Hennerkes

Ehrendoktorwürde

In einem Festakt im November 2009 verlieh die Wirtschaftsfakultät der Universität Witten/Herdecke Professor Dr. Brun-Hagen Hennerkes, einem der europaweit führenden Experten auf dem Gebiet der Familienunternehmensforschung, die Ehrendoktorwürde für seine Verdienste um die Belange der Familienunternehmen in Deutschland. Insbesondere würdigte die Universität seine systematische Beschäftigung mit den Chancen und Besonderheiten dieser Unternehmensform, nicht zuletzt beim Auf-und Ausbau des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU) sowie im Rahmen der von ihm ins Leben gerufenen gemeinnützigen Stiftung Familienunternehmen. Professor Hennerkes, der erst unlängst seinen 70. Geburtstag beging, beschäftigt sich seit fast 40 Jahren mit der Materie und war einer der ersten in Deutschland, der die Spezifika von Familienunternehmen intensiver untersuchte.
Dabei ging es ihm zum einen um die grundlegende Definition in Abgrenzung zum ungenauen Dachbegriff des Mittelstands. Zum anderen war es ihm stets ein Anliegen, die öffentliche und politische Wahrnehmung und Akzeptanz der besonderen Eigenheiten und Bedürfnisse dieser Unternehmensform zu fördern, die trotz ihrer großen volkswirtschaftlichen Bedeutung weit weniger Aufmerksamkeit erfuhr als anonyme Großkonzerne in Streubesitz. Dass Familienunternehmen heute zunehmend in der Forschung, vor allem aber auch in Staat und Gesellschaft beachtet werden, ist Hennerkes dank diverser Aktivitäten maßgeblich mit zu verdanken.
Von 1960 bis 1964 studierte der dreifache Vater alte Sprachen und dann Rechtswissenschaften an den Universitäten Saarbrücken, Hamburg und Freiburg mit anschließender Promotion. Die berufliche Laufbahn begann 1968 bei der Wirtschaftsvereinigung Eisen & Stahl in Düsseldorf, danach wurde er als jüngstes Mitglied in die Direktionsabteilung der Mannesmann AG berufen. Diese Tätigkeit prägte ihn nachhaltig, da sie Einblicke in Denkweisen und Strukturen von Großunternehmen und ihrer Lieferanten erlaubte, die damals schon vorwiegend Familienunternehmen waren. Die eigentliche Passion begann 1971 mit dem Eintritt in die Stuttgarter Sozietät von Dr. Conrad Böttcher, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 1929 ausschließlich Familienunternehmen widmete und sich unter anderem mit der Durchsetzung der Rechtsform der GmbH & Co. KG einen Namen machte. 1981 wurde Prof. Dr. Hennerkes Seniorpartner der Kanzlei, die mittlerweile als Hennerkes, Kirchdörfer & Lorz tätig ist.
Hennerkes hat Familienunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz anwaltlich in konzeptionellen Fragen beraten, schwerpunktmäßig bei der Unternehmernachfolge, bei der Erstellung von Familienverfassungen, aber auch in Finanzierungsthemen. Des weiteren wurden viele Börsengänge von Familienunternehmen von ihm begleitet, etwa der von »BOSS«. Hennerkes gilt überdies als Experte für Stiftungskonzeptionen und hat sich als einer der ersten mit dem Instrument des Beirats befasst, dessen Bedeutung er von Anfang an nicht auf Kontrollfunktionen beschränkte. Als Vorsitzender bzw. als Mitglied von Aufsichtsräten und Gremien bekannter Familienunternehmen wandte sich Hennerkes neben der juristischen Beratung früh der Wissenschaft zu. In den 80er Jahren nahm er einen Lehrauftrag an der Universität Stuttgart an, seit 1987 ist er dort Honorarprofessor. Indessen entstanden zahlreiche Abhandlungen und Standardwerke wie »Die Familie und ihr Unternehmen« und das »Unternehmenshandbuch Familiengesellschaften«. Dem Institut für Familienunternehmen an der Privaten Universität Witten/Herdecke ist Hennerkes als Institutsbeirat, Mitglied des Kuratoriums und Lehrbeauftragter verbunden, seit 2008 als Professor am Lehrstuhl für Privat-, Gesellschafts- und Steuerrecht. Zudem hat er maßgeblich die Gründung des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen an der Privaten Zeppelin-Universität gefördert.
Der »Blick über den Tellerrand« zeichnet alle Aktivitäten aus. So initiierte Hennerkes schon vor der 2002 erfolgten Gründung der gemeinnützigen »Stiftung Familienunternehmen« die Veranstaltungsreihe »Familienunternehmer im Gespräch« und die »Juniorenkonferenz«, die jährlich stattfinden und Familienunternehmern bzw. dem unternehmerischen Nachwuchs Plattformen zum intensiven Gedankenaustausch bieten. Der profunde Rat des »Doyens der Familienunternehmen« ist vielerorts gefragt, auch von der Bundesregierung wie bei den jüngsten Beratungen über die Konjunkturpakete.
Nach dem sukzessiven Rückzug aus der operativen anwaltlichen Beratung tritt Hennerkes als ehrenamtlicher Vorstand der »Stiftung Familienunternehmen« auf, die Ansprechpartnerin der Politik in rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftspolitischen Fragen ist.