Ausgabe 3 • 2003 | Editorial

Das Kreuz mit den faulen Kooperationen

Sie kennen das: Da ruft einer an und ist von sich selbst ganz begeistert. Er hätte schon immer mal nachgedacht und wäre dann sofort auf Sie gekommen. Was er mache und was Sie machten, das hätte doch viel miteinander zu tun, vor allem mit Blick auf die noble Zielgruppe. Da sei es doch naheliegend, gemeinsam noble Dinge ins Auge zu fassen. Er hätte da wohl auch ein Konzept, vor allem aber den Hang, künftig nur noch informell direkt am Kunden zu agieren, und viel Tatendrang. Also am besten gleich mal los. Bis hierhin haben Sie einen schwer zu verknusenden Redeschwall erduldet, der Sie mit Eigenlob in jeder Tonlage versorgt und zum Mitwisser lauter Naivitäten und Einseitigkeiten macht, wie der Anrufer anhebt, sein wortreich bemänteltes Problem, allein im Markt nicht mehr erfolgreich zu sein, nun mit Ihrer freundlichen Hilfe zu lösen. Damit wird die Rollenverteilung klar. Der Schwärmer in Ihrem Ohr berauscht sich schlicht auf Ihre Kosten an den Premium-Kontakten, die Sie sich hart erarbeitet haben. Indessen säuselt er scheinheilig in einem fort, dass man doch erkennen möge, wie wirtschaftlich es sei, kein Geld für Ihre wertvollsten Adressen, Ihren tadellosen Leumund und Ihr erstklassiges Image zu zahlen, da er doch wirklich Willens sei, Sie auf Ihrem eigenen Ticket Trittbrettfahren zu lassen.

In unserer Branche sieht es dann so aus, dass Sie im Auftrag des schmeichelnden Telefonisten, aber in Eigenregie und in Ihrem guten Namen, einen Kaminabend, ein Schloss-Seminar, ein Luxus-Weekend mit Workshop-Charakter oder einen intimen Gesprächskreis für bestbetuchte Edelleser ausrichten dürften, bei dem Ihnen das Buffet gesponsort wird, während Sie bei Lady Curzon und getrüffelten Croutons miterleben würden, dass Sie am Sinn der Sache gar nicht satt geworden sind. Es ging ja auch nie um eine geschäftliche Koalition aus proaktivem Interesse, sondern nur darum, die Crème de la Crème ihrer Klientel mit Engelszungen mit zu einer Butterfahrt zu bringen, die bloß nicht so heißt. Statt mit Kamelhaardecken, Plumeaus, Topf-Sets und anderem Plunder werden die Teilnehmer freigiebig mit gehämmerten Visitenkarten bedacht, die vielseitiges Beihilfebegehren Ihres Kooperateurs bei lukrativen betrieblichen Problemen bekunden.

Was aber hätte man selbst oder die höflichst herbeigebetene eigene Kundschaft davon? Natürlich nichts, da es Null Idee wechselseitigen geschäftlichen Nutzens gibt, wobei man als Hiwi-Mitveranstalter mit Logo-Partnerschaft und Link auf eine tote Plattform unter »www.was-für-ein-quatsch.de« in diesem Leben auch keinen Folgeumsatz erzielt. Nach dem skizzierten Anbahnungsmuster aber laufen heute die Drähte heiß. Wer standfest ist, sagt rasch und unsentimental ab. Der Merksatz zur Marktwirtschaft lautet: Jedermann sein eigenes Silbertablett.

Wir haben übrigens gerade einen »Förderkreis« in eigener Sache gegründet. Er ist für die Freunde unserer Zeitschrift gedacht, die so realistisch sind, zu wissen, dass die Botschaft des deutschen Familienunternehmens bei allem Idealismus nicht nur aus Idealismus propagiert werden kann. Für einen fairen Jahresbeitrag gibt es exklusive Benefits und echte Teilhabe am Geist des Produkts. Wir sagen Ihnen gern, welchen Mehrwert Sie und wir von solcher Gegenseitigkeit haben.

Beste Grüße aus Bonn, Ihr Reinhard Nenzel, Chefredakteur