Oetker Gruppe

Nachruf

Rudolf-August Oetker, einer der bekanntesten Unternehmer Deutschlands und zuletzt Vorsitzender des Beirats der Dr. August Oetker KG, Bielefeld, verstarb Mitte Januar, vier Monate nach seinem 90. Geburtstag. Der gelernte Bankkaufmann trat 1941 mit 25 Jahren als geschäftsführender Gesellschafter in die 1891 von seinem Großvater, dem Bielefelder Apotheker und Markenpionier Dr. August Oetker, gegründete Firma ein. 1944 übernahm er die Alleinverantwortung, als ein Teil seiner Familie bei einem Bombenangriff ums Leben kam. Unmittelbar nach dem Krieg begann Oetker als Mann der ersten Stunde mit dem Wiederaufbau des Unternehmens.

Die außerordentlichen unternehmerischen Leistungen zeigen sich im mitarbeiterorientierten Führungsstil und in den ehrgeizigen Zielsetzungen des Hauses. Oetkers langfristige Strategie bestand darin, das natürliche Risiko durch Diversifizierung zu begrenzen und Chancen in anderen Märkten neben der Ernährungsindustrie zu ergreifen. So verwandelte er Minderheitsbeteiligungen in Mehrheiten, um sie unternehmerisch zu entwickeln. Die heutige Oetker-Gruppe mit ihren Feldern Nahrungsmittel, Sekt, Wein und Spirituosen, Bier und alkoholfreie Getränke, Schifffahrt, Bank/Versicherungen sowie »Weitere Interessen«, zu denen auch fünf Luxushotels in Deutschland, in Frankreich und in der Schweiz zählen, nahm so Gestalt an. 23.000 Mitarbeiter erwirtschaften aktuell weltweit Umsätze von 7 Mrd. Euro.

Im Laufe der Jahre blieb der Charakter des Familienunternehmens betont, da Rudolf-August Oetker in dieser Struktur die beste Voraussetzung für die kontinuierliche, erfolgreiche Weiterentwicklung der zunehmend international bedeutsamen Geschäfte sah. Bei alledem hatten die Interessen des Unternehmens stets Vorrang vor den Interessen der Familie.

Der Überblick über die breit angelegten Aktivitäten war ihm möglich, da eine seiner hervorragendsten Eigenschaft Konzentration auf das Wesentliche war. Sein großes Gespür für den Markt und sein unkonventionelles Handeln verbanden sich mit ostwestfälischer Sparsamkeit und Beharrlichkeit. 1981 erfolgte mit 65 Jahren der Rückzug aus dem Tagesgeschäft, während sein ältester Sohn Dr. h. c. August Oetker als persönlich haftender Gesellschafter an die Spitze der Gruppe trat.

Mit der Übertragung des wesentlichen Teils seines Vermögens auf die nächste und übernächste Generation sicherte Rudolf-August Oetker Ende 2002 das gesellschaftsrechtliche Fundament der Gruppe als unabhängiges Familienunternehmen für die Zukunft.

Seine Geburtsstadt Bielefeld machte ihn zum Ehrenbürger. Die vielen sozialen und kulturellen Einrichtungen, die er gefördert oder ermöglicht hat, stehen dafür, wie ernst ihm die Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwesen war. Besonders engagiert war Rudolf-August Oetker für ältere Mitbürger. Bielefelder Senioreneinrichtungen wurden mit beträchtlichen Mitteln unterstützt. Ein besonderes Projekt war die Errichtung des Caroline Oetker Stifts, das 1995 im Namen der Großmutter und Witwe des Firmengründers auf dem elterlichen Grundstück errichtet wurde.

Privat widmete sich Rudolf-August Oetker gern der Kunst und wirkte hier auch als Mäzen, beispielsweise als Initiator der Bielefelder Kunsthalle. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands setzte er sich angesichts der Zerstörungen und des Zerfalls in den neuen Bundesländern für die dortigen Kulturdenkmäler ein. Seitdem wurden zahlreiche Projekte, oft in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, verwirklicht. Fortgesetzt wurde diese Tätigkeit mit der Ende 1999 ins Leben gerufenen Rudolf-August Oetker Stiftung, die sich der Förderung von Kunst, Kultur, Denkmalschutz und Wissenschaft verschrieben hat. Parallel dazu errichtete Rudolf-August Oetker eine weitere, nach seiner Mutter Ida und seinem Stiefvater Richard Kaselowsky benannte Stiftung für soziale Aufgaben.

www.oetker.de