Ausgabe 4 • 2002 | Editorial

Mutmaßungen über Lektüre im Mittelstand

Was lesen mittelständische Unternehmer? Eine Frage mit mehreren Antworten: Sicher das, was sie aus Politik und Wirtschaft als Meldungen, als Nachrichten, als Analyse, Kommentar oder Hintergrundbericht im Tagesgeschäft brauchen, herausgeholt aus zuverlässigen Zeitungen mit bundesweiter, regionaler und lokaler Präsenz. Sicher auch das, was branchenbezogen unabdingbar ist, um an der Spitze spezifischer Entwicklungen zu bleiben. Hier spielen Fachzeitschriften in allen Schattierungen eine gewichtige Rolle. Dann vielleicht noch selektiv einige Medien, die bestimmte Aspekte verdichten. Darüber hinaus ist im beruflichen Kontext nicht mehr allzu viel Interesse an ausdauernder Beschäftigung mit bedrucktem Papier zu vermuten, sofern es keinen unmittelbaren Bezug auf die konkrete Aufgabenstellung hat. Die Leseneigung zwecks nutzenorientierter Informationsverarbeitung stößt sich am knappen Zeitbudget, an fehlender Gelegenheit zur Muße und an anderen Dingen. Das ist auch in Ordnung so. Unternehmer sollen keine Belletristen in mahagonigetäfelten Bürofluchten sein, sondern nüchterne Entscheider in einem von ihrer Individualität geprägten Haus, deren praxiserprobtes Wissen und Können sich aus vielen Quellen speist.

Konkret denken wir darüber nach, was Sie veranlassen könnte, unsere Zeitschrift zu abonnieren. Natürlich bieten wir Ihnen Lesestoffe an, die Unternehmer in ihren Kernfunktionen betreffen. Das Spektrum reicht von der Existenzgründung bis zur bewussten Bewältigung der Nachfolgefrage. Die zehn Ausgaben eines Jahrgangs stellen in Titelthemen und »Specials« zwanzig Schwerpunkte meist aus Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft dar, allesamt aus dem Blickwinkel des selbständigen Unternehmers im deutschen Mittelstand betrachtet. Natürlich setzen wir ständig beispielhafte Betriebe ins Wort und ins Bild und natürlich bemühen wir uns darum, Ihre Lesebedürfnisse durch kompetente Fachbeiträge anderer Art sowie durch Rubriken verschiedenster Provenienz zu erfüllen.

Sinn und Zweck dieser besonderen inhaltlichen Ausrichtung ist, Ihnen unmittelbare Einblicke in die Gedanken, Handlungsmuster und vor allem in die Erfahrungen gleichgesinnter Kollegen zu geben, die wie Sie selbst mit Leib und Seele und aus voller Überzeugung Unternehmer sind. Der gemeinsame Nenner, den wir herstellen wollen, liegt daher im Besonderen und im Allgemeinen zugleich. Bei allem Respekt für die Vielfalt Ihrer Professionen, der wir nicht wirklich gerecht werden können, sprechen wir Sie in Ihrer Lebensentscheidung für das Unternehmertum an. An diesem einen gemeinsamen biographischen Punkt geht es um zukunftsoffene Tradition, um erklärte Leistungsbereitschaft, Gestaltungswillen und Gestaltungskraft, um gehörige Zielstrebigkeit, Effizienz, Erfolg und weitere Tugenden, zu denen sicher auch die Teilhabe an sozialer Verantwortung zählt.

Im Sinne solcher Selbstbegegnung wollen wir Ihnen gern ganz persönliche Leseangebote machen, die zudem an Multiplikatoren in der Öffentlichkeit adressieren. Wir wollen den Austausch von Unternehmer zu Unternehmer fördern und Resonanz für Ihre gemeinsamen Anliegen im Mittelstand bewirken. Schön wäre, Sie fänden bei aller Medienüberflutung noch etwas Zeit für dieses Konzept.

Beste Grüße aus Bonn, Ihr Reinhard Nenzel, Chefredakteur