeichnet hat.DaerkennenwiranderWortwahl,obdas Projekt gut läuft oder vielleicht nicht. Interim Manager schätzen es jedenfalls sehr, einen Ge- sprächspartner zu haben, um »Off the Re- cord« über den Projektfortschritt zu reden.
UMAG > Gibt es typische Konfliktthemen, etwa, weil Zusagen vom Kunden nicht ein-
gehalten werden? Das Büro im Souterrain statt im 9. Stock? > So etwas kommt vor. Al- lerdings ist der Interim Manager dann der Fal- sche (lacht). Kunden, die Interim Manager be- zahlen,wollenLeistungfürihrGeldundha-
UMAG > Sie geben als Vermittler ja eine ge- wisse Erfolgsgarantie. Ihre Kunden erwar- ten, dass der Interim Manager kommt und dass es dann klappt. Sie stehen ein Stück weit mitinderVerantwortung.>Erfolgsgarantien kann es nicht geben, wenn Menschen im Spiel sind. Ein Manager, der gestern noch geleistet hat, kann heute aus der Spur geraten, weil in seiner Familie etwas passiert ist. Unsere Auf- gabe ist, diese Dinge im Auge zu behalten. In der Verantwortung stehen wir aber auf jeden Fall. Kunden schenken uns durch die Beauf- tragung ihr Vertrauen. Das müssen und wol- len wir verdienen. Das schulden wir unserem Selbstverständnis und unserer Reputation. Mit der ist es wie mit dem Schlittenfahren, ein lan- ger, mühsamer Aufstieg und schnell bergab.
UMAG > Die Abrechnungseinheit in Ihrer Branche ist in der Regel der Tagessatz? > Ja. Und das ist auch am besten so. Wir haben ein Gefühl dafür entwickelt, wieviel Projekttage für bestimmte Themen anzusetzen sind, der Kunde hat da meist auch Vorstellungen, und ein eventuell vorhandenes Budget spielt auch eine Rolle. Auf dieser Grundlage wird im Ver- trag eine gewisse Zahl von Projekttagen ver- einbart, es gibt vorzeitige Kündigungsmög- lichkeiten und Verlängerungsoptionen. Dabei werden rund 70 % der laufenden Verträge in der Praxis verlängert. Ein Kunde, der den Nut- zen aus der Tätigkeit des Interim Managers sieht, stöhnt zwar, wenn er die monatliche Rechnung erhält, wird den Vertrag aber nicht vorzeitig kündigen. Geschäftspartner versu- chen immer mal wieder, Pauschalen ins Spiel zu bringen, weil sie glauben, damit besser zu fahren. Wir raten davon ab, denn der Projekt- umfang ändert sich oft im Laufe des Projekts. Dann muss neu verhandelt werden. Im Ergeb- nis ist es mit Pauschalen so, dass einer glaubt, zu viel gezahlt oder der andere, zu wenig be- kommen zu haben. Mit dem Tagessatz weiß man, was man hat bzw. wo die Kosten stehen.
UMAG > Kunden können also frei entschei- den, ein Projekt abzubrechen. > Ja, aber alle anderen Parteien auch, also die Kunden, die Interim Manager oder wir, wobei allerdings vereinbarungsgemäß meist – nicht allzu lange – Fristen einzuhalten sind. Das ist ein Prinzip
Professionelles Interim Management
Im Dienste des Kunden
    Ludwig Heuse
Advisor Ludwig Heuse GmbH Interim-Management.de, Kronberg/Ts.
ben nichts davon, sie vor ihren Mitarbeitern zu blamieren. Der Interim Manager muss je- doch auch die nötige Autorität ausstrahlen,so dass niemand solche Mätzchen mit ihm wagt. Konflikte können natürlich entstehen, wenn der Kunde zwar einsieht, dass er ein Problem hat, den Rat, um das Problem zu lösen, aber nicht hören will. Zum Beispiel den eigenen Sohn abzuberufen, der im Unternehmen vor sich hin dilettiert und andere in den Wahn- sinn treibt. Das ist der Konfliktklassiker: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.
  Umsetzung der Digitalen Transformation • Typische Aufgabe für Interim Manager
    48 unternehmermagazin 1/2·2020
Interview


















































































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