Finanzminister Alex Möller

Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger Foto: Darchinger

Der jungen Ehe zwischen SPD und FDP sind keine Flitterwochen beschieden. Zu zahlreich sind die Probleme, die – hinausgeschoben  von  der  wahlparalysierten Regierung – der Lösung harren. […] All das hat die Position eines Mannes in den Vordergrund gerückt: Auf den Finanzminister kommt es an. Daß Alex Möller es seinen Kabinettskollegen nicht leicht machen will, wurde bei der Frage der Anpassungszahlung für Rentner deutlich. Seine bisherige Haltung innerhalb der SPD-Fraktion ließ diese Härte erwarten, und es bleibt zu hoffen, daß Alex Möller auch in Zukunft die Solidität der Finanzen über kurzfristige, parteitaktische Erwägungen stellt. Die selbständigen Unternehmer setzen auf ihn. Selbst ein Mann aus der Wirtschaft, weiß auch er, daß eine freiheitliche Wirtschaftspolitik und eine solide Finanzpolitik entscheidend zur Aufrechterhaltung  unserer  marktwirtschaftlichen Ordnung beitragen. […] Doch gerade in der Frage »Mitbestimmung der Arbeitnehmer« hofft die ASU, daß die FDP als Koalitionspartner der SPD eher noch als die CDU/CSU dafür sorgt, daß nichts Übereiltes geschieht. […] Die selbständigen Unternehmer können dem wirtschaftspolitischen Programm der neuen Regierung recht weitgehend zustimmen, aber erst bei der Verwirklichung wird es sich zeigen, ob unser Goodwill gegenüber Karl Schiller und Alex Möller berechtigt war..

Sicher, Schillers Glaubwürdigkeit wäre noch gestärkt worden, hätte er wenigstens nach Abschluß der heißen Aufwertungsdebatte freimütig bekannt, daß auch er  die  konjunkturelle  Entwicklung  von 1968/69 falsch eingeschätzt hatte, und sein Sinneswandel vom Gegner der Aufwertung zu ihrem Befürworter zumindest um ein halbes Jahr zu spät gekommen ist.

Aber wenn der sprachschöpferisch überaus rege Karl Schiller inzwischen erkannt hat, daß Vertrauen in das Kräftespiel des Marktes besser  ist  als  »Rationalität«,  »Globalsteuerung«  oder »Zielprojektion«, dann können auch die selbständigen Unternehmer eher Vertrauen in die Wirtschaftspolitik einer SPD/FDP-Koalition setzen, der auch die ASU unbefangen gegenübersteht – bereit zur Zusammenarbeit, bereit aber auch zur Kritik.