Drägerwerk AG

Weltweites Wachstum

Die 1889 in Lübeck als Armaturenwerkstatt für Druckminderer und Ventile gegründete Drägerwerk AG, heute ein inhabergeführter Medizin- und Sicherheitstechnologie-Konzern, blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Der Auftragseingang stieg in den ersten drei Quartalen um 5,4 % auf 1,08 Mrd. Euro. Der Umsatz legte um 6,9 % auf 1,01 Mrd. Euro zu. Das operative EBIT blieb stabil bei 56,6 Mio. Euro. Der Konzernjahresüberschuss liegt mit 26,6 Mio. Euro unter dem Vorjahr (34,4 Mio. Euro), da 2003 aus der Veräußerung der Dräger Aerospace GmbH ein außerordentlicher Ertrag von 20,5 Mio. Euro anfiel, während 2004 aus dem Verkauf von Service-Gesellschaften 9,5 Mio. Euro zu Buche schlugen.

Das Produktprogramm umfasst Anästhesiearbeitsplatzsysteme, Beatmungsgeräte und Inkubatoren sowie Systemlösungen und Dienstleistungen im klinischen Akutbereich und im »Home-Care«-Sektor.

In der Sicherheitstechnik verlassen sich Industrie, Feuerwehr und Bergbau auf ganzheitliches Gefahrenmanagement für den Personenschutz und in der Gasmessung. Dräger Medical und Dräger Safety sind im Kerngeschäft mit rund 10.000 Mitarbeitern in über 190 Ländern vertreten. In über 40 Ländern gibt es eigene Vertriebs- und Servicegesellschaften. Ausländische Produktions- und Entwicklungsstandorte liegen in den USA, in Schweden, Großbritannien, in den Niederlanden und in China.

Besonders wuchs der Umsatz in Amerika. Der Anstieg um 18,7 % (währungsbereinigt 26,6 %) gibt die gute Entwicklung der »Dräger Safety« und der »Dräger Medical« wieder, obwohl sich die Neuorganisation des USA-Vertriebs der »Dräger Medical« noch nicht voll ausgewirkt hat. Auch das Konzernwachstum in Europa (ohne Deutschland) liegt mit 10,5 % über dem Durchschnitt. Im asiatisch-pazifischen Raum wurde der Umsatz um 6,5 % (währungsbereinigt 11,6 %) gesteigert, wobei 2003 zusätzliche Aufträge durch SARS enthalten waren. In Deutschland sank der Umsatz um 3,2 %, wobei ohne die veräußerten Gesellschaften ein Anstieg von rund 3 % zu verzeichnen ist. Für Forschung und Entwicklung wurden in den ersten drei Quartalen 2004 ca. 77,4 Mio. Euro ausgegeben, 7,6 % des Konzernumsatzes.

Die M&A-Aktivitäten der letzten Jahre haben zu einer weltweiten Verschärfung des Wettbewerbs geführt. Konsequenz ist ein verstärkter Preisdruck in einigen Produktbereichen. Insgesamt hat »Dräger Medical« seine Wettbewerbsposition jedoch verteidigt. In einigen großen europäischen Ländern wurden Marktanteile hinzugewonnen. Die Einmalkosten aus den M&A-Aktivitäten werden im Gesamtjahr wesentlich geringer ausfallen als erwartet und deutlich unter den prognostizierten 20 Mio. Euro liegen.

Die Marktposition von »Dräger Safety« in der nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA wurde in den ersten neun Monaten besonders durch das Breitengeschäft ausgebaut. Hauptumsatzträger waren stationäre Gasüberwachungsanlagen und -systeme sowie Atemschutzgeräte für Bergbau und Feuerwehr. In Europa wurde ein Auftrageingangs-Plus von währungsbereinigt 6,4 % und ein Umsatzwachstum von währungsbereinigt 3,1 % realisiert. Dagegen tendiert der Inlandsmarkt auf Grund der finanziellen Zurückhaltung der öffentlichen Haushalte insgesamt schwach.

»Dräger Safety« erweitert 2004 kontinuierlich das Produkt- und Technologieportfolio. Damit wird die Rolle als Anbieter von Systemlösungen für ganzheitliches Gefahrenmanagement unterstrichen. So hat das Unternehmen im Juli 2004 den Atemschutzmasken-Hersteller »Zenith Safety Products Trust«, King William’s Town, Südafrika, übernommen. Mit dem Kauf der »Swede Survival Systems Inc.«, Kalifornien, und der »Fire Training Systems« (FTS) Ltd., Ontario, Kanada, baut »Dräger Safety« die internationalen Aktivitäten im Bereich der Trainingssysteme für Feuerwehren und Rettungsmannschaften im Wachstumsmarkt NAFTA aus. Insgesamt erwartet der Dräger-Konzern, dass aus einem Umsatz des Geschäftsjahrs 2004 zwischen 1.500 und 1.550 Mio. Euro ein operatives EBIT (vor Einmalaufwendungen) in der Größenordnung der geplanten 124 Mio. Euro und der Jahresüberschuss (vor Anteilen Dritter) von 46 Mio. Euro erzielt werden kann.

Die erfreuliche Perspektive ist das Ergebnis erfolgreicher Restrukturierung. Vorstandschef Theo Dräger spricht von »schwierigen Zeiten« als er das Steuer von seinem Bruder Christian übernahm. Das traditionsreiche Unternehmen stand Ende der 90er Jahre vor dem Abgrund. Der Sparzwang im Gesundheitswesen hatte den Konzern tief in die roten Zahlen geführt. Dass es nun wieder sehr gut läuft, ist strategischem Geschick zu verdanken: Theo Dräger wechselte das Topmanagement aus, gab unrentable Geschäfte wie den Containerbau für Krankenhäuser auf und verkaufte die Luftfahrt- sowie die Informationstechnologie-Sparte. Die Medizintechnik wurde nach langen Verhandlungen mit Siemens in das Gemeinschaftsunternehmen »Dräger Medical« eingebracht.

Dass das börsennotierte Unternehmen mehrheitlich im Besitz der Familie ist, erleichtert manche Entscheidung: »Wir müssen nicht auf Quartalszahlen schauen und gehen einige Dinge längerfristig an.« Den Erfolg führt Dräger auf die konsequente Reinvestition der Gewinne und auf die besondere Pflege der Qualität der Mitarbeiter zurück. Seit 1920 habe das Unternehmen nur drei Personalchefs gehabt. Das schaffe Dominanz und Kompetenz. Daher sei Dräger bei Ingenieuren auch als Arbeitgeber sehr beliebt.

Vor diesem Hintergrund bleibt »Dräger Medical« mit Firmenzentrale und Fertigung langfristig in Lübeck. Vor kurzem wurde mit den Arbeitnehmern eine Einigung über ein Maßnahmenbündel zur Arbeitszeitflexibilisierung und zur Erhöhung der Produktivität erzielt. Positiv ausgewirkt auf die Standortentscheidung haben sich Zusagen der Hansestadt Lübeck zur Verbesserung der Infrastruktur sowie die Bereitschaft der Landesregierung, die Investition in Höhe von mehr als 50 Mio. Euro mit entsprechenden Mitteln zu fördern.

Das Unternehmen verlautbarte: »Wir haben die drei wichtigsten Ziele erreicht: die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von »Dräger Medical«, den Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland und speziell in Lübeck sowie die Wahrnehmung unserer sozialen Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und ihren Angehörigen. Nun steht einer neuen wissensorientierten Firmenzentrale und einer »atmenden Fertigung« in Lübeck spätestens ab 2008 nichts mehr im Wege. Damit wird Dräger Medical auch ein Anziehungspunkt für die Ansiedlung weiterer Technologiefirmen in der Region Lübeck sein.« m

www.draegerwerk.de