Ausgabe 10 • 2004 | Editorial

Kleiner Jahresrückblick auf das eigene Geschäft

2004 ist rum, hinterlässt aber kein klares Gefühl. War es grottig, war es gut oder wie 2003 gerade mal so làlà? Wie bringt man tausend Dinge, die sich seit dem letzten Böllerschuss ereignet haben, für sich selbst auf den Punkt? Am eindeutigsten sind die Kontoauszüge. Soll und Haben sind als Chronik von Erfolg und Misserfolg Blatt für Blatt datiert. Rote Zahlen gemahnen an Ärger mit Lieferanten und Banken, an verpasste Chancen wegen unterlassener Investitionen, im besten Fall an schwaches Forderungsmanagement. Schwarze Zahlen haben Stress abgebaut und einen Zugewinn an unternehmerischer Freiheit bewirkt. Es geht also bergauf! Aber die Luft wird auch dünner, den Gipfel im Visier. Soll heißen, dass mehr Umsatz und Ertrag prima vista noch nicht für weihnachtliche Siesta sorgen. Wer sein Unternehmen kennt, hat viele diffizile Kennziffern vor Augen, die bisweilen leider eher uneindeutig sind. Je mehr Daten nachbeurteilt werden, um so mehr Widersprüche treten womöglich auf, die nach kundiger Interpretation verlangen. Es ist nicht alles wirklich Zukunft, was rosig nach Rendite riecht.

Ein Beispiel: Beruht der Jahresüberschuss auf ein oder zwei exorbitanten Ordern, wird man um deren Wiederholbarkeit bangen. Was aber, wenn solche außergewöhnlichen Bombengeschäfte im nächsten Jahr plötzlich fehlen? Überhaupt die Key-Accounts: Wie ist die Stimmung auf der Kundenseite? Wie steht es um die neuen Etats? Was macht die Konkurrenz? Hat man die Beziehung im abgelaufenen Jahr wirklich vertieft oder hängt alles davon ab, dass der Ansprechpartner bleibt? Was ist mit den eigentlichen Brot- und Butterdeals? Hat man genügend Neukunden hinzugewonnen, so dass sie den Absprung alter Kunden überkompensieren? Und wie sieht es mit der Umsatzentwicklung im Einzelnen aus? Mehr oder weniger Menge und Marge pro Auftrag? Welche Resonanz fanden die Produkte im Markt? Gab es Zufriedenheit mit Qualität, Preis, Service, Rechnungsstellung und Drumherum? Oder wurde vernehmlich gemäkelt? Lag letzteres vor, besteht akuter Handlungsbedarf. Wie fühlen sich die Leistungsträger im Betrieb? Herrscht allgemeine Treue zum Trupp oder wurden Abwanderungsgelüste laut? Fragen über Fragen, die über die Belastbarkeit des Jahresabschlusses befinden.

Bei alledem ist nur spannend, ob das Unternehmen selbst kräftiger und kreativer geworden ist, ob es durch mehr Kompetenz und Motivation seiner Menschen, durch verbesserte Prozesse und eine optimierte Organisation, aber auch durch dauerhaft erweiterte Absatzkanäle robuster dasteht als vor Jahresfrist. Insofern hat es überhaupt keinen Sinn, sich zu Silvester mit Champagner zu beprickeln, wenn noch der allerschönste Gewinn eine Eintagsfliege zu bleiben droht, weil er letztlich eher auf glücklichen Umständen als auf gewachsenem Können beruht. Worum es geht, ist, den Charakter verdienten oder verlorenen Geldes zu erkennen und sich nicht an virtueller Wertschöpfung zu berauschen oder an vernünftig erklärbaren, temporären Minuszahlen zu zermürben. Was zählt, ist Substanz.

In diesem Sinne besteht die eigentliche Belohnung einer hübschen Nachsteuersumme in der tiefen Befriedigung, es wieder einmal zwölf Monate lang für sich selbst und seine Mannschaft gut gemacht zu haben. Allein dafür lohnt es sich!

Beste Grüße aus Bonn, Ihr Reinhard Nenzel, Chefredakteur