20 Jahre »Die Aussprache«

Wer die heutige AUSSPRACHE mit der vor zwanzig Jahren, als die erste Nummer erschien, vergleicht, wird großen Wandel bemerken. Ursprünglich war die AUSSPRACHE gedacht, eine breitere Öffentlichkeit am Geschehen im Unternehmen zu interessieren und unternehmerische Leistungen verständlich zu machen. […]

Die AUSSPRACHE sollte also den Charakter der Selbstaussage haben, und es sollten daher in erster Linie die Unternehmer selbst berichten, insbesondere über ihre sozialpolitischen Leistungen innerhalb des Betriebes, über Rationalisierungsmaßnahmen, Fragen der Personalführung, Fragen der betrieblichen Organisation. […]

Aber bereits gegen Ende des ersten Jahres zeigte sich, daß eine so gedachte Zeitschrift auf die Dauer nicht durchgehalten werden konnte, weil sich zu wenig Unternehmer fanden, die bereit waren, zu berichten und insbesondere auch termingemäß zu berichten. Es vollzog sich damit ein unvermeidlicher Wandel in der Richtung, allgemeine wirtschafts-, finanz- und sozialpolitische Fragen, die Wissenschaft und Politik bewegten, vom Standpunkt des selbständigen Unternehmers zu behandeln. Das führte zu einer Begegnung mit der Wissenschaft, die insofern von Bedeutung war, als die Studenten als Schüler der Wissenschaftler die Stellungnahme ihrer Lehrer zu den akuten Problemen kennenlernten.

Die AUSSPRACHE wurde zu einem Organ, das immer stärker in den wissenschaftlichen Instituten und Universitäten, in den Seminar-Bibliotheken und den allgemeinen Universitätsbibliotheken Aufnahme und Beachtung fand. So schrieb vor etwa 1 1/2 Jahren die Universitätsbibliothek der Universität Bonn, daß die AUSSPRACHE im Zeitschriftenlesesaal die meist gefragte Zeitschrift sei.

Die AUSSPRACHE wurde somit zu einem Public Relations-Organ gegenüber der Wissenschaft und gegenüber den Studenten, was sicherlich wesentlich zum Verständnis des unternehmerischen Standpunkts beigetragen hat und was sich auch darin zeigte, daß sie sehr stark in der wissenschaftlichen Literatur zitiert wurde.

Aber nicht nur gezielt auf Universitäten und Hochschulen, sondern auch auf die Politik wurde die AUSSPRACHE gestaltet. Ungeklärte Probleme der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik wurden aufgegriffen. […] Das führte dazu, daß die AUSSPRACHE immer mehr in den Ministerien des Bundes und der Länder und der EWG-Kommission gelesen wurde. Die AUSSPRACHE wurde gleichsam zum politischen Anreger und Helfer bei der Entstehung und Erarbeitung von Gesetzesinitiativen.

Hier soll nur auf einige wenige Problemkreise hingewiesen werden, zu denen Anregungen oder Hinweise gegeben bzw. Forderungen gestellt werden. Im Kartellbereich wurde immer wieder auf die Kopflastigkeit des GWB hingewiesen, das die Kartelle hart anfaßt, Marktbeherrschungen und Konzentration wirkungslos behandelt. Immer wieder wurde in der AUSSPRACHE die Bedrohung des Wettbewerbs durch übermäßige Konzentration herausgestellt. Erstmalig in der Bundesrepublik wurden hier die hochbedeutsamen Ergebnisse der Arbeiten der Antitrust-Kommission des amerikanischen Senats veröffentlicht. Sie kam zu dem Ergebnis, daß Forschung und Entwicklung nicht so sehr in den Großbetrieben, sondern in der mittleren Wirtschaft ihre größte Effizienz und Innovation fanden.

Früher als von anderer Seite wurde in der AUSSPRACHE die Forderung nach Einführung der Mehrwertsteuer erhoben. Aktuelle Steuerprobleme (vor allem die Erbschaftsteuer) wurden immer wieder behandelt. Ein weiteres wichtiges Schwergewicht in der AUSSPRACHE war die Konjunktur- und Währungspolitik. Die kritischen, fundierten Stellungnahmen wurden fast ausnahmslos post festum bestätigt. Zu der schwierigen Problematik der Vermögensbildung wurden immer wieder neue Ansätze und Gedanken entwickelt. Als erste behandelte die AUSSPRACHE mit konkreten Vorschlägen die Frage der Kapitalbeteiligungsgesellschaften.

Mit einer gewissen Regelmäßigkeit wurde – um noch ein letztes Thema zu erwähnen – die Frage der Unternehmensnachfolge und die Frage der Unternehmerausbildung behandelt. Dies soll nur ein kurzer hinweisender Aufriß sein, der aber zeigt, daß durch Thematik und Art der Behandlung die AUSSPRACHE zu einer stark beachteten Zeitschrift auch für die Politiker wurde.