Ausgabe 6 • 2007 | Editorial

Erklären Sie noch oder strukturieren Sie schon?

Wenn Sie für alles einen haben, der es fehlerfrei so macht wie Sie, dann ist es gut. Wenn nicht, dann können Sie sich gern mal in Rage bringen. Das kostet Kraft und frustet. Für Unternehmer stellt sich die Sache als Dauerbaustelle und Dauerdilemma dar: Soll man im Moment der Mängelentdeckung mit Mitarbeitern den Einzelfall durchdeklinieren, um Prävention zu betreiben, oder wendet man seine Energie dafür auf, gleich den gemeinsamen Nenner aller solcher Entscheidungsmuster zu suchen und zu besprechen? Beides ist löblich und lernintensiv, verpufft jedoch in mittleren Betrieben wirkungslos, da es womöglich noch mehr Kollegen gibt, die ihrer theoretischen Verantwortung für eine optimale Vorteilsfindung in ihrem Beritt nicht gerecht werden. Warum auch immer! Was bleibt, ist, sich erst den Dingen selbst und dann den Menschen zuzuwenden, die mit eben diesen Dingen erfolgreich agieren sollen. Gebraucht wird eine Gebrauchsanweisung, die es jedem einzelnen erlaubt, die gründliche Analyse einer anspruchsvollen Aufgabenstellung mit kreativer, intelligenter Lösungsfindung zu verbinden.

Zu diesem Ansatz gehört, die Köpfe von allem zu befreien, was Konzentration und Denken beeinträchtigen kann. Hierzu gehört die freundliche Anregung, jeder möge dafür sorgen, dass sein E-mail-Eingang frei von »Spam« und Pseudo-Nachrichten sei. Wer am Tag nur gut zehn Minuten dafür braucht, um seinen »Account« von Killefitz zu säubern, wendet pro Arbeitswoche eine Stunde und in einem Jahr sage und schreibe eine Arbeitswoche bloß für diesen Unsinn auf! Abgesehen von der permanenten Unterbrechung sinnvoller Arbeit in anderen Office-Programmen. Eine weitere Hilfe für alle Schreibtischtäter, die nicht zum Multitasking geboren sind, kann sein, bestimmte Losgrößen ähnlicher Verrichtungen am Stück zu erledigen. Also nicht zwischen Tür und Angel drei Sachen auf einmal, sondern sukzessive: Von 8 bis 12 eigene Themen und Telefonate, von 13 bis 14 Uhr Korrespondenz, von 14 bis 15 Uhr das Gruppenmeeting, bis 16 Uhr Projektarbeit und danach die Schreiben, die in die Tagespost müssen. Je höher der Managementanteil eines Stellenprofils, desto mehr hat das ständige Grundrauschen aus Ablenkungen, Störungen und Fragmentierung zu schwinden.

Genauso wie der Dachdecker seinen Qualitätshammer hat, um krumme Krampen vorschriftsmäßig wie am Fließband zu plätten, lassen sich auch uneindeutige kommunikative Handlungen, etwa Dialoge mit Lieferanten und Kunden, in Module zerlegen und auf Vorrat verbessern. So weit jedenfalls, dass es für viele Anlässe Regieanweisungen im Sinne zuverlässiger Werkzeuge gibt, die je nach Bedarf als Erfolgsgewährleister dienen. Dabei handelt es sich nicht um tausend Tipps, sondern um einige wenige Prinzipien, die jeder in seiner Sprache und in seiner Art und Weise beherzigen kann. Das wichtigste »Tool« heißt: »Mach’ Dir die Ziele dieses Unternehmens klar und vergiss’ sie nie!« Das zweitwichtigste »Tool« heißt: »Denke für Deinen Gesprächspartner mit und scheitere nicht an dessen Problemen!« Das drittwichtigste »Tool« heißt: »Alles, was klappt, geht auch eine Nummer größer!« In diesem Sinne gibt es noch manche Merksätze mehr, doch ihre Zahl ist begrenzt. Vor allem aber regt das Verfahren zu produktiver Selbstkritik an. Die Anwender haben ein Benchmark, das sie selbst verstehen.

Beste Grüße aus Bonn, Ihr Reinhard Nenzel, Chefredakteur