Eigentum verpflichtet

Die Kette von Verkäufen bekannter Unternehmen – vorzugsweise an renommierte amerikanische Firmen -reißt nicht ab: Sprengel, Teves, Braun – Wer ist der nächste? »Man bekommt ein ganz mieses Gefühl, wenn man an den deutschen Unternehmer denkt, dem offensichtlich nichts anderes einfällt, als seinen Laden zu verkaufen«, war der Kommentar eines Frankfurter Professors.

Die Reaktion der Unternehmer ist zwiespältig. Die einen sehen im Verkauf eine sozialpolitische Provokation, wenn plötzlich versilbert wird, was jahrelang im Unternehmen gebunden war und zu dessen Erhaltung diente. Die anderen fragen sich, ob sie den rechten Moment für den Verkauf nicht verpaßt haben und man nicht doch einmal jenen Angeboten rühriger Beratungsfirmen nachgehen soll, die »Kooperation« mit amerikanischen Großfirmen vermitteln wollen.

Vielleicht entzündet sich beim Verkauf, wo hart kapitalistisch abgerechnet wird, am ehesten die Auseinandersetzung zwischen Unternehmern (nicht immer nur den älteren), die ihr Unternehmen als Privatsache betrachten, und denen (nicht nur jüngeren), die es wie Gerd P. Spindler als gesellschaftliche Einrichtung ansehen und gerne eine bessere Lösung als die des reinen Kapitaltransfers verwirklicht haben möchten.

Treffende Argumente lassen sich für und wider finden. Was soll gegen den Verkauf eines Unternehmens gesagt werden, wenn der Unternehmer der Meinung ist, die Entwicklung der nächsten Jahre nicht mehr aus eigener Kraft finanzieren zu können? Oder wenn er glaubt, bei Forschung und Entwicklung in absehbarer Zeit nicht mehr mitzukommen? Wenn der Unternehmer verkaufen will, weil er sich außerstande sieht, das Unternehmen weiterzuführen und kein Nachfolger vorhanden ist? Und, wenn verkauft ist, was kann oder soll dann mit den Erlösen geschehen?

Alles Fragen, auf die noch keine befriedigende Antwort gefunden wurde. Deshalb sollen in diesem Heft Stimmen verschiedenster politischer, wirtschafts- und sozialpolitischer Richtungen zu Wort kommen, die frei diskutieren, aus welchen Gründen der Verkauf selbständiger Unternehmen als »Sensation«, »Bombe« oder »Überraschung« gilt, und wie weitsichtige Eigentumspolitik hierzulande, an der Nahtstelle zwischen Ost und West, aussehen sollte.

Um Einzellösungen haben sich schon viele Unternehmer bemüht: Bei den Partnerschaftsbetrieben geht man soweit, das Unternehmen als Zugewinngemeinschaft anzusehen. Karl Kübel in Worms – ohne Nachfolger – will sein Unternehmen in eine Stiftung zugunsten von Projekten in Entwicklungsländern umwandeln. Es ist kein gutes Argument gegen solche Versuche, daß sie nicht auf alle Betriebe übertragbar sind, denn Patentlösungen gibt es wohl nicht.

Dieses Heft zeigt, wie sehr eigentums- und sozialpolitische Argumente aufeinanderprallen. Wenn die Diskussion angefacht wird und zu befriedigenden Antworten führt, wird dies Ausgleich sein für Kritik aus den eigenen Reihen oder Beifall von der falschen Seite.