Ein neuer Unternehmertypus?

Vor wenigen Wochen wurde auf einer Pressekonferenz in Frankfurt über den Begriff »junger Unternehmer« diskutiert. Dabei ergab sich auch die Frage, inwieweit der junge Unternehmer »anders« sei oder sein wolle als die ältere Unternehmergeneration. […] Die heute heranwachsende und in Tätigkeit befindliche Unternehmergeneration sieht neben ihrer wirtschaftlichen Aufgabe auch eine staatspolitische. Sie macht sich Gedanken darüber, was zu unternehmen sei, damit die Leiter von Unternehmen zu einer staatserhaltenden Gesellschaftsschicht werden. […]

Horst R. Gütermann

Nachdem die früher führenden Gesellschaftsschichten an Bedeutung verloren haben und es eigentlich keine führende Schicht mehr gibt, drängte es sich auf, daß die breite Schicht der Unternehmer aus ihrem rein sachlichen Arbeitsgebiet heraustritt, und sich ihrer staatspolitischen Pflichten bewußt wird. Tut sie es nicht, ist keine Schicht mehr da, die unseren modernen Staat trägt. Heute, so scheint es mir, sind die Unternehmer berufen, in die Bresche zu springen und im Staatsleben eine Rolle zu spielen.Demjenigen in Aktion tretenden jungen Unternehmer, der im Erbgang in seine Verantwortung hineinwächst, begegnet eine gewisse Skepsis, da er auf Grund der Eigentums-Verhältnisse bevorzugt in eine Stellung aufrückt, in der die Öffentlichkeit zunächst nur das persönliche Wohlergehen des »Privilegierten« sieht.Hier muß ganz klar die Verpflichtung erkannt werden, nicht nur durch Leistung die ererbte Position zu rechtfertigen. Es muß darüber hinaus vielmehr der Wille zur Mitarbeit in der Öffentlichkeit vorhanden sein – die Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit. Die Praxis verlangt wirtschaftliche Leistung und menschliche Reife, vor allem im Hinblick auf partnerschaftliches Denken den Mitarbeitern gegenüber.

Für beides, die wirtschaftliche Leistung und die Pflege der menschlichen Beziehungen, muß Zeit vorhanden sein. Es sind eben zwei Aufgaben, die künftig von dem Leiter eines jeden Unternehmens erfüllt werden müssen.

Der Weg für den heutigen Unternehmer zu einer staatserhaltenden Gesellschaftsschicht fängt im Betrieb im Umgang mit den Mitarbeitern an. Das Klassendenken muß überwunden werden. Es gilt Kontakt zu den im Betrieb arbeitenden Menschen zu gewinnen. Hierzu gehört die innerbetriebliche Information, ein Teil des großen Gebietes, das man heute gern mit »human relations« bezeichnet. Ihr Sinn ist die Erziehung zum Mitdenken, zum Verantwortlichfühlen. Der Unternehmer sollte: den Betrieb für alle Mitarbeiter durchsichtig machen; den Blick des einzelnen für das Ganze schärfen; das Wertbewußtsein des einzelnen (Arbeitsfreude und Arbeitsstolz) heben, unkontrollierbaren Gerüchten vorbeugen und damit die betriebliche Gemeinschaft fördern.

Es entsteht hier die Frage, soll man soviel mitteilen wie nötig oder soviel wie möglich? Feldmarschall Montgomery sagte einmal: »Ich würde lieber Gefahr laufen, daß der Feind meine Pläne erfährt, als daß die eigene Truppe nicht weiß, worum es geht.« Die Mitarbeiter erwarten, anders als vor 50 Jahren, Erklärungen für das, was um sie herum vorgeht und eine Begründung für das, was getan wird, denn der Arbeiter kann innerlich an seiner Arbeit nur teilnehmen, wenn ihm der weitere Sinn seines Tuns bekannt ist, und damit wird die Zusammenarbeit gefördert. Es entsteht ein geistiges und produktives »Team«.

Dabei ist unter »Zusammenarbeit« und »Partnerschaft« nicht eine demokratische Gleichmacherei zu verstehen. Die notwendige Disziplin im Betrieb setzt die betriebliche Hierarchie voraus, in der die obere Führungsschicht vom Unternehmer in erster Linie informiert und herangezogen wird.