Gauselmann AG

Neue Vorstandslösung

Der Aufsichtsrat der Gauselmann AG, Espelkamp, hat Paul und Michael Gauselmann, bisher Vorsitzender bzw. stv. Vorsitzender des Vorstands, zu gleichberechtigten Sprechern des Vorstands ernannt. Mit dieser Maßnahme soll die rasche Expansion des Familienunternehmens im Zuge konsequenter Globalisierung in seinen drei Bereichen »Merkur«, »Spielothek« und »Atronic« vorangetrieben werden.

Firmengründer Paul Gauselmann, der unlängst seinen 70. Geburtstag feierte, hat sein Unternehmen seit 1957 vom Einmannbetrieb zum Konzern mit über 5.500 Mitarbeitern weltweit ausgebaut. Geprägt von Krieg und Nachkriegszeit wurden die »Entbehrungen, die Bedrohung, sich durchsetzen müssen mit einfachsten Mitteln, das Improvisieren« zu prägenden Erfahrungen, aus denen das Ziel erwuchs, »es besser zu machen als die anderen«.

Nach dem Besuch der Volksschule in Münster, die Paul Gauselmann 1950 als Jahrgangsbester beendete, wurde er Fernmelderevisor bei »Telefonbau und Normalzeit«, wo er bereits mit 21 Jahren Vorgesetzter von 2 Monteuren war, ein eigenes Auto hatte und rund 370 Mark verdiente. Als er hörte, dass eine Automatenfirma 600 Mark im Monat versprach, wechselte er 1956 zum deutschen Generalimporteur amerikanischer Wurlitzer-Musikboxen in Coesfeld. Gauselmann entwickelte alsbald eine Fernwahlbox für deutsche Musikboxen und präsentierte seine Erfindung einem Wettbewerber in Espelkamp, der ihn daraufhin einstellte. Diesem ersten Patent sollten weit über 200 weitere Erfindungen folgen.

Seit den 60er Jahren von seinen Brüdern Willi und Eugen unterstützt, wagte Gauselmann 1964 mit dem Umbau gebrauchter amerikanischer Musikboxen in ein neues Gehäuse (»das neue Kleid«) den Schritt in die Selbständigkeit. 1972 wurde der Grundstein für die Marktführerschaft bei Geld-Gewinn-Spiel-Geräten (GGSG) gelegt. Der Gedanke, nicht nur Händler und Betreiber zu sein, sondern selbst Spielgeräte zu produzieren, reifte seit langem.

Äußerer Anlass, um die Idee in die Tat umzusetzen, war der Lieferboykott eines großen Herstellers. 1976 erteilte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) die Zulassung für das erste Geld-Gewinn-Spiel-Gerät aus dem Hause Gauselmann. Der Markenname »Merkur« (das Jahr stand im Zeichen dieses Planeten) steht von nun an für die erfolgreichsten Geld-Gewinn-Spiel-Geräte auf dem Markt. Der »Merkur B« erobert ab 1977 vom Start weg die Branche.

Paul Gauselmann ist auch heute noch der wichtigste Ideengeber in der weit über 100 Personen starken Entwicklungsabteilung seines eigenen Unternehmens, der adp Gauselmann GmbH. In der gesamten Unternehmensgruppe sind über 600 Menschen in der Entwicklung tätig. Als Meilenstein gilt die »Erfindung« der modernen Spielstätte, der »Merkur-Spielothek«, die das Automatengeschäft revolutionierte. Das Konzept reagierte auf das »Spielhöllen«-Image der Branche mit »Entertainmentcentern« als Teil des Freizeitmarkts, die sich hell und freundlich präsentieren. Seit Eröffnung der ersten »Merkur-Spielothek« 1974 in Delmenhorst ist die größte nationale Spielstättenkette auf 175 Standorte angewachsen. Im europäischen Ausland gibt es über 30 Outlets.

1980 wird mit der Gauselmann AG eine Holding gegründet. 1994 folgt der nächste strategisch weitsichtige Schritt mit dem Entschluss, Casinogeräte für den weltweiten Markt zu entwickeln und zu produzieren, um nicht nur von einem Hauptmarkt abhängig zu sein. Mit Gründung der »Atronic« führt Sohn Michael Gauselmann das einzige deutsche Unternehmen, das über Herstellerlizenzen für den amerikanischen Casinomarkt in Las Vegas/Nevada verfügt.

Zugleich findet die Initialzündung für die konsequente Globalisierung der ostwestfälischen Unternehmensgruppe statt. Neben der schon auf den europäischen Markt agierenden »Stella« erwerben Paul und Michael Gauselmann 1997 die Hälfte der Geschäftsanteile der Firma »Bell-Fruit Manufacturing«, Nottingham, dem führenden englischen Automatenhersteller.

Seit 1966 Vorstandsmitglied im Deutschen Automaten-Verband e.V. (DAV) in NRW übernimmt Paul Gauselmann 1970 den Vorsitz und wird Vize-Präsident des deutschen Aufstellerverbands ZOA. Seit 1981 leitet er den Verband der Deutschen Automatenindustrie e.V. (VDAI) und ist Ehrenvorsitzender des DAV. Für sein soziales, kulturelles und sportliches Engagement, auch im Rahmen der Gauselmann-Stiftung, sowie für seine Verdienste um die Deutsche Automatenwirtschaft erhält Paul Gauselmann 1993 das Bundesverdienstkreuz. 2003 wird er auf Vorschlag des damaligen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement im Zuge der Höherstufung mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

www.gauselmann.de