Knürr AG

Sondereinflüsse

Die Knürr AG, München, zählt als Zulieferer der High-tech-Industrie weltweit zu den führenden Anbietern mechanischer Konstruktionen für die Elektronik. Ende 1998 wurden die drei produzierenden Bereiche in die Knürr-Tera GmbH (Technische Raumausstattung), Knürr-Danetec GmbH (Daten- und Netzwerktechnik) und Knürr-Mecor GmbH (Mechanische Komponenten) ausgegliedert. Die Neustrukturierung erzeugt höhere Eigenverantwortung und größere Dynamik der Geschäftsbereiche. Die auf Gehäusetechnik, Gehäuseklimatisierung, Schrankelektronik und Stromversorgung spezialisierte Gruppe aus sechs Programmgesellschaften und neun Auslandsgesellschaften profitiert durch höhere Leistungstransparenz ohne auf Synergien zu verzichten. Für Systeme geht man »inhouse« Allianzen ein. Der Vertrieb ist nach dem Leitsatz »one face to the customer« zentral organisiert. Spezialwissen geht über die Produktmanager im Team an den Kunden.

Das Gruppenergebnis für 1998 liegt mit 4 Mio. DM unter den Erwartungen, gilt jedoch wegen außerordentlicher Belastungen als befriedigend. Das Berichtsjahr wurde durch einmalige Sonderaufwendungen nach Einführung einer die Gesamtorganisation betreffenden Software geprägt, die Umsatz- und Ergebnisentwicklung negativ beeinflusste. Trotz sorgfältiger Vorbereitung und Probelauf führte der Echtstart im August 1998 zu Unzuverlässigkeiten im Lieferprozess, so dass der konsolidierte Umsatz nur um 5,5 % auf 263,4 Mio. DM gesteigert wurde. Die positive Ergebniswirkung aus den Rekord-Investitionen von 20,4 Mio. DM verzögerte sich. Die Inbetriebnahme des neuen Logistikzentrums Arnstorf/Niederbayern verschob sich auf das Jahresende. Zudem waren Belastungen aus der Schließung der Knürr-Ercotec GmbH und der Abgabe der Beteiligung an der Knürr-Taunus GmbH zu verkraften. Vor diesem Hintergrund belief sich der »Cash flow« auf 13,1 Mio. DM (Vorjahr: 14,8 Mio. DM). Vorzugsaktien dürfen eine Dividende von 2,50 DM, Stammaktien 1,50 DM erwarten.

1999 wird Knürr wie gehabt zum Halbjahr einen Verlust ausweisen und das positive Gesamtergebnis bei bereits verbesserter Auftragslage im dritten und vierten Quartal erwirtschaften. Angestrebt wird ein Überschuß von 6,5 Mio. DM bei Umsätzen von 300 Mio. DM. Mit dem neuen »Telecommunication Rack Set« TECORAS wurde ein neues Schranksystem für alle Bereiche der Telekommunikation vorgestellt: Robuste, einfach zu konfigurierende Gehäuse für den Indoor- und Outdoor-Bereich, die sowohl klimatechnisch als auch im Hinblick auf die integrierten Stromversorgungskomponenten, Überwachungssysteme und die Sensorik den hohen Marktanforderungen entsprechen. Knürr hat – wie der Kauf der Heinzinger electronic GmbH in Rosenheim zeigt – die Zeichen der Zeit erkannt: Dort sitzt heute das Kompetenzzentrum für Stromversorgungen (normale und USV), Klima und Schirmung. Weitere Firmenkäufe schließt Hans Knürr nicht aus, »wenn notwendige Kompetenzen günstig zu erwerben sind« – weil das Produkt in die Palette paßt, oder als Türöffner für neue Märkte dienen kann. Außerdem bestehen Kooperationen: »So entsteht die schönste mittelständische Lösung«.

Die Wandlung zum High-tech-Systempartner global tätiger Großunternehmen drückt sich in weltweit verfügbaren Komplettlösungen aus, die in 34 Ländern mit eigenen Vertriebsorganisationen angeboten werden. Weiteres Wachstum liegt in den EU-Staaten, in den USA und in Asien. Angestrebt wird eine Abdeckung des Weltmarkts, um attraktive Stückzahlen zu erreichen. Die seit 1984 aktive USA-Tochter hat sich sehr gut entwickelt. 1997 wurde mit der »Knuerr-Spectra South East Asia« ein Brückenkopf in Singapur errichtet. In China bestehen Lizenzvereinbarungen. In Japan ist man glücklich über eine mehr als zehnjährige Partnerschaft, »die eigentlich nach Ausbau verlangt«. In Indien werden Gespräche geführt. In Osteuropa hat Knürr eine Lizenzvereinbarung mit der Generalvertretung in Ungarn, hinzu kommen Partner in Russland, Tschechien und Polen. Außerdem besteht ein tragfähiges Vertreternetz im arabischen Raum sowie langjährige Beziehungen zum Lizenznehmer und Generalvertreter in Brasilien, während Afrika noch unterbesetzt ist.

Für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement in Rechtspflege und Wirtschaft empfing Hans Knürr zuletzt aus den Händen des bayerischen Justizministers Alfred Sauter das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Knürr war von 1983 bis 1987 Landesvorsitzender der ASU in Bayern, ist Mitinitiator und Mitglied des Vorstandes des Münchner Förderkreises Neue Technologien (FNT) e.V. sowie Mitglied im DIHT-Ausschuß Industrie und Forschung.

www.knuerr.de