KW 26 | Mehr wäre mehr gewesen

Abstimmung über den Ausbau des Münchner Flughafens

„Laptop und Lederhose“: Auf diese Formel hatte Bundespräsident Roman Herzog einst den Wandel Bayerns vom Agrarland zum High-Tech-Standort  gebracht. Die Lederhose wird in Bayern heute noch getragen, auch junge Menschen sprechen Mundart und zeigen sich in Tracht. Das eigene Kul­tur­gut wie der traditionelle Biergarten wird geschätzt. Das Wort Heimat klingt hier nicht nach Spießig­keit.

Zugleich ist Bayern der Sitz von „Global Playern“, hier wird Spitzenforschung betrieben, nicht nur, aber vor allem in der Region München. Diese Stadt ist ein prosperierendes Kraftzentrum mit diversen alten und neuen, zukunftsträchtigen Branchen. Hier wird viel Geld verdient und viel konsumiert. Die Landeshauptstadt kann sich kulturelle Einrichtungen von Weltniveau leisten: Der teuerste Dirigent der Welt ist gerade in der Isarmetropole eingetroffen.

Allerdings gibt es auf die wirtschaftliche Blüte kein Abonnement. Sie wird täglich erarbeitet, wobei auch München längst im globalen Wettbewerb der Standorte steht. Eine leistungsfähige Infrastruk­tur ist wichtiger Teil des Fundaments, auf dem ökonomischer Erfolg beruht. München wird heute und morgen keinen Schaden nehmen, wenn es nun keine Flughafenerweiterung gibt. Aber es ist eine ver­passte Chance, weiteres Wachstum zu generieren. Der Franz-Josef-Strauss-Airport im Erdinger Moos ist der sechstgrößte Flughafen Europas, so dass sich die Frage stellt, ob er ohne neuerlichen Ausbau im Konzert der internationalen Drehkreuze weiter mitspielen kann. Die Lufthansa hat bereits ange­kün­digt, künftig auf den Standort Wien zu setzen, die Basis ihrer Konzerngesellschaft Austrian.

Durchgerechnet hat gerade mal ein Sechstel der Münchner Stadtbevölkerung die Zukunftssicherung des Flughafens verhindert, obwohl diese Frage zumindest den ganzen Raum Oberbayern betrifft. Bei der Abstimmung über Stuttgart21 durfte hingegen die gesamte Bevölkerung Baden-Württembergs  vo­tieren, da dieses Infrastrukturvorhaben Effekte auf weite Teile des Landes hat. Die Frage nach der Legitimität der Münchner Entscheidung stellt sich daher schon: Wie beim Rauchverbot konnte eine relativ kleine Initiative eine weitreichende Entscheidung herbeiführen. Dass das milliardenschwere Investitionsvorhaben ohne Steuergelder finanziert worden wäre und dass die Jobmaschine Flughafenerweiterung nun nicht anspringen wird, will man sich wohl leisten. Was bleibt, ist das qualitative Wachstum einer gesättigten Metropole gespannt zu verfolgen.

Johann Oettinger M.A.