Leserbrief zum Editorial

UMAG 1-2/2013 | „Der ehrbare Kaufmann und seine Steuersünden“

Sehr geehrter Herr Dr. Nenzel,

den Fall Hoeneß bewerten sie meiner Ansicht nach nicht ganz richtig. Sie haben recht, dass es nicht angeht, Steuern zu hinterziehen. Dafür muss Uli Hoeneß büßen und dies soll er auch gemäß den Gesetzen ordentlich tun. Aber ihn deshalb aus allen Ämtern zu verbannen, halte ich für übertrieben und ungerecht.

1) Auch einem Steuersünder muss vergeben werden, zumal er eine Selbstanzeige erstattet hat. Und sollte die Selbstanzeige nicht fruchten, weil der Fall ohnehin kurz vor der Aufdeckung stand, muss er zu Recht noch mehr büßen.
2) Uli Hoeneß ist ohne jeden Zweifel ein Leistungsträger der Gesellschaft und verdient trotzdem ge­bührenden Respekt. Er hat Arbeitsplätze geschaffen. Er hat als Leistungsträger was weiß ich, wie viel Millionen Euro Steuern bezahlt. Die Arbeitsplätze, die er geschaffen hat, bringen dem Staat weitere Millionen Euro an Steuern. Der gesunde FC Bayern zahlt auch nochmal kräftig. Es wäre in der Tat interessant, wie viel an Steuern durch Uli Hoeneß und seine Umgebung zusammenkommt.
3) Gerade wenn jemand eine Selbstanzeige macht, zahlt er doch alle Steuern mit Zins und Zinseszins. Warum soll er also zurücktreten? Dies muss er dann, wenn der Fall ohnehin aufgeklärt worden wäre und er damit rechnen musste, als Krimineller dazustehen.
4) Der Vergleich von Frau Dr. Käßmann und Uli Hoeneß hinkt. Natürlich ist ein Bischof oder eine Bi­schöfin nicht ohne Fehler und können auch nicht ohne Fehler sein. Nur ist zwischen einem Fuß­ball­klub und der Kirche ein Unterschied zu machen.  Ein Fußballklub ist schwerpunktmäßig auf Un­ter­hal­tung, Kommerz und dergleichen ausgerichtet. Die Kirche aber hat ein Wächteramt. Deshalb ist der Maßstab schon ein Anderer. Wenn Uli Hoeneß einer Kirche vorstehen würde, würde ich Ihnen Recht geben, dass er da nichts mehr zu suchen hat, auch bei einer Selbstanzeige nicht. Kirche steht in erster Linie für eine Vorbildfunktion. Bei einem Fußballklub ist dies weniger der Fall.
5) Alkohol am Steuer und Steuerhinterziehung sind an sich betrachtet kriminell und doch ist hier ein Unterschied zu machen. Nicht weil Steuerhinterziehung geringer zu bewerten ist, sondern weil Al­ko­hol am Steuer Menschenleben gefährdet. Menschenleben sind stärker zu gewichten als Geld.

Aber Sie können sicher sein, Uli Hoeneß wird es lange schmerzen, dass ausgerechnet er doch nicht so vorbildlich war wie er hätte sein sollen. Gerade deshalb, weil er in der Öffentlichkeit steht, wird er in Vielem gehemmt sein. Das wird ihn mehr schmerzen als seine Steuernachzahlungen. Ich würde ihn als VfB-Fan leben lassen. Zum Schluss: Ihre Beiträge im unternehmermagazin lese ich gern.

Günther Köpple, Kaufmännisches Management
Schwamborn Gerätebau GmbH
Robert-Bosch Straße 8 | 73117 Wangen

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