An ihren Versprechungen sollt Ihr sie erkennen…

Katholisch müßte man sein, dazu kriegsversehrter Landwirt mit Flüchtlingsausweis, mit einem Anspruch auf dynamische Rente und mit einem kleinen Einkommen aus unselbständiger Arbeit. Dann käme man endlich einmal in den Genuß all der Leistungen, Vergütungen und Vergünstigungen, die in schöner Regelmäßigkeit vor allgemeinen Wahlen die Regierung an diejenigen ihrer Bürger verteilt oder dies wenigstens zu tun verspricht, deren Interessen sie für besonders förderungswürdig hält. Und wenn es nach der Vorstellung der Regierenden geht, dann wissen die Beschenkten, was sie an der Urne zu tun haben – und tun es auch.

Übrigens können Sie auch evangelisch sein, Arbeitnehmer mit Einkünften aus Gewerbekapital, dazu pensionsberechtigt und Fußgänger. Auch mit diesen Eigenschaften gehören Sie zu dem Personenkreis, dem nach dem Willen der Regierung das Leben leichter und die Zukunft sicherer gemacht werden soll. Und Sie sind sicher gern bereit, ihr Kreuz in den rechten Kreis zu machen, wenigstens nach Bonner Auffassung.

Nachdem das Rezept mindestens so alt ist wie die Demokratie und nachdem auch bei uns stets danach das Wahlsüppchen gekocht wird, muß man sich eigentlich wundern, daß der Appetit noch nie mehr als 51 Prozent der Hungrigen dazu gebracht hat, in Glauben und Dankbarkeit ihre Pflicht zu tun. Sind sie – die restlichen 49 Prozent – denn blind oder ganz einfach undankbar?

Sie sind es nicht. Aber sie sehen sich gleichermaßen umworben von den Leuten die gerade nicht am Regieren sind, die aber auch einmal drankommen möchten. Diese haben zwar noch keine Geschenke verteilt, aber das wollen sie bei nächster Gelegenheit nachholen. Und um mittlerweile nicht mit leeren Töpfen dastehen zu müssen, rechnen sie vor, daß sie an dem stolzen Leistungskatalog der Regierung ihren vollen Anteil hatten.