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  Kunst, Kreativität, Kraft und Kommunikation
Doppelte Unternehmensführung im dritten Jahrtausend
      FÜR UNTERNEHMER
» Dr. Leonhard Fopp
Inhalt » Der bedeutende Strategieband und Bildband stellt dar, welche ökonomischen Wirkungen Kunst im Zeichen der Globalisierung in Unternehmen und für Unternehmen entfaltet, intern im Hinblick auf die Führung, die Mitarbeiter und die Firmenkultur, extern im Hinblick auf Kunden, Liefe- ranten und Öffentlichkeit sowie im Hinblick auf die Marken- bildung und den Markt. Der einleitende Teil begründet den sinnstiftenden Ansatz und zeigt auch anhand vieler Fall- studien, wie vielseitig die Optionen sind, den Erfolg und die Erlöse nachhaltig zu steigern. Die aufschlussreichen Inter- views mit bedeutenden Sammlern in Deutschland und in der Schweiz (Prof. Dr. Reinhold Würth, Marli Hoppe-Ritter, Dr. Hans Künzle, Michael Ringier, Michael Pieper, Jobst Wag- ner) geben persönliche Einblicke in die Ziele, in den Aufbau und in die Nutzung der Kollektionen. Fünf Beiträge ausge- wiesener Experten runden die Argumentation mit wichtigen Aspekten ab. Dadurch wird die Bandbreite der thematischen und pragmatischen Schwerpunkte klar, unter denen Firmen auf diesem Feld nicht zuletzt als Kapitalanlage nachhaltig investieren. Für Unternehmer, Kenner und K unstliebhaber.
ISBN 978-3-937960-30-2 | Preis: 98,00 € | Bestellung Tel.: 0228/95459-92 • Fax: -80 oder jederzeit in unserem Online-Shop im Internet: www.unternehmermedien.de
                      GEDANKEN FÜR GENERATIONEN
  War ein Erblasser im gesetzlichen Güterstand verheiratet und hinter- lässt er zwei Kinder, hat jedes durch Testament vom Erbe ausgeschlos- sene Kind einen Pflichtteilsanspruch von 12,5 % des Werts des Nach- lasses. Gestritten wird vor allem über Bewertungsfragen, über den Be- stand des Nachlasses und über ergänzungspflichtige lebzeitige Schen- kungen. Seit geraumer Zeit wird auch um die Wirksamkeit von Pflicht- teilsverzichten gefochten, die in Unternehmerfamilien nicht unüblich sind. Dabei geht es stets um die Abwehr eines empfindlichen Mittel- abflusses, zumal Pflichtteilsansprüche sofort und in Geld fällig sind. Die Ressourcen, um solche Zahlungen zu leisten, während überdies die Kosten des Rechtsstreits zu tragen wären, sind in unternehmerisch ge- prägten Vermögen nicht immer ohne Weiteres gegeben. Daher sind im deutschen Markt zumindest einige Prozessfinanzierer bereit, sich mit Beklagten gegen Forderungen von Pflichtteilsberechtigten zu stemmen.
Beispiel aus der Praxis > Der Erbe eines namhaften Unternehmens wird von seiner Schwester auf ihren Pflichtteil von 2 Mio. Euro verklagt. Seine Liquidität reicht für die Prozesskosten der erwartbaren 275.000 Euro über alle Instanzen nicht sicher aus, da außerdem Erbschaftsteuer zu zahlen ist. Des Weiteren schlägt das Gutachten über den Wert des Unternehmens teuer zu Buche. Lebzeitig hatte die Familie für all dies keine Vorsorge getroffen. Freie Mittel wurden stets in die Firma reinve- stiert. Dieser Fall wird einem Prozessfinanzierer vorgestellt. Dieser geht nach eingehender Prüfung davon aus, dass die Forderung der Schwester geringer ausfallen wird, da eine realistische Chance besteht, dass Ge- genansprüche in Form einer Kürzung wegen lebzeitiger Zuwendungen an die Schwester dargelegt und bewiesen und auch sonst Rechtsfragen zumindest teilweise zugunsten des Erben entschieden werden könnten.
Unter diesen Kautelen trägt der Prozessfinanzierer die Kosten der Verteidigung gegen die Klage. Dafür wird er mit einer Quote von 30 % an den Einsparungen des Bruders beteiligt. Der Erfolg, an dem der Pro- zessfinanzierer partizipiert, ist in der Finanzierung eines Passivprozesses der Betrag, den der Beklagte von der Forderung der Klägerseite letztlich nicht zahlen muss. Wird der Bruder hier in zweiter Instanz verurteilt, der Schwester 1 Mio. Euro zu zahlen, liegt die Kostenlast noch bei 80.000 Euro. Der Prozessfinanzierer erhält als Erlösanteil 276.000 Euro, wäh- rend der Erbe immerhin noch 644.000 Euro spart. Wäre das Verfahren verloren gegangen, wäre der Erbe endgültig von allen Kosten freigestellt worden, da sie der Prozessfinanzierer komplett übernommen hätte. Für den mehrjährigen Prozess musste der Erbe ohnehin nie Gelder für den Prozess aufwenden oder zurückstellen, und sei es nur bilanziell.
Fazit > Bei Streitigkeiten im Rahmen einer Nachfolge in Unternehmen geht es oft um viel Geld. Entsprechend hoch sind die Kostenrisiken ei- ner gerichtlichen Klärung. Eine Prozessfinanzierung kann dabei in ge- eigneten Fällen gezielt zur Reduzierung der Kostenrisiken dienen, die aus juristischen oder aus tatsächlichen Unsicherheiten entstehen. Fi- nanzierbar sind die Verfolgung eigener Ansprüche sowie die Abwehr von Ansprüchen anderer gegen einen selbst vor Gericht, wobei die ei- gene Liquidität in beiden Fällen erhalten bleibt. Geht ein Prozess trotz vermeintlich guter Chancen schließlich doch verloren, trägt der Pro- zessfinanzierer die gesamten Kosten. Aber auch sonst wird die Position im Verfahren gestärkt. Letztlich gewinnt der Prozessfinanzierer nur, wennUrteileoderVergleicheimSinneseinesAuftraggeberssind. 􏰀
RAin Dr. Anke Warlich, LL.M., FORIS AG, Bonn
 unternehmermagazin 1/2·2020 55






















































































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