Ravensburger AG

125 Jahre Buch und Spiel

Die 1883 vom Ravensburger Buchhändler Otto Maier gegründete Ravensburger AG, Ravensburg, begeht in diesem Jahr ihr 125-jähriges Firmenjubiläum. Mit der Unterschrift zum ersten Autorenvertrag legte Maier den Grundstein zu dem heute international bekannten Markenunternehmen mit dem blauen Dreieck. Zunächst wurden Ratgeberliteratur und Vorlagemappen für das Bau- und Kunsthandwerk veröffentlicht, bevor 1884 mit »Reise um die Erde« der erste Spieletitel erschien. Später folgten Lern- und Kinderspiele, Quartette, Strategiespiele sowie Bücher und Arbeitskästen zum Basteln und zur Kinderbeschäftigung. »Wissen erlangen durch Selbermachen« stand als Leitgedanke hinter dieser Verlegertätigkeit.

Maiers gelebter Qualitätsanspruch, nur das Beste zu bieten, führte 1914 mit einem Umsatz von 250.000 Goldmark bereits zu einem Erfolg, der langfristig anhalten sollte. Aufgrund der großen geographischen Distanz zu Deutschlands kulturellen und wirtschaftlichen Zentren setzte man auf effektiven Vertrieb und geschickte Werbung: 1900 wurde das Warenzeichen »Ravensburger Spiele« geschützt. Schon seit 1912 reisten Vertreter durch Deutschland, Westeuropa, in die Donaumonarchie und ins Baltikum. 1923 richteten der Verleger und seine Söhne Otto, Karl und Eugen eine eigene Kartonagenfertigung und eine Buchbinderei ein, um nicht nur zu konfektionieren, sondern auch selbst herzustellen. Heute laufen jährlich 25 Mio. Spiele und Puzzles vom Band.

Nach dem Tod des Gründers übernahmen seine Söhne 1925 die organisatorische und die redaktionelle Verlagsleitung. 1939 erwirtschafteten 65 Mitarbeiter 600.000 Reichsmark, den Großteil mit Büchern. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann das Spiele-Geschäft immer mehr an Bedeutung. Zu den wichtigsten Umsatzträgern zählten bald die beiden Klassiker »memory« (1959) und »Malefiz« (1960). In den Folgejahren wurde der Verlag in die Sparten »Spiel« und »Buch« aufgeteilt.

Nach dem Ableben der zweiten Generation forcierten Gründerenkel Otto Julius Maier und seine Cousine Dorothee Hess-Maier die Produktentwicklung und die Unternehmensexpansion. Novitäten waren unter anderem amerikanische Produktideen wie »Interlocking«-Puzzles, verzahnte Puzzles, die seinerzeit in Deutschland noch unbekannt waren. Eine Innovation waren auch Taschenbücher für Kinder und Jugendliche. Der weiter steigende Absatz in den 60er Jahren machte eine neue Fertigungsstätte im Ravensburger Industriegebiet erforderlich. Heute bietet der Standort 40.000 qm Nutzfläche für Druckerei, Puzzlefertigung, Hochregallager und Auslieferung. 1964 gab es die erste Tochtergesellschaft in den Niederlanden. Mittlerweile werden die Ravensburger Produkte in über 90 Länder der Welt exportiert. Mit der Gründung einer TV-Tochtergesellschaft sowie mit Videokassetten und CD-ROM-Programmen zum Generalthema »Lernen und Spielen« reagierte der Verlag auf die zunehmende elektronische Konkurrenz von Papier- und Pappe-Produkten. Neue Geschäftsfelder entwickelte das Familienunternehmen, das Ende der 80er Jahre von einer Personen- in eine Kapitalgesellschaft überführt wurde, auch im Dienstleistungsbereich, beispielsweise mit einem eigenen Kinder-Freizeitpark. In den 90er Jahren wurden die einzelnen Geschäftsbereiche als Tochtergesellschaften unter dem Dach der Holding Ravensburger AG vereint.

Sämtliche Aktien des 40 Jahre von Otto Julius Maier geführten Verlags sind nach wie vor im Besitz der Gründerfamilie. Dorothee Hess-Maier ist seit 2005 stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende. 1.500 Mitarbeiter sorgten 2007 für einen konsolidierten Umsatz von 285,5 Mio. Euro, wobei das gute Ergebnis von 2006 mit zuletzt 25,8 Mio. Euro Jahresüberschuss nach Steuern und einer Umsatzrendite von 9,0% leicht übertroffen wurde. Wachstum fand in allen Geschäftsbereichen statt. Das Eigenkapital stieg auf 131,7 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote beträgt 51,1%.

Ravensburger macht mit 9 Standorten in Europa und in den USA über die Hälfte seines Umsatzes im Ausland und fertigt inzwischen rund 8.000 Produkte, von denen 85 % am Stammsitz sowie im tschechischen Werk Policka hergestellt werden.

www.ravensburger.de