KW 25 | Riskante Kommerzialisierung

Ein besorgniserregender Börsengang

Es ist paradox: Facebook, ein Inbegriff von Unternehmertum in unserem Zeitalter der Bits und Bytes, kün­digt kurz nach sei­nem holprigen „Going public“ an, von der computergestützten Nasdaq an die tra­­di­tions­reiche New York Stock Exchange wechseln zu wollen. Das Vertrauen des Social-Net­work-Gi­ganten in die Steue­rung des Handels seiner Aktien durch Software war offenbar schnell er­schüt­tert. Jetzt sollen es die alt­modischen Menschen aus Fleisch und Blut richten.

Diese Ironie wirft ein Schlaglicht auf die drei Säulen, die das Geschäftsmodell Zuckerbergs tragen:  Die erste ist das Mitteilungsbedürfnis der Menschen. Das ist gegeben, war es immer und wird es im­mer sein. Neu ist nur, dass es heute weltweit als Konferenzschaltung im Internet in Echtzeit gelebt wer­den kann. Die zweite ist die Kommunikationstechnologie, die allerdings längst zur Grund­la­ge der glo­balen Ökono­mie ge­worden ist, nicht nur der Internetpioniere. Die dritte Säule allerdings könnte den Aktionären Sorgen machen: Reicht die Kommerzialisierung von Banalitäten im Kampf um Kapital an den internationalen Finanzmärkten aus? „Hallo, hallo, ich war gerade einkaufen“ als börsen­fä­hi­ges Produkt?

So wichtig es vielen auch ist, Kurznachrichten aus ihrem Alltag an ihre öffentliche Pinn­wand zu heften; ob es ihnen Geld wert ist, wissen wir nicht, zumal Facebook das Naturgesetz ausge­ge­ben hat, sei­ne Dienstleistung sei und blei­be kostenlos. Damit schnurrt die Erlösperspektive darauf zu­sammen, Mil­lionen Menschen zwecks Austauschs meist belangloser Botschaften (über sich selbst) vir­tuell zu­sammenzuschließen, um diese Masse potentieller Kunden Dritten für Wer­bung jed­we­der Art anzu­die­nen.

Zweifellos kann der Ansatz rentabel sein, ein Netzwerk zu betreiben, das möglicherweise belanglose Inhalte verbreitet und das die primären Nutzer nicht be­­zahlen, sonst hätten wir kein Privatfernsehen. Im Fall eines „Global players“ aber, dessen Kurs aktuell in etwa dem der Deutschen Bank entspricht, würde es freilich beruhigend wirken, wenn das, was die Wertschöpfung hergeben soll, einen etwas not­wen­­di­geren Charakter hätte.

 Dr. Benjamin Teutmeyer