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 FÜHRUNG UND
FIRMENKULTUR
Das Primat der Zahlen und das Bauchgefühl
Verborgene Erfolgsfaktoren im Mittelstand
Standardwerk
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» Dr. Wolfgang Jarre
Unternehmer treffen Entscheidungen. Oft mit gutem Gespür für das Wesent- liche und mit hoher Aussicht auf Er- folg. Weil sie die Logik der BWL mit ihrer Intuition veredeln. Interessant ist, woher die Zuverlässigkeit dieser inneren Stimme rührt. Sie ist biogra- phisch geprägt. Unsere Erlebnisse und Erfahrungen prägen das Urteils- vermögen. Den ständigen unbewuss- ten Austausch der beiden Gehirn- hälften zu verstehen, erlaubt es, sei- ne Vorteile noch besser einzusetzen.
ISBN: 978-3-937960-21-0 • 48,00 € Bestellung (Sofortige Auslieferung) Tel.: 0228/95459-92 • Fax: -80 oder jederzeit in unserem Online-Shop im Internet: www.unternehmermedien.de
                      GEDANKEN FÜR GENERATIONEN
    schonung nochmals höher als bei der Regel- verschonung sind. Für große Unternehmen mit einem begünstigten Vermögen von über 26 Mio. Euro gelten Sonderregelungen. Hier muss der Erbe in einer Verschonungsbedarfs- prüfung nachweisen, dass er persönlich nicht in der Lage ist, die Steuerschuld aus sonstigem, also nicht betrieblichem Vermögen zu beglei- chen. Bei Unternehmen mit einem Wert von über rund 90 Millionen Euro kommt die Ver- schonung überhaupt nicht mehr in Betracht.
Freibeträge nutzen > Unabhängig davon aber, ob die Verschonung im Einzelfall greift, sind die substanziellen erbschaftsteuerlichen Freibeträge zu berücksichtigen. Jedes Eltern- teil kann jedem seiner Kinder alle zehn Jahre 400.000 Euro steuerfrei übereignen. Überträgt beispielsweise der Vater seine erbschaftsteuer- lich voll begünstigte GmbH im Wert von 5 Mio. Euro, an der er 100 % Prozent hält, an seine beiden Töchter, führt dies schon in der Regelverschonung dazu, keine Steuer zu zah- len. 85 % sind von der Versteuerung ausge- nommen, so dass nur 750.000 Euro zu ver- steuern wären. Da jede Tochter 400.000 Euro Freibetrag hat, fällt keine Erbschaftsteuer an.
Unter dem Vorzeichen, dass Erbschaft- steuer Liquidität kostet, ist das Zusammen- spiel von begünstigtem und nicht begünstig- tem Vermögen in der Gestaltung möglichst unter mehrmaliger Ausnutzung der steuerli- chen Freibeträge optimal zu organisieren. Da- bei ist vorrangig der Wille des übergebenden Unternehmers zu respektieren. Konkret gilt es, Streit unter den Beteiligten zu vermeiden, für eine gesicherte Versorgung Hinterbliebe- ner zu sorgen und die Nachfolge so zu struk- turieren, dass sie das Wohl des Unternehmens wahrt und betriebswirtschaftlich gelingt. Dies wird mitunter nur durch eine Familienverfas- sung (Familiencharta) zu leisten sein, die ge- meinsame Werte formuliert, um Zwist schon imVorfeldzubegegnen,dadieEmotionenin Übergangsphasen neben den Finanzen stets eine Rolle spielen. Zudem fällt es nicht jedem Unternehmer leicht, sein Lebenswerk und das Vermögen an jüngere Generationen weiter- zugeben und loszulassen. Doch nur, wer den Prozessfrühbeginnt,wirdihn menschlich und steuerlich stressfrei für sich beschließen. 􏰀
RA StB Dr. Andreas Rohde, Partner dhpg Dr. Harzem & Partner mbB, Wirtschaftsprü- fungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft,
Bonn
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Aber auch der, der eine Kapitalanlage will, die keinen weiteren Aufwand verlangt, trifft auf viele Möglichkeiten. Zunächst einmal wol- len Banken und unabhängige Vermögensver- w a l t e r M a n d a t e g e w i n n e n , w o b e i d i e Wa h l d e r Anlageform weder spontan noch »aus dem Bauch« erfolgen sollte. Soll Geld sicher unter- gebracht werden oder gehe ich bekannte Risi- ken ein? Die zu erwartende Entwicklung und Verzinsung hängt von dieser Entscheidung ab, wobei höhere Renditen gewöhnlich auf höhe- ren Gesamtrisiken der Anlage beruhen. Sollen es aktiv gemanagte Fonds sein oder ETFs, die in vielen Varianten populär geworden sind?
Sehr begüterte Familien lassen ihre diver- sifizierten Vermögen gern in einem »Family Office« verwalten, das noch viele weitere dis- krete Dienste bereitstellen kann. Einige Anbie- ter öffnen sich auch für Dritte, die mit ihrem Kapital hinzukommen können. Ferner gibt es »Private Equity«-Gesellschaften, die mit insti- tutionellem Geld arbeiten oder von wohlha- benden Menschen namhafte Beträge einwer- ben, um Unternehmen zu kaufen oder sich an i h n e n z u b e t e i l i g e n . B e i p l a n m ä ß i g e m Ve r l a u f solcher Investments besteht der Gewinn in at- traktiven Ausschüttungen sowie in einem gu- ten Salär beim späteren Verkauf der Anteile.
Eine neue Variante im Markt macht die Partizipation an diesem grundsätzlich sehr lu- krativen Geschäftsfeld nun auch mit deutlich kleineren Beträgen von wenigen hunderttau- send Euro möglich, die auf Online-Plattfor- men eingelegt werden können, hinter denen professionelle Strukturen mit einschlägiger Expertise stehen. Auf diesem Feld gibt es auch börsennotierte Beteiligungsgesellschaften, die mit den ihnen anvertrauten Geldern Unter- nehmen kaufen, um sie unter dem Dach einer Industrieholding langfristig zu entwickeln.
Egal aber, welche Provenienz die Liqui- dität hat, die nach Anlage sucht, ohne intensi- ve Befassung, Recherchen und gründliche Er- wägungen sind keine Verfügungen zu treffen. Auf sein Quentchen Glück ist nie zu vertrauen. Sachdienliche Erkundigungen sind stets ein- zuholen, bevor Geld in aktive oder passive An- lageformen fließt. Fehlentscheidungen lassen sich später oft gar nicht mehr korrigieren oder aberdieseKorrekturenwerdensehrteuer. 􏰀
Dr. Helmut Habig, Dr. Helmut Habig & Partner Unternehmensberatung, Oelde
  unternehmermagazin 1/2·2020 53













































































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