Caparol-Firmengruppe (Deutsche Amphibolin-Werke von Robert Murjahn Stiftung & Co KG)

110-jähriges Bestehen

Die Deutschen Amphibolin-Werke von Robert Murjahn Stiftung & Co. KG (DAW), Ober-Ramstadt, auch bekannt als Caparol-Firmengruppe, feiern ihr 110-jähriges Bestehen. Zur Gruppe gehören die Marken Caparol (Farben, Lacke, Lasuren, Putze für den dekorativen Bereich), Disbon (bauchemische Produkte für Boden, Dach, Beton und Gewässerschutz), Capatect (Wärmedämm-Verbundsysteme zur Energieeinsparung) und Alpina (Farben für den Heimwerker). Die bekannteste Marke ist Europas meistgekaufte Innenfarbe »Alpinaweiß«, ein Produkt, das auf das Jahr 1901 zurückgeht, als man damit begann, in kaltem Wasser lösliche geleimte Kreide zu produzieren.

Das 1895 von Robert Murjahn gegründete Familienunternehmen stellte zunächst »Murjahns Anstrich-Pulver Amphibolin« her, das mit Wasser angerührt eine für damalige Verhältnisse extrem wetterbeständige Fassadenfarbe ergab. Viele weitere Innovationen folgten. 1927 trat der Sohn des Gründers, der Chemiker Dr. Robert Murjahn jun., ins Unternehmen ein und beeinflusste die weitere Entwicklung entscheidend. Er entwickelte 1928 das neue Farbenbindemittel »Caparol« für das Selbstansetzen von Anstrichfarben. Hauptbestandteile waren Casein, Paraffin und Holzöl (Oleum), die »Caparol« seinen Namen gaben.

Als die chemische Grundstoffindustrie in den 30er Jahren erstmals Acrylharz-Emulsionen synthetisch erzeugte, erkannte Murjahn die Möglichkeiten dieser neuen Bindemitteltypen, setzte 1934 erstmalig eine Acrylharz-Emulsion anstelle von Öl in seinem Binder ein und brachte »Caparol-Paste-Ölfrei« auf den Markt. Dies war die Geburtsstunde der modernen Dispersionsfarben-Technologie.

Einen weiteren Fortschritt bedeutete die Entwicklung von »Murjahn’s Latexfarbe«, die als erstes streichfertiges Anstrichmittel auf Dispersionsbasis 1954 vertrieben wurde. Gebrauchsfertige Farben mussten nicht mehr aus Bindemittel, Pigmenten und Füllstoffen in der Malerwerkstatt angerührt werden, sondern waren als industrielle Fertigprodukte verfügbar. Die bequeme, lohnkostensparende Technik setzte sich schnell durch, so dass weitere streichfertige Farben, die noch heute wesentliche Umsatzträger sind, ins Programm genommen wurden.

1985 wurde die weltweit erste emissionsminimierte, lösemittelfreie Innenfarbe »Indekoplus« vorgestellt, eine neue Generation schadstofffreier, geruchsneutraler Dispersionsfarben, die für die Umweltfreundlichkeit dieser Produktklasse neue Maßstäbe setzte. Mit »Caparol Sensitiv« kam 2001 die erste konservierungsmittelfreie Dispersionsinnenfarbe auf den Markt, die auch für Allergiker geeignet ist.

1996 wurde am Stammsitz eine nach dem neuesten Stand der Technik konzipierte, 40 Mio. Euro teure Dispersionsfarbenfabrik eingeweiht. Seither werden in Ober-Ramstadt pro Tag bis zu 1.400 Tonnen Farbe hergestellt, weltweit einer der größten Produktionsstandorte. Daneben gibt es seit der 1992 erfolgten Übernahme der Lacufa AG Lacke und Farben, Berlin, auch einen Betrieb in Ostdeutschland.

Im Zuge der Modernisierung der Vertriebsstrukturen wurden die Produkte der Marken Caparol, Disbon und Capatect in eine Vertriebsgesellschaft eingebracht, die als CAPAROL Farben Lacke Bautenschutz GmbH firmiert.

Im Ausland werden eigene Gesellschaften und Produktionen in Österreich, Italien, Schweden und Frankreich sowie Vertriebsstützpunkte in der Schweiz, in Benelux, Portugal, Spanien und in fast allen osteuropäischen Ländern unterhalten. Gemessen am Umsatzvolumen von 760 Mio. Euro (2004) ist die Caparol-Gruppe nach den Konzernen Akzo, ICI und Sigma-Kalon die Nummer Vier in Europa. International werden ca. 3.700 Mitarbeiter beschäftigt. Der Auslandsumsatz liegt bei rund 40 %.

Das weitere Expansionsinteresse gilt den Märkten in Osteuropa und Asien. In der Türkei wurde mit dem Joint-Venture-Partner und Lizenznehmer Betek eine führende Marktstellung bei Bautenanstrichmitteln erreicht. Der Produktionsstandort in Dubai bedient den arabischen Raum und Afrika. In China wurde kürzlich ein zweites Joint-Venture gegründet.

Gegenwärtig wird der Wechsel von der vierten zur fünften Unternehmergeneration vollzogen. Dipl.-Chem. Dr. Ralf Murjahn (37) trat als designierter Nachfolger seines Vaters Dr. Klaus Murjahn in die Geschäftsleitung ein. Das Leitmotiv lautet unverändert: Trotz starken Wettbewerbsdrucks und zunehmender Branchenkonzentration als gesundes, unabhängiges Familienunternehmen zu bestehen.

www.caparol.de