Ausgabe 11 • 2002 | Editorial

Optimierungen nicht nur zur Weihnachtszeit

Am Ende eines jeden Jahres wird Bilanz gezogen. Was war gut? Was war schlecht? In Unternehmen ist dies die Zeit, wo die Geschäfte längst gemacht oder längst vergeigt worden sind und die ehrenwerten Vorsätze überwiegen. Dieses und jenes wird einem nie wieder passieren, anderes hat einen schlicht überrascht, vieles war natürlich auch wie geplant. Jetzt, wo aus Absicht Überblick wird, fällt auf, was alles nicht nach Wunsch verlief, speziell im Hinblick auf verschenkte Chancen. Da geht es um die ultimative Idee, ein neues, lukratives Geschäftsfeld zu erschließen, die mangels Kraft und Kapazitäten Luftschloss blieb, oder um die Ankündigung eines großen Auftrags, der wegen eines unglücklichen Umstands nicht zustande kam. Unerfüllte Hoffnungen und falsche Erwartungen stoßen sich an der profanen Realität. Emotional gern und rasch unter »Menschliches, Allzumenschliches« verbucht, wiegt dieses fehlende Geld unter Wachstumsgesichtspunkten schwer. Umsätze sind Voraussetzung für Gewinn. Aber Umsatz ist Arbeit. Hier geht es um die Mitarbeiter. Waren sie motiviert und effektiv? Haben sie auch unter Stress glücklich agiert? Waren sie stark im Außenauftritt und verhandlungssicher? Oder ist unter der Hand eine fatale Entschuldigungskultur entstanden, die fehlendes Engagement durch engagiertes Reden über die mutmaßlichen Gründe ärgerlicher Misserfolge ersetzt?

Wenn der Geist in der Truppe nicht stimmt, kann man keine Marktattacken reiten. Wer sein hoch gerüstetes Eskadron als Unternehmer ständig von hinten antreiben muss, kommt nicht mehr dazu, das eigene Fähnlein klug zu führen. Diese Kopflosigkeit schwächt die Kampfkraft weiter. Statt in geordneter Linie dicht hinter der Avantgarde zu sein, steigen die vermeidbaren Verluste. Geht kein Ruck durch Chor und Flügel, reiben sich selbst beste Feldmarschälle auf. Wer richtig rekrutiert, hat mit diesem Problem nichts zu tun. Er kann seine Strategie verfolgen und die Taktik feuereifrigen Adjutanten überlassen. Die Mitstreiter werden in jeder Situation im Sinne der gemeinsamen Sache agieren. Wer hingegen wankende Gemüter in die Offensive schickt, wird wahrscheinlich ein Fiasko erleben.

In Zeiten kranker Konjunktur, in denen zahlende Kunden kostbare Kleinodien sind, müssen Mitarbeiter Antriebe wie Ehrgeiz, Energie und Entschlossenheit zeigen. Eigentlich selbstverständliche Dinge, die jedoch keineswegs und vor allem nicht dauerhaft erzwingbar sind. Ihre gemeinsame Wurzel heißt Verantwortung, und zwar für den eigenen Beritt wie für das Große und Ganze. In der Praxis läuft es darauf hinaus, den wesentlichen Unterschied von Versuch und verwertbarem Resultat zutiefst zu verstehen. Ergebnisse sind etwas völlig anderes als die taugliche oder untaugliche Bemühung darum. Wer heute noch dafür gelobt werden will, dass er immerhin mehrfach auf eine Mailbox in Nirwanaland sprach, anstatt den Deal zu machen, braucht dringend neue Software für seinen Autopiloten.

Bei alledem ist Felix von Cube zu zitieren: »Lust auf Leistung« ist neben Talent und Begabung der wichtigste Schlüssel für wiederholbaren Erfolg. Sie zu wecken und zu hegen, ist vornehmste Aufgabe von Unternehmern. Wie dies geschieht, ist einerlei. Hier gibt es viele Kniffe. Einer ist, durch Leistung Lebenssinn zu stiften.

Beste Grüße aus Bonn, Ihr Reinhard Nenzel, Chefredakteur