Ravensburger AG

Wieder gut in Form

Die Ravensburger AG, Ravensburg, legt 2001 nach hohen Verlusten wieder schwarze Zahlen vor. Nach langer Wachstumsphase ging der Umsatz in 2000 bei ungewöhnlichen Turbulenzen für die Spielwaren- und Buchbranche erstmals zurück. Der konsolidierte Umsatz der Unternehmensgruppe sank um 5,8 % auf 556 Mio. DM, gleichbedeutend mit einem Fehlbetrag von 28 Mio. DM. Der Spieleverlag, der mit 437 Mio. Mark Umsatz rund 80 % der Gruppenumsätze erwirtschaftet, büßte 9,6 % ein, obwohl mehrfach Preise gewonnen wurden. Als Handicap wirkte sich aus, dass vermehrt Trendthemen wie »Wer wird Millionär« und »Pokemon« auf den Spielemarkt drängten. Als sich der Umsatz- und Ergebnisrückgang abzeichnete, wurde im Herbst ein Restrukturierungsprogramm gestartet. Inzwischen wurden Vertrieb, Marketing, Controlling, Personal- und EDV-Abteilung reorganisiert, 80 von 320 Mitarbeitern werden bis Ende 2001 eingespart.

Seit Januar stehen auch die internationalen Fertigungen, der Einkauf und die Logistik des Spieleverlages auf dem Prüfstand. Problem ist die zu  hohe Fertigungskapazität. Vor diesem Hintergrund wird das Puzzlewerk im französischen Chalon-sur-Saöne geschlossen. Hier sind rund 100 Mitarbeiter betroffen. Die Produktion wird vollständig auf die Standorte in Ravensburg und Pohcka, Tschechien, verlagert. Das Programm des Spieleverlags wurde um ein Drittel gestrafft. Die Restrukturierung soll unmittelbar ergebnisrelevant wirken.

Der Buchverlag büßte bei 72 Mio. DM Umsatz 4,5 % ein. Harry Potter verwies Ravensburger auf Platz zwei. Inzwischen erobern Top-Titel wie »Die Maus« und die junge Sachbilderbuch-Serie »Wieso? Weshalb? Warum?« Marktanteile zurück. Im Segment Pappbilderbuch wurde die Position als Marktführer ausgebaut, im Kindersachbuch wurde sie gerade eingenommen.

Die Ravensburger Freizeit- und Promotion-Service GmbH musste im Zuge verminderter Aufträge in der Spiele-Sonderfertigungen für Dritte einen Umsatzrückgang auf 26 Mio. Mark hinnehmen.

Die jüngeren Töchter schnitten besser ab: Ravensburger Interactive, die Computer-Spiele publiziert, legte inklusive der Geschäftsfelder Musik und Video um 38,5 % auf 27 Mio. DM zu. Der umsatzträchtige »Games«-Markt mit seinen eingefleischten PC-Spielern wird mit der neuen Marke »Fishtank« angegangen.

Die Beliebtheit der Dachmarke Ravensburger ist indessen ungebrochen: Im Internet wurden seit Dezember 2000 rund 150.000 Besuche der »Web-Seite« mit 700.000 Seitenabrufen registriert. Im Fernsehen lizensierte Ravensburger sein Markenzeichen an die börsennotierte RTV Family Entertainment AG. Das blaue Dreieck erscheint im Rahmen einer Kooperation seit Juni sechs mal wöchentlich zwei Stunden als Ravensburger Fenster beim Familiensender Super RTL.

www.ravensburger.de