OLYMP Bezner GmbH & Co. KG

Meilensteine des Lebenswerks

Interview mit Eberhard Bezner [Teil 1]


UMAG: Herr Bezner, Sie wurden im November 2013 prominent für Ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Wie fassen Sie Ihre Prinzipien zusammen? Das Erfolgskonzept von mir und Olymp ist: Augen auf, Ohren auf, fleißig sein, Ideen haben und entscheidungsfreudig sein.

UMAG: Also seinen Markt kennen, Trends erkennen, innovativ sein, investieren und stets flexibel agieren? Ja. Ich sage jetzt keine Namen, aber wenn ich an manche Mitbewerber denke, wundere ich mich gelegentlich schon, wie entscheidungsfreudig die sind.

UMAG: Zu sehr? Das kann ziemlich teuer sein. So ist es. Ein gesundes Maß an unternehmerischer Disziplin ist unerlässlich.

UMAG: Man sollte zwar immer bei den ersten sein, wenn ein Markt beginnt, aber wer zu früh ist, wird oft auch bestraft. Ja. Wenn der Markt noch nicht kommt, ist das nicht so fröhlich.

UMAG: Wie kam es überhaupt zu Ihrem Firmennamen Olymp ? Wer hat den gefunden? Mein Vater und ich zusammen. Erst sollte es Olym­pia sein, aber das hat uns das Olympische Komitee verboten. Da wir den Namen schon draußen hatten, haben wir Olymp gemacht. Es gab dann noch mal lange »Trouble«, bis das durch war. Das Olympische ist ja ein hoher Punkt, oben, wo die Götter sit­zen.

UMAG: Mit Olymp sind Sie im alten Griechenland zu verorten. Ihre Hemdenlinie »Luxor« nimmt Bezug auf Ägypten. »Luxor« spielt auf Luxus an. Andererseits kann man sich die Sache auch so erklä­ren, dass Luxor eine altägyptische Königsmetropole war. Der Name ist also ein Leistungsversprechen gegenüber unseren Kunden.

UMAG: Was war das Motiv für die Gründung ? Mit welchen Ambitionen ging Ihr Vater 1951 an den Start? Er hatte schon vorher mit seinem Bruder separate Kragen und Manschetten gemacht, die an den Hemdenrumpf anknöpfbar waren, und fing dann damit an, Kragen gleich aufs Hemd zu nähen. Das hatte nur den Nachteil, dass der aufgenähte Kragen ziemlich schnell verschliss, vor allem an den Ecken und Kanten. Es ging also um zwei Sachen: Kragen aufnähen und ihn haltbarer machen. Letzteres ist ihm auch gelungen. Der stabile »Original-Bezner-Kragen« war eine bahnbrechende Erfindung.

UMAG: Sie sind aufgrund der Umstände sehr jung in die Verantwortung eingetreten, waren aber bereits in der Firma. Wie haben Sie das erlebt? Das war 1960. Mein Vater erlag einem Herzinfarkt und ich musste den Betrieb, den ich mit ihm aufgebaut hatte, mit 24 Jahren übernehmen. In dieser Situation gab es sieben oder acht Nä­herinnen und Büglerinnen. Den Zuschnitt hatte er selbst gemacht und mir beigebracht. Nähmaschinen reparieren musste ich auch.

UMAG: Welche Fabrikate hatten Sie damals ? Dürrkopp, Singer, Pfaff, Union Special. Und dann habe ich mich viel um die Rationalisierung der Fertigung gekümmert, also darum, die Arbeits­abläufe zu automatisieren. Das hat auch ganz gut geklappt. Ich hat­te seiner Zeit einen geschickten Mechaniker und einen geschickten Betriebsberater, mit denen ich gut vorangekommen bin.

UMAG: Sie waren durch diesen Fortschritt bald in der Lage, mit Ihren Mitarbeitern mehr zu produzieren. Genau. Allerdings waren die Zeiten auch so, dass man das heute noch einmal deutlich sagen muss. Wir wollten ja nach dem Krieg nach oben. Und da gab es auch noch keine hun­der­terlei Verord­nungen und Gesetze. Da hat man ge­sagt, das machen wir mal und dann hat man eben auch gemacht. Insofern wird ja heute sehr viel behindert und verhindert.

UMAG: Wie viele Hemdenfabrikanten gab es in den 60er Jahren Deutschland? Wesentlich mehr als heute. Bei manchen, die nicht mehr da sind, überwog das Miss­management, bei anderen das Unvermögen.

UMAG: Wie haben Sie diesen fragmentierten Markt interpretiert? Wie haben Sie sich für Ihre Kunden positioniert? Da gibt es nur ein Wort, nämlich Qualität. Qualität, Qualität und noch mal Qualität. Das war ganz wichtig. Wir hatten damals den Wer­be­slogan »Für Ihr gutes Geld ein gutes Hemd«.

UMAG: Ein strapazierter Begriff. Der oft missbraucht wird, indem man nur davon redet, ohne das Versprechen zu erfüllen.

UMAG: Junge Unternehmer müssen ja vor allem kaufmännisch schnell lernen, um im Geschäft zu bestehen. Fiel Ihnen das leicht? Hatten Sie auch dafür Sinn? > Jeder muss lernen. Jeden Tag. Wenn man mor­gens aufsteht und sich ins Geschehen be­gibt, lernt man dazu, wenn man aufnah­me­bereit ist. Ich hab auch viel gelernt mit dem Aufbau einer rationelleren Fertigung, im Hinblick auf Kosten sparen und dann ging das so weiter. In den 60ern wurden in Stuttgart Mercedes und Bosch richtig groß. Die haben die ganzen Arbeitskräfte aufgesaugt und wir »armen« Textilfirmen haben keine mehr gehabt. Was macht man dann? Man muss dahin gehen, wo es noch Leute gibt. Allerdings verlangt die Herstellung eines Hemds unserer Qualität bis zu 95 verschiedene Arbeitsgänge, von denen 80 % Handzeit und nur 20 % Maschinenzeit sind. Diese Handarbeit wurde aber immer komplexer und teurer. Ich habe mich also gefragt, wo es die Menschen gibt, die diese aufwendige Handarbeit leisten können. Da bot sich das damalige kommunistische Jugoslawien an.

UMAG: Eine unkonventionelle Län­der­wahl. Vor allem für den ersten Schritt ins Ausland. Ja, aber da bin ich 1970/71 hingegangen. Viele haben na­tür­lich gesagt, ach, lass’ mal sehen, wie der da scheitert, mit seinem Abenteuer. Dabei werden dieselben Fehler heute noch gemacht, wenn man in Entwicklungsländer geht. Du musst gleich eigene Leute vor Ort haben. Sonst klappt das nicht. Sie müssen die einheimischen Mitarbeiter ja ausbilden und einar­bei­ten. Heute haben wir viele gut qualifizierte Fachkräfte in den Ländern, in denen wir sind.

UMAG: Die verinnerlicht haben, was Sie unter Qualität verstehen und die das auch wie am Stammsitz umsetzen? So ist es! Natürlich auch unsere Olymp-Philosopie. Das war damals nicht nur in Kroatien wichtig. Dort arbeiten wir jetzt seit 1971 zusammen. In Indonesien sind es demnächst 25 Jahre und in Vietnam auch schon sieben. Das nützt ja nichts, wenn Du ständig von einem Land ins nächste ziehst. Es ist immer einer da, der es noch billiger macht. Aber das ist nur eine Facette. Das funktioniert nicht. Deshalb sind wir ausschließlich an lang­jäh­ri­gen Partnerschaften interessiert, um unser hohes Niveau im Hinblick auf die Qualität und die Sozialstandards dauerhaft zu halten.

UMAG: Sie waren also zwanzig Jahre vor der Globalisierung im Ausland und haben die Vorteile konsequent genutzt? Ja. Und ich kann das Gerede auch nicht mehr hö­ren: »Warum fertigen Sie im Ausland? Hier bei uns in Deutschland brauchen wir doch Arbeitsplätze.« Wir geben jetzt über 4.000 Menschen Arbeit. Wo finde ich denn hier in Deutschland 4.000 Näherinnen, die diese Handarbeit machen? Die gibt es doch gar nicht. Da müssten wir dicht machen. Zumindest finde ich die Leute in Deutschland nicht auf dem Preisniveau, dass der Markt das bei den daraus resultierenden Abgabepreisen akzeptieren würde. Dabei geht es ja nicht um den Lohn allein, sondern auch noch um eine Reihe anderer Dinge, die notwendig sind, um ein qualitativ hochwertiges, humanökologisch einwandfreies und sozial gerechtfertigtes Produkt herzustellen.

UMAG: Weshalb werden Hemden denn immer noch zu 80 % von Hand gefertigt? Hat sich da maschinengestützt nichts getan? Das wird sich nicht ändern. Ich sage Ih­nen, warum: Man könnte zwar eine automatische Hemdenfertigung entwickeln. Da müs­sen sie ja nur spezielle Maschinen und Ge­räte bauen. Aber was passiert in der Mode? Du hast morgen eine andere Manschettenform und übermorgen eine andere Kragenform. Du hast Karos. Du hast Streifen. Du hast Bestickungen. Du hast Knöpfe und alles Mögliche mehr. Die automatische Fer­tigung müsste also dauernd umgebaut werden, weil sie halt nicht auf diese Dinge ausgerichtet und unflexibel ist. Daher bleibt die Branche auf Handarbeit angewiesen.

UMAG: Wie haben Sie es eigentlich geschafft, Ihren Absatz ständig zu steigern ? Wo kam die wachsende Nachfrage her? Am Anfang jedenfalls nicht durch Marketing und Werbung. Ich wusste da ja noch gar nichts von Marketing und für Werbung hatte ich kein Geld. Der Erfolg beruhte einzig und allein auf der zitierten Qualität unserer Hemden und auf Lieferpünktlichkeit.

UMAG: Sie sind also ganz klassisch im Markt gewachsen und haben dabei immer neue Umsatzrekorde aufgestellt? Ja. Was heute auch noch geschieht. Wir legen jedes Jahr zu und haben 2013 die Umsatz­mar­ke von 200 Millionen Euro durchbrochen.

UMAG: Noch mal zurück zu Ihrer früh begonnenen, konsequenten Internationalisierung. Wo überall sind Sie aktiv? Wir waren eine Zeit lang wie Nomaden, allerdings nicht aus innerer Überzeugung, sondern gezwungenermaßen. Hongkong ging irgendwann nicht mehr, weil der Standort zu einem reinen Handelsplatz geworden war. Die Philippinen gingen nach vielen Jah­­ren aus politischen Gründen nicht mehr. Dann bin ich nach Burma gekommen, bis es dort aus politischen Gründen auch nicht mehr ging. Dann bin ich nach Indonesien. Bei alledem bin ich immer den Arbeitskräften nachgelaufen, die wir brauchten. Dann kam China hinzu. Heute fertigen wir unsere Hemden mit sieben beständigen Partnern.

UMAG: Welche Strategien waren denn in Deutschland wichtig, um den heimischen Markt zu entwickeln? In den 70ern gab es einen Trend zum bügelfreien, pflegeleichten Hemd. Damals wurde viel mit Stoffen experimentiert. Ich habe mir speziell einen Stoffhersteller ausgesucht und dem gesagt, dass wir das jetzt miteinander machen und dann viel an diesem Thema gearbeitet. Daraufhin haben wir später auch mit kleinen Prospekten geworben, in denen vorgerechnet wurde, welcher Bügelaufwand entsteht, wenn Männer jeden Tag ein frisches Hemd anziehen. Mit bügelfreien Modellen blieb eine Stunde Freizeit pro Woche übrig. Die konnte man ja anderweitig nutzen. Das hat eingeleuchtet. Daneben haben wir mit Herstellern von Waschmaschinen zusammengearbeitet. Unsere sehr er­folg­reiche Hemdenlinie »Luxor« wurde in den 90ern eingeführt. Sie ist aus reiner Baumwolle und zeichnet sich durch Bü­gelfreiheit und Knitterarmut aus.

UMAG: Es gab damals ja auch verschiedene Kunstfasern. Das hat Sie nie überzeugt ? Sie haben immer Baumwolle verarbeitet? So ist es. Nylon und Perlon liefen sich tot, weil der Tragekomfort nicht wirklich gut gewesen ist. Die Industrie hat zwar Millionen in die Werbung gesteckt, aber das kam im Markt trotzdem nicht an, weil die Stoffe einfach unhygienisch waren. Wir sind daher immer bei Baumwolle geblieben.

Die Fragen stellte Dr. Reinhard Nenzel