OLYMP Bezner GmbH & Co. KG

Meilensteine des Lebenswerks

Interview mit Eberhard Bezner [Teil 2]


UMAG: Herr Bezner, Sie sagen, dass Marketing anfangs nicht interessant für Sie war. Aber das Thema muss doch irgendwann sicher spannender geworden sein? Was haben Sie gemacht? Natürlich ist das wichtiger geworden. Ich habe das dann so betrieben, dass ich sehr gute, bedeutende Kunden selbst besucht habe und dann auch Zeit für sie hatte. Damit habe ich mir im Handel viele Freunde erworben. Die haben gesagt, der Bezner ist ei­gent­lich ein ganz netter Kerl, mit dem sitzt man gerne zusammen.

UMAG: Herrenausstatter müssten Ihre Hemden doch gern verkaufen. In Stuttgart wäre Eckerle so jemand für Sie. Gewiss. Es gibt noch den einen oder anderen Wunschkunden, den wir noch nicht von unserer Leistungsfähigkeit überzeugt haben. Mit zunehmender Marktbedeutung schließen wir die letzten Lücken der Distribution.

UMAG: Viele Unternehmer besuchen ihre Schlüsselkunden ja selbst. Wolfgang Grupp von Trigema macht das auch. Das stim­mt. Direkter Kundenkontakt und persönliche Gespräche sind wichtig.

UMAG: Er hat eine lange Standorttradition in Burladingen und mit seinem persönlichen Auftritt sicher einen USP. Tradition weisen wir auch vor. Olymp ist von Anfang an in der Stadt Bietigheim-Bissingen verwurzelt. Unsere Verbundenheit zur heimischen Region drücken wir durch das klare Bekenntnis zum Standort aus. Mit Ausnahme der manuellen Fertigung konzentrieren wir alle anderen Unternehmensbereiche wie Produktdesign, Forschung und Entwicklung, Einkauf, Marketing, Vertrieb sowie Lager und Logistik in der Firmenzentrale. Erst im Oktober 2013 haben wir mit unserem neu­ar­tigen Logistik-Zentrum das in der Kombination von Shuttle- und Hängefördertechnik größte und weltweit einzigartige Hemdenlager bewusst hier in Betrieb genommen. Bundesweit beschäftigen wir inzwischen 620 Mitarbeiter, fast fünfmal so viele wie Mitte der 90er.

UMAG: Bei Hemden gibt es ja eine unglaubliche Vielfalt an Dessins und Ausstattungsmerkmalen. Differenzieren Sie sich hier vom Wettbewerb? Durchaus. Mit einem Eigendesignanteil von bis zu 90 Prozent bei modischen Saisonartikeln ist es uns über die Jahre gelungen, eine eigenständige Kollektionsidentität aufzubauen.

UMAG: Es gibt noch einen Treiber Ihres Erfolgs: Sie haben Ihren Sohn im besten Alter ins Unternehmen geholt. Ja. Er hat in Amerika studiert, an der University of Southern California, und war bei »Procter and Gamble«, von denen es heißt, sie hätten das Marketing erfunden. Danach hat er sich weiter umgesehen, auch in Harvard. Dann habe ich ihn in die Nähbetriebe geschickt, zu Stoffherstellern und zu allen Anderen, die wichtig für uns sind, damit er die Branche kennenlernt. 1995 ist er Geschäftsführender Gesellschafter geworden.

UMAG: War denn klar, dass Ihr Sohn auch einmal bei Olymp an der Spitze steht? Gab es da keine Zweifel? Seinerseits war das klar. Meinerseits auch. Ich war sehr froh, dass es sich so entwickelt. Die Nachfolge ist ja oft nicht lustig, aber da sind die Leute selber schuld, wenn sie ihre Kinder mit diesem und jenem materiell verwöhnen.

UMAG: In Ihrem Segment sind Seidensticker und Eterna direkte Wettbewerber im Markt. Sehen Sie noch andere Konkurrenz? Der Markt ist unheimlich hart umkämpft mit seinen unzähligen Hersteller- und Handelsmarken. Obwohl wir in Deutschland Marktführer bei Herrenhemden sind, nehmen wir jeden Anbieter ernst.

UMAG: Machen Sie strategisch etwas besser? Wie erklärt sich die Finanzkraft Ihres Familienunternehmens? Das liegt am Preis-Leistungsverhältnis und an kluger Einkaufspolitik. Wir verkaufen ein gutes Hemd wie zu meines Vaters Zeiten für gutes Geld und der Verbraucher honoriert das international, was zufriedenstellende Erträge bedeutet. Ein Unternehmen, das nicht ordentlich verdient, ist volkswirtschaftlich un­interessant. Das verstehen viele Leute nur nich­t.

UMAG: Sie führen Olymp offenbar sehr effizient und sind so ertragreich. Jawohl. Das dürfen Sie so sagen.

UMAG: Sie haben sich ja immer schon Gedanken gemacht, wie Sie Dinge noch rationeller machen und anderweitig optimieren können. Es ist halt wichtig, jedem Kostenfaktor nachzurennen und ihn dauernd zu prüfen. Als Unternehmer muss man auch Spaß haben an seinem Betrieb. Wenn Du keinen hast, bist Du verkehrt in dem Beruf.

UMAG: Oder das Unternehmen lässt sich nicht so formen, wie es sein sollte, oder ein Konkurrent war schneller? Das ist ein heikles Thema. Mir fällt noch ein: Oder einer heiratet die falsche Frau. Wir sponsern ja den Damenhandball und sind mit der SG BBM Bietigheim-Bissingen in die 1. Bundesliga aufgestiegen, eine der stärksten Ligen weltweit. Und da spielen wir auch nicht ganz schlecht mit. Insofern ist diese Damenmannschaft mit dem Logo von Olymp auf de­m Trikot eine der stärksten in Deutschland und auch weltweit ho­ch einzuschätzen. Die jungen Sportlerinnen machen einen anspruchsvollen Job, trainieren fünf- bis siebenmal in der Woche und haben an den Wochenenden ihre Spiele, sind aber trotz dieser Spitzenleistungen gut dabei. Die sind eine Einheit, belastbar und ehrgeizig und jetzt komme ich auf den Kern: Wenn die mich begrüßen, fallen die mir alle um den Hals und mir muss das ja nicht ganz unangenehm sein. Irgendwann haben sich Damen aus meinem Bekanntenkreis m­o­kiert. Denen habe ich dann gesagt: »Da seid ihr selbst dran schuld. Wenn man mit Euch beieinander ist, geht es um Krankheiten oder darum, wer der beste Doktor und wer der beste Zahnarzt ist. Wo gibt’s die tollsten Handtaschen? Wo gibt’s die schicksten Uhren? Wo gibt’s die schönsten Schuhe? Andere Themen habt ihr nicht. Das ist nicht meine Welt.« Damit wir uns richtig verstehen: Männer können mir mit etwas anderen Mitteln auch schlechte Laune machen.

UMAG: Haben Sie noch andere Themen im Sponsoring? Ja, den Jazz. Wir richten in Bietigheim seit Jahren ein internationales Festival für einen guten Zweck aus. Die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern gehen an die 2008 von mir, meinem Sohn und meiner Tochter gegründete Olymp-Bezner-Stiftung. Aber noch mal zum Sport. Mit den Handballdamen spielen wir im Europacup, was aber nicht diese Unsummen wie im Fußball kostet. Musikalisch mag ich Jazz in der Richtung Swing, also Benny Goodman, Glenn Miller, aber auch Max Greger und Hugo Strasser, sowie Dixieland. Wir fördern unter anderem eine Bigband in der klassischen Besetzung von Glenn Miller.

UMAG: Glenn Miller hat die Klarinette als Soloinstrument etab­liert und so seinen besonderen Sound kreiert. Als sich sein Trompeter die Lippe aufgeschlagen hatte. Das war also eher Zufall. Andere haben das dann übernommen.

UMAG: Was machen Sie karitativ? Viel, wirklich viel. Wie bereits erwähnt habe ich die Olymp-Bezner-Stiftung mitbegründet, die Kinder und Jugendliche weltweit in den Bereichen Erziehung, Gesundheit und Bildung unterstützt. Ein Schulprojekt in Bangladesh etwa oder zwei Waisenhäuser in Myanmar. In Indonesien haben wir mit unserem lokalen Partner und der katholischen Kirche, die es dort nicht immer ganz leicht hat, ein Ausbildungszentrum aufgebaut, in dem die Mädchen nähen lernen und die Buben Nähmaschinenmechaniker. Das sind Berufe, die im Land Selbständigkeit versprechen. In Brasilien gibt unsere Werkstatt Straßenkindern eine Perspektive. In Deutschland helfen wir aber auch vielen Einrichtungen. Das ge­hört sich einfach so. Ich habe zwei gesunde Kinder und sechs gesunde Enkel und da muss man Dankbarkeit zeigen. Das ist ja alles nicht selbstverständlich. Von dem Kuchen muss man etwas abgeben.

UMAG: Heute steht hier ein prächtiges Unternehmen mit 200 Mio. Euro Jahresumsatz, einem nagelneuen Logistikzentrum, den Markt im Griff. Gibt es Momente, wo sie sagen, da haben wir Glück gehabt? Die Frage ist berechtigt. Du kannst noch so fleißig sein, du kannst dich noch so anstrengen, du kannst alles machen, aber oh­ne Glück bist Du ein armer Tropf. Wobei der Fleißige mehr Glück hat als der Faule. Bei alledem stört mich, dass es so viel Missgunst in der Gesellschaft gibt. Zwei Tage nach dem Bericht aus Baden-Baden über die Verleihung dieses Preises für mein Lebenswerk hat mich jemand hier aus Bietigheim angerufen, ein einfacher Bürger, der sehr vernünftig ist, und hat gesagt: »Ich gratuliere Dir, Eberhard, zu dieser Auszeichnung, aber jetzt hast Du noch ein paar Neider mehr.«

UMAG: Am Abend der Einweihung Ihres neuen Logistikzentrums stand auch EU-Kommissar Oettinger auf der Bühne und hat seine Freude über Olymp ausgedrückt. Kann man es auch ohne Freunde in der Politik weit bringen? Kann man. Man tut sich etwas leichter, wenn man diese Kontakte hat. Lothar Späth ist ein enger Freund von mir, Erwin Teufel auch. Ich kannte aber auch Kiesinger und Filbinger gut. Wobei solche Leute auch die Nähe Erfolgreicher suchen.

UMAG: Gibt es im Rückblick so etwas wie eine verpasste Chance? Etwas, von dem Sie sagen, wenn das noch geklappt hätte, wäre ich noch glücklicher? Noch glücklicher geht nicht. Es fühlt sich so an, als hätte ich es richtig gemacht. Was könnte ich denn noch wollen? Da gibt es nichts. Familie stimmt, Gesundheit stimmt, Unternehmen stimmt. Als ich meinem Sohn die Verantwortung übergab, habe ich meine Zeit genutzt, um ein Hotel mit Gastronomie zu grün­den.

UMAG: Lebenswerk in beachtlicher Weise seit dem Wirtschafts­wu­n­­der bis zum heutigen Tag gelungen? Da kann man zufrieden sein.

UMAG: Pläne? Wahrscheinlich soll Olymp global weiter wachsen? Ja. Das soll ja aber mein Sohn, der Herr Marc Bezner, machen.

Die Fragen stellte Dr. Reinhard Nenzel