KW 48 | Alles für das gute Gewissen

Die Deutschen und der Umweltschutz

Nach der Umweltprämie für alte PKW vor drei Jahren, plant die Bundesregierung nun die Einführung einer Art Abwrackprämie für die Stromfresser in der Küche, die Kühlschränke. Nach Plänen des Bundesumwelt- und Arbeitsministeriums könnten Einkommensschwache und Hartz-IV-Empfänger profitieren, die einen Zuschuss für die Anschaffung eines neuen energieeffizienten Geräts erhalten sollen.

Dass die Sozial- und Umweltverbände angesichts solcher Vorhaben jubeln, ist verständlich. Was aber soll die Maßnahme bewirken? Wenn die sozialdemokratisierte CDU nun ihr Herz für die Schwa­chen in der Gesellschaft entdeckt, wäre es vernünftiger, die Sätze für Hartz IV anzuheben. Das Problem ist nur, dass höhere Leistungen nicht so einfach rückgängig gemacht werden könnten, wenn das Geld spä­ter fehlt. Ergo verteilt man vor der Bundestagswahl nur ein einmaliges Wahlgeschenk, das noch andere Vorteile mit sich bringt. Unter dem Deckmantel des Umweltschutzes werden Steuergelder auf Kosten der Allgemeinheit für keynesianische Konjunkturmaßnahmen verschwendet. Denn wo bitte liegt der Gewinn für die Umwelt, wenn funktionierende Kühlschränke verschrottet werden? Die wirklichen Nutznießer dieser Übung sind die Hersteller der Geräte. Es sei ihnen gegönnt.

Fernab dieser neuen kuriosen Idee der Regierung sind viele Aktivitäten im Namen des Umweltschutzes Placebos für das Gewissen, und zwar unabhängig davon, ob man den Klimawandel für an­thro­pogen hält oder den Treibhauseffekt für einen Schwindel von Wissenschaft, Politik und Medien. Beispiel Energiesparlampen: Worin besteht der Vorteil von Leuchtmitteln, die gesundheitsgefährdendes Quecksilber enthalten und irgendwann in den Sondermüll müssen? Außerdem gibt Wassersparen das gute Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun. Die Deutschen sind auch hier Weltmeister. Die Sache ist je­doch kompletter Unsinn. Wasser gibt es bei uns im wahrsten Sinne des Wortes im Überfluss. Hier zu sparen hilft niemandem in den ariden Regionen der Welt. Dafür gedeihen Keime und Bakterien bestens in den nicht ausgelasteten Leitungen. Um diesem Problem abzuhelfen, müssen die Kommunen die Rohrleitungssysteme wesentlich häufiger als früher spülen. Während wir also den heimischen Wasserhahn beim Zähneputzen abstellen und teure Wassersparvorrichtungen in Toiletten und Duschen verbauen, vergessen wir den enormen Wasserbedarf für die Herstellung von Biosprit oder für den Anbau billiger Tomaten in Südeuropa. Dieser „virtuelle“ Wasserverbrauch durch Produkte, die im Ausland hergestellt, aber von uns konsumiert werden, steigt. Laut Berechnungen von Experten ist der daraus resultierende Wasserbedarf höher als der Jahresniederschlag in Deutschland.

Das Thema Umweltschutz war und ist leider immer noch viel zu sehr ideologisch aufgeladen. Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse spielen in der Öffentlichkeit nur eine untergeordnete Rolle. Dabei ist mit dem Thema natürlich gutes Geld zu verdienen. Das Etikett „umweltschonend“ lässt sich hervorragend vermarkten. Häuslebauer bestücken ihre Dächer mit Solaranlagen, weil die Allgemeinheit in einem Umlagesystem die garantierte Einspeisevergütung bezahlt. Sicher aber hat sich die Politik noch keine Gedanken darüber gemacht, wie die teils giftigen Solarmodule in 30 Jahren entsorgt werden sollen. Alles in allem werden die deutschen Umweltschützer den Erdball also nicht im Alleingang ret­ten, auch wenn sie überengagiert diesen Eindruck vermitteln. Der gesunde Menschenverstand reicht jedenfalls aus, um auch gut gemeinten Unfug als Unfug zu erkennen.

Carsten Becher M.A.