Marquardt GmbH

Nachruf

Mit Jakob Marquardt, bis 1995 Geschäftsführer und bis 2003 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Marquardt GmbH, Rietheim-Weilheim, verstarb Ende Juli ein Gründervater der sozialen Marktwirtschaft. Der weit über die Region hinaus bekannte Unternehmer wurde 79 Jahre alt. 1928 als Sohn des württembergischen Industriepioniers Johannes Marquardt (1889 bis 1942) in Rietheim geboren, sammelte der junge Elektroingenieur erste Berufserfahrungen bei AEG in Stuttgart sowie bei Robert Bosch in Reutlingen, bevor er in den väterlichen Betrieb eintrat und 1955 zum persönlich haftenden Gesellschafter und Geschäftsführer berufen wurde. Nach dem Rückzug aus dem operativen Geschäft blieb er in anderer Funktion mit dem Ausbau der Firmengruppe befasst, die weltweit über 4.000 Mitarbeiter beschäftigt und Umsätze von gut 400 Mio. Euro erzielt. Das klassische Familienunternehmen zeichnet sich durch regionale Verankerung, hohe Mitarbeiterbindung, nachhaltige Innovationsfähigkeit und starkes Engagement im Aus- und Fortbildungsbereich aus.

Strategisch hat Jakob Marquardt in den 90er Jahren mit dem Einstieg in die Automobilsystemtechnik die Weiche für die weitere Expansion gestellt. Von den Vertretern der zweiten Generation, Heinz (1922 bis 1987), Erich (1925 bis 2001) sowie Ewald Marquardt (geb. 1931), der Bruder des Verstorbenen, trat Jakob Marquardt am stärksten in der Öffentlichkeit auf. Jahrzehnte in der Kommunalpolitik, die Vizepräsidentschaft der IHK, vor allem aber die markante Rolle im Unternehmerlager der Metall- und Elektroindustrie begründeten seinen Ruf als bekanntester Familienunternehmer seiner Heimatregion Schwarzwald-Baar-Heuberg.

Herausragende Ämter waren die zwanzig Jahre ausgeübte Präsidentschaft des damaligen Metallverbands von Südwürttemberg-Hohenzollern sowie Vorstandstätigkeiten bei Gesamtmetall und im BDA. Jakob Marquardt zählte mit Hanns Martin Schleyer und Hans Peter Stihl zu den Wortführern in den stürmischen Tarifkonflikten der 60er bis 80er Jahre, die sich mit Gewerkschaftern wie Franz Steinkühler und Walter Riester auseinanderzusetzen hatten.

Sein Gewicht in diesen Konflikten beruhte darauf, dass er durch modellhafte Erprobung der Aus- und Fortbildung im eigenen Betrieb, der Integration von Behinderten und der Flexibilisierung der Arbeitszeit, vor allem für Frauen durch die Einführung von »Hausfrauenschichten«, ebenso konstruktive wie praktikable Lösungsvorschläge einbringen konnte.

Der große Erfolg und das hohe Ansehen, das Jakob Marquardt als Unternehmer und Verbandspolitiker errang, verdankten sich seiner Persönlichkeit, seiner Verlässlichkeit, seiner Geradlinigkeit, seiner Lernbereitschaft, seinem Fleiß und seiner sprichwörtlichen Pünktlichkeit. Die Fähigkeit zur genauen Problemanalyse, die Begabung, mit klaren Argumenten und Mutterwitz zu diskutieren, und eine mit Humor gepaarte Schlagfertigkeit ließen ihn oft Schwung und Leben verbreiten.

Die zahlreichen Verdienste sind durch vielfältige Ehrungen und Auszeichnungen dokumentiert. Jakob Marquardt hat sich außerdem Meriten als Mäzen von Kunst und Wissenschaft erworben, beispielsweise durch Stiftung des bundesweit renommierten Iris-Marquardt-Preises für hochbegabte und bedürftige Studierende der staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen.

www.marquardt.de