KW 46 | Vertrauensverlust

Hartes „Downgrade“ der Commerzbank

Prinz Andreas von Griechenland überschrieb seine Erinnerungen an den Feldzug in Kleinasien1921 mit „To­wards Disaster“. Würden die Deutschen Plagiate nicht so schrecklich finden, könnte man auch die be­vor­stehende Bilanz der Commerzbank so be­ti­teln. Noch besser: Das Institut sucht ja einen neuen Claim. Also dann: To­wards Disaster! Endlich ein englischer Zusatz wie bei der Deut­schen Bank! Das klingt doch gleich viel moderner als „Berater­bank“, ist eingängig, griffig – und trifft die Perspektiven des Instituts gut.

Alle Finanzhäuser kämpfen seit Jahren mit den Folgen der Krise. Dabei haben die einen sinnvollere Wege als die anderen eingeschlagen. Das hat nicht nur mit Können zu tun, sondern auch mit Fortune. Bei der Commerzbank hätte aus der Rückschau freilich Vieles besser gemacht werden können. Aber hinterher ist man ja immer klüger, und wer sollte angesichts der herausfordernden Situation beck­mes­sern wollen?

Was allerdings wirklich erstaunt, ist die katastrophale Kommunikation der Frankfurter. Monatelang wurden die Märkte auf den 8. November getimt. An diesem Tag sollte die rettende Zukunftsstrategie ver­kündet werden. Der Befreiungsschlag nach dem Hin- und Her im Frühjahr, als Immobilien- und Schiffs­fi­nan­zierung erst zu Kerngeschäft erklärt und dann bald darauf zum abzuschneidenden Ap­pen­­dix wurden. Doch der Investorentag, den die Börse seit September mit optimistischen Kursen erwartet hatte, ist zum D-day geworden: das Vertrauen in den Neuanfang der alten Führung ist nach deren erneut schwacher Per­formance dahin. Die Aktie fällt Richtung Penny-Stock.

In den Tagen vor der Pressekonferenz wurde noch viel spekuliert: über die Zahlen im dritten Quartal (schlecht), über den Ausblick (miserabel), über die Neuausrichtung (ernüchternd) und über ein Ko­sten­sen­kungs­programm (unklar). Die Commerzbank will ehrgeizige Einsparungen realisieren, während sie zu­gleich nicht in der Lage oder nicht willens ist, den ins Auge gefassten Stellenabbau zu quantifizieren.

Das Geschäft, so wie es die Commerzbank nun betreiben will, richtet sich stark auf die Schnittstelle zum Kunden aus. Guter Service lebt und stirbt jedoch mit motiviertem Personal (was auch die Lufthansa in ihrer Re­struk­turierung zu  bedenken hätte). Das Backoffice mag also noch so gut sein, doch über den Erfolg ent­schei­det angesichts der Substituierbarkeit der Bankprodukte in Deutschland vor allem der Filial­kon­takt vor Ort. Ein Arbeitgeber, der Stellenstreichungen verkündet, die kolportierte Pläne – jede zehnte Stelle könnte überflüssig sein – aber nicht vernünftig kommentiert, übt entweder subtil Druck auf seine Leute aus oder er weiß selbst nach monatelanger Vorbereitung nicht, wie es weitergehen soll. Beides ist bedenklich für das Image.

Andreas von Griechenland hat übrigens nicht nur den Feldzug in Kleinasien verloren. Am Ende wurde er degradiert und schließlich gar aus Griechenland verbannt. Martin Blessings Vertrag läuft noch bis 2016.

Johann Oettinger M.A.