»Lernen, Leisten, Helfen«

Bundespräsident Dr. Gustav Heinemann hielt vor dem Bundesverband Junger Unternehmer (BJU) auf seiner Jahresversammlung am 19. Oktober 1973 in Augsburg eine Ansprache. Ihr sind folgende Auszüge entnommen: »Auch Unternehmer werden angefochten. Ich glaube, aber gerade Ihnen keinen Trost zusprechen zu müssen. Sie haben sich hier nicht zur bloßen Selbstbestätigung  zusammengefunden oder zur Entgegennahme einer Erklärung, daß unsere Wirtschaftsordnung Ihrer bedarf. Sie gehören zu denjenigen Berufsgruppen, die sich auf ihren Tagungen nicht darauf beschränken, Forderungen an andere, an die Gesellschaft, zu stellen: Sie fangen bei sich Selbst an. Sie fragen sich selbst, Ihre Freunde und Gegner, wo Ihre besondere Aufgabe in unserer Gesellschaft liegt. Das finde ich sympathisch.«

»Die soziale Marktwirtschaft hat ihre Spielregeln. Sie erlaubt Gewinnstreben, bindet es aber an Leistungswettbewerb.  Wo sich Unternehmer dem Leistungswettbewerb durch Abreden, durch Kartelle, entziehen, graben sie selbst das Grab der Marktwirtschaft. In dieser Beziehung ist bei uns viel gesündigt worden…«

»Im übrigen sollten wir nicht vergessen, daß die Marktwirtschaft weder als solche noch in ihrer derzeitigen Ordnung durch das Grundgesetz festgeschrieben ist. Andere Wirtschaftsformen oder Eingriffe in die Marktwirtschaft können nicht mit dem Grundgesetz abgewehrt werden, sondern nur durch den ständigen Erweis überlegener und am Gesamtinteresse der Gesellschaft ausgerichteter Leistung der Unternehmer.«