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 Unternehmernachfolge
 SPECIAL
Übertragung von Geschäftsanteilen und Aktien unter steuerlichen Aspekten
Vererbung von Vermögen
Unternehmer, die Vermögen an die nächste Generation übergeben, sind bestrebt, das best- mögliche rechtliche und steuerliche Szenario zu wählen. Dabei gelten für die Gestaltung der Vermögensübertragung in Kapitalgesellschaf- ten spezifische Regeln. Dies
betrifft vor allem die GmbH
als häufigste Rechtsform im
Mittelstand sowie die nicht börsennotierten Aktienge-
sellschaften. In Kapitalgesell-
schaften hat die Gestaltung
mehrere Ebenen, auf denen
ein reibungsloser Übergang
auf die junge Unternehmer-
generation und der Fortbe-
stand des Unternehmens zu
sichern sind. Insofern stellt
der operative Generations-
wechsel nur ein Element der
komplexen Nachfolgelösung von Unterneh- mern dar. Die erbschaftsteuerlichen Aspekte können im Einzelfall herausfordernd sein.
Bei alledem ist die Übertragung von An- teilen an Kapitalgesellschaften zu Lebzeiten, also in vorweggenommener Erbfolge, ähnlich wie die Übertragung von Todes wegen zu be- trachten. Im Schenkungs- und Erbschaftsteu- ergesetz greifen dieselben steuerlichen Rechts- folgen. Dabei ist für die Berechnung der Erb- schaftsteuerbelastung von Vermögensüber- tragungen zunächst die Bewertung der Anteile wesentlich.Ausgangspunktisthierdergemei- n e We r t , a l s o d e r e c h t e We r t v o n U n t e r n e h m e n .
Ermittlung des Unternehmenswerts als Ba- sis > Wie aber wird der Unternehmenswert ermittelt? Liegen zeitnah Verkäufe von Antei- len am Unternehmen an fremde Dritte vor, ist dies relativ leicht, weil der vereinbarte Kauf-
preis dann für diese Bewer- tung der Anteile maßgeblich ist. Bei börsennotierten An- teilen geht es analog um den Kurswert. Fehlen solche Ver- käufe, wird der gegenwärtige Wert von Anteilen durch ein marktübliches Bewertungs- verfahren für Unternehmen ermittelt. Zu diesem Zweck bietet sich ein vereinfachtes Ertragswertverfahren gemäß des Bewertungsgesetzes an, eine in Deutschland häufig praktizierte Methode. Der
Unternehmenswert ergibt sich unter diesen Voraussetzungen aufgrund des erzielbaren Jahresertrags, der mit einem Kapitalisierungs- faktor von derzeit 13,75 multipliziert wird, wobei dieser Ansatz bei »Start-ups« mit digi- talen Geschäftsmodellen an Grenzen stößt, so dass in solchen Fällen anders zu verfahren ist.
Steuerliche Verschonung bei entsprechen- der Beteiligung > Das Erbschaftsteuergesetz begünstigt unternehmerisches Vermögen un- ter gewissen Voraussetzungen sehr. Dies kann biszueinerSteuerfreistellung,alsozueiner Verschonung vor Steuerlasten führen. Bei Ka-
pitalgesellschaften kommt dies jedoch nur in Betracht, wenn Erblasser mindestens 25 % der Anteile halten oder wenn sie oder Schenker ihre Anteile mit anderen Gesellschaftern für Abstimmungen und Veräußerungen in einem »Pool« bündeln, so dass sie zusammen über 25 % erreichen. Wird die Quote nicht erreicht, greift keiner der folgenden Verschonungsre- geln. Die Beteiligung unterfällt dann mit ih- rem vollen Wert der Besteuerung, da sie we- niger einen unternehmerischen Charakter ha- be, als vielmehr eine kapitalmäßige Anlage sei.
Als gesetzliches Regelmodell bei demge- mäß begünstigten Anteilen von Kapitalgesell- schaften greift ein Verschonungsabschlag von 85 %, so dass nur 15 % des Beteiligungswerts der Steuer unterworfen werden. Zu beachten ist, dass in der Kapitalgesellschaft enthaltenes Verwaltungsvermögen von der Begünstigung ausgeschlossen ist. Dazu zählen nicht unter- nehmerisch genutzte Immobilien, Beteiligun- gen an Kapitalgesellschaften unter 25 %, Wert- papiere sowie Geld und Bankguthaben, soweit dieses nach Abzug der Schulden über 15 % des Unternehmenswertes beträgt. Gestaltungen wie die »Cash GmbH«, bei der Geldvermögen früher auf eine neu gegründete GmbH über- tragen wurde, um deren Anteile daraufhin zu verschenken, sind so nicht mehr darstellbar.
Außer der Regelverschonung gibt es auch noch die Optionsverschonung, bei der auf Antrag des Steuerpflichtigen unter bestimm- tenVoraussetzungensogarerreichtwerden kann, die Erbschaftsteuer völlig zu vermeiden.
Unternehmen muss fortgeführt werden > Jede erbschaftsteuerliche Begünstigung des Betriebsvermögens hängt jedoch davon ab, ob das Unternehmen im Wesentlichen fortge- führt wird, und zwar bei der Regelverscho- nung mindestens fünf Jahre, bei der Options- verschonung sogar sieben Jahre. Ein zeitnaher Verkauf durch die Übernehmer ist daher im- mer schädlich. Um in den Genuss der Begün- stigung zu kommen, muss das verschonte Be- triebsvermögen grundsätzlich im Unterneh- men verbleiben und die Lohnsumme im We- s e n t l i c h e n e r h a l t e n w e r d e n . Vo n d i e s e m L o h n - summenkriterium sind nur Kleinbetriebe mit bis zu fünf Beschäftigten ausgenommen, wo- bei die Anforderungen bei der Optionsver-
  Dr. Andreas Rohde
      Verschonung von der Erbschaftsteuer • Gesonderte Betrachtung von Verwaltungsvermögen
52 unternehmermagazin 1/2·2020




































































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