Ausgabe 1/2 • 2013 | Editorial

Der ehrbare Kaufmann und seine Steuersünden

Man weiß ja nicht mehr, woran man ist: Ein Fußballspieler und Fabrikant, der es in beiden Disziplinen zu etwas bringt, der außerdem als Manager mehrfacher Meistermacher ist und ein Präsident von Rang, der seine Ziele ehrgeizig setzt, sie erreicht und sich Respekt verdient, sowie ein Gutmensch, der glaubhaft hilft, mehr und sehr viel öfter als er muss. Ein Vorbild, angefeindet nur von jenen, die sportlich andere Farben präferieren, und die sich unbewusst an der scheinbaren Allmacht des Multitalents, die diese Erfolgsgeschichte treibt, reiben. Und dann das: Der Mann greift zur Selbstanzeige, die öffentlich wird, und soll plötzlich ein ganz anderer sein, einer, der eine dunkle Seite zeigt, die weder Anerkennung noch Sympathie verträgt. Die konträ­ren Eindrücke miteinander zu verrechnen, hat keinen Sinn. Anständigkeit ist kein Summenspiel. Auch falsch ist der nur emotional verständliche Versuch zu verharmlosen, obwohl es verführerisch ist, das bekannt gewordene Verhalten zu relativieren. Kein Royalist sieht seinen König gerne stürzen. Wie aber dann urteilen? Die Sache ist leider so, wie sie ist: Uli Hoeneß hat seine Reputation verloren. Der Grund ist, dass offenbar wurde, was nicht sein und was nicht offenbar werden darf. Wenn es aber so ist, dass ein Delikt unstreitig der Person zuzuschreiben ist, kann dies nicht nur mit Reue weggewaschen werden. Die repräsentative Rolle, deren Autorität auf Vorbildlichkeit beruht, ist beschädigt. Insofern sind Konsequenzen als Ämterverzicht geboten.

Margot Käßmann, die frühere Bischöfin und Ratsvorsitzende der EKD, eine bemerkenswerte Frau, an der sich gleichwohl auch die Geister schieden, hat mit deutlich geringerem Fehlergewicht vorgemacht, dass Achtung der Gesellschaft und Selbstachtung moralisch Geschwister sind. Natürlich gibt es Schlimmeres als ein verschwiegenes Millionenkonto in der Schweiz und das Versäumnis, einer roten Ampel nachts vor dem Rechtsabbiegen die Referenz zu erweisen. Es geht jedoch darum, das ernste Bemühen um die gemeinverträgliche Ausübung vertrauensvoll über­tragener Pflichten zu fördern und das Versagen in dieser Aufgabe dementsprechend zu sanktionieren. Wie sonst sollen notwendige Normen im Miteinander aufrechterhalten werden? Dabei ist ausdrücklich zuzubilligen, dass privat weiter große Wertschätzung gelten darf.

Das, was hier an beiden Beispielen zwickt, verweist auf den ehrbaren Kaufmann zurück. Gerade auch im Geschäftsleben ist jedermann klar, dass Handel und Wandel nur Wohlstand erzeugen, wenn die maßgeblichen Akteure rechtschaffen sind. Alles, was mit Lug und Trug zu tun haben könnte, gehört nicht hierhin. Entscheidend sind die Haltung und die Absichten, in denen gewirtschaftet wird. Treu und Glauben sind die Fundamente des Waren- und Geldverkehrs. Insofern ist es problematisch, wenn jemand dazu neigt, seine eigenen Vorteilsregeln zu verfolgen. Eben das ist aber auch gegenüber dem Staat zu unterlassen. Solange wir uns einer insgesamt honorigen parlamentarischen Demokratie erfreuen, steht es keinem Bürger zu, Abgaben zu verkürzen. Niemand hat das Recht, sich selbst von seinem Solidarbeitrag zu befreien. Das Ungenügen an der Mittelverwendung gehört auf das Mitwirkungsfeld. Es ist wesenhaft für Politik, durch Wahlen für Allokationen zu sorgen. Sonst restaurieren wir feudale Privilegien. Das freilich wäre obsolet. Geld mag in gewissem Sinn zu Adel verhelfen, nicht aber zu Allüren.

Unternehmern ist zu lassen, was Unternehmern gebührt. Sie sind in besonderer Weise Erhalter und Entwickler der Zukunft von allen. Sie sind die Leistungsträger jedes Landes und sie verkörpern seine Kultur, ordentliche Arbeitsplätze mit fairem Lohn zu bieten sowie durch ihre namhaften Beiträge zum Etat Ressourcen zur Unterstützung Schwacher und Bedürftiger zu schaffen. Dieses Große und Ganze sollten wir nie in Frage stellen. Bayern braucht einen neuen Boss.

Beste Grüße aus Bonn, Ihr Reinhard Nenzel, Chefredakteur