KW 07 | Enttäuschung statt Chance

Theorie und Praxis einer Erneuerung

Die „umfassendste Umgestaltung der Deutschen Bank“ hatte die neue Führung von Deutschlands größ­tem Geldhaus vergangene Woche anlässlich der Präsentation der Geschäftszahlen verheißen. Ein Element des „tiefgreifenden Kulturwandels“ den Anshu Jain und Jürgen Fitschen dem Branchenprimus verordnet ha­ben, soll die deutliche Reduktion der Boni für die Investmentbanker und Händler sein. Diese Prämien mit ihren fatalen Fehlanreizen werden für die kapital- und imagevernichtenden Ex­zes­se der letz­ten Jah­re verantwortlich gemacht. Hehre Ziele, schöne Worte: Aber wie lassen sich die Herren an Ta­ten mes­sen?

Die Bank, die 2012 mit einem Gewinn von gerade einmal 665 Millionen Euro nach Steuern beschloss, ob­wohl ein Vorsteuergewinn von 10 Milliarden Euro avisiert worden war (!), hat für dieses ab­ge­lau­fene Jahr einen Bonus-Pool von sage und schreibe 3,2 Milliarden Euro angelegt. Die Obergrenze pro Kopf für so­for­ti­ge Prämien wurde nicht etwa gesenkt, sondern gegenüber 2011 um 100.000 Euro an­ge­ho­ben. Und das im Rückblick auf ein viertes Quartal, das im Investmentbereich eine halbe Milliarde Euro Ver­lust auswies!

Ist der propagierte Kurswechsel also nur ein Lippenbekenntnis? Was soll man davon halten, wenn ein in der Londoner City sozialisierter Vorstand den Kehraus nun so widersprüchlich betreibt? Ein Mann, dessen Be­zü­ge in sei­nen 20 Jahren in der Deutschen Bank ei­nen mittleren dreistelligen Millionenbetrag ausma­chen sollen? Hier liegt die Deutung nahe, dass in dem heute zunehmend angelsächsisch dominierten In­sti­tut eine Selbstbedienungsmentalität mit einer völlig überzogenen Erwartungshaltung an Saläre grassiert.

Dabei ist es ja nicht so, dass die Bank ihren Eigentümern in den letzten zehn, fünfzehn Jahren, in denen das Investmentbanking so massiv an Bedeutung zugenommen hat, große Freude bereitet hätte: der Ak­ti­en­kurs hat in dieser langfristigen Perspektive durchaus für Enttäuschung gesorgt. Eine Investition in die Pa­­pie­re warf nicht  einmal eine Sparbuchrendite ab, von dem deutlich höherem Risiko ganz zu schwei­gen.

Ein glaubwürdiger Neuanfang sieht also anders aus. In ihrer bislang wichtigsten Pressekonferenz hätte die neue Doppelspitze ein ganz anderes deutliches Zeichen setzen können. Diese Chance wurde vertan.

Johann Oettinger M.A.