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 Unternehmernachfolge
 SPECIAL
Risikomanagement gerichtlicher Streitigkeiten
Prozessfinanzierung für Erben
Richtig ist, dass nicht für jedes denkbare Risiko Vorsorge getroffen werden kann oder muss, doch sinnvolle Prophylaxe hat sich geschäft- lich und privat zumindest auf die substanti- ellenRisikenzubeziehen.Insofernentschei- den sich Unternehmen bei
teuren gerichtlichen Ausein- andersetzungen mit Wett-
bewerbern, Lieferanten oder
Kunden ganz bewusst für ei-
ne Prozessfinanzierung, wo-
bei oft an die Verfolgung von Schadenersatz-, Werklohn-
und Kaufpreisansprüchen
zu denken ist. Aber auch in Erbstreitigkeiten kann eine Prozessfinanzierung im Zu-
ge einer Nachfolge von To-
des wegen zur Begrenzung
finanzieller Risiken dienen,
wobei solche Fehden vor Gericht vor einem Erbfall grundsätzlich nicht versicherbar sind.
DasPrinzipisteinfach.DerProzessfinan- zierer übernimmt in der Regel alle Kostenri- siken. Bei einem Streitwert von einer Million Euro summiert sich der Aufwand für Gerichte und Rechtsanwälte im Instanzenzug auf min- destens 166.000 Euro, wobei der Aufwand für gerichtliche Sachverständige noch nicht ein- gerechnet ist. Nicht zuletzt ein Gutachten zur Ermittlung des Wertes eines Unternehmens kann rasch eine sechsstellige Summe kosten. Geht ein finanzierter Prozess verloren, wird nichts an den Prozessfinanzierer gezahlt. Wird
der Rechtsstreit gewonnen, partizipiert der Prozessfinanzierer im Gegenzug vereinba- rungsgemäß am wirtschaftlichen Erfolg. Die Höhe seines Anteils hängt vom Umfang der Finanzierung(Voll-oderTeilfinanzierung),
von den jeweiligen konkre- ten Gegebenheiten (Bonität der Gegenseite) und von den rechtlichen Risiken (Beweis- last, strittige juristische Fra- gen) ab. Der Anspruchsinha- ber vereinnahmt oder spart aber stets den Löwenanteil.
Dabei stellen sich als Ge- genleistung für diese Beteili- gung am angestrebten Pro- zesserfolg noch weitere Vor- teile ein: Die eigene Liquidi- tät wird nachhaltig geschont, so dass sie beispielsweise in
unternehmerische Investitionen fließen kann. Idealerweise begleitet der Prozessfinanzierer das Verfahren auch konstruktiv und kritisch durch eigene Rechtsanwälte, die auf den je- weiligen juristischen Feldern in Theorie und Praxis erfahren sind. Die ausgewiesenen Spe- zialisten stehen den eigentlichen Prozessan- wälten dann fortlaufend mit ihrer Expertise im fachlichen Austausch zur Seite. Falls sich dies in Verfahren ergibt, kommt auch in Be- tracht, die Prozessfinanzierung gezielt offen- zulegen,dasich die Gegenseite spätestens dann fragen muss, warum sich ein Dritter finanziell dermaßen für die andere Partei engagiert.
Aktivprozesse durch eigene Klagen > Im- mer dann, wenn ein Anspruch gütlich nicht realisiert werden kann, gilt grundsätzlich, dass in solchen Fällen oft nur die Anrufung von Gerichtenbleibt.ImErbrechtistvoralleman Ansprüche von Erben gegen Erbschaftsbesit- zer oder gegen Dritte, die vom Erblasser leb- zeitig beschenkt wurden, und an Pflichtteils- ansprüche gegen Nachlässe zu denken. Außer- dem gibt es Verfahren, in denen die Wirksam- keit von Testamenten oder die Testierfähigkeit von Erblassern bestritten werden.
Letztlich aber geht es immer darum, wer rechtmäßiger Nachfolger in einem Unterneh- men wird, wie werthaltig das unternehmeri- sche Erbe ist oder mit welchen finanziellen La- sten sich Erben konfrontiert sehen. Wird der Streit um solche Fragen mit Hilfe eines Pro- zessfinanzierers gewonnen, ist die Erlösvertei- lung klar. Der Anspruchsinhaber und der Pro- zessfinanzierer teilen sich den wirtschaftlichen Erlös nach Erstattung der verauslagten Kosten in den zuvor vereinbarten Quoten.
Passivprozesse zur Abwehr von Klagen > Neben der aktiven Verfolgung durch Inhaber bestimmter Ansprüche kann aber auch die Verteidigung gegen Ansprüche Dritter finan- ziert werden, beispielsweise wenn es darum geht, etwaige Pflichtteilsansprüche abzuweh- ren. Pflichtteilsberechtigt sind im deutschen Erbrecht vor allem Abkömmlinge und über- lebende Ehegatten, wenn Erblasser anderwei- tige Verfügungen getroffen haben. Das heißt:
  Dr. Anke Warlich
  Ansprüche gegen Erbschaftsbesitzer oder gegen Dritte, die beschenkt wurden • Aufdeckung der Prozessfinanzierung vor Gericht
    54 unternehmermagazin 1/2·2020








































































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