Scheibel Schwarzwaldbrennerei

Allererste Genießeradresse

Die 1921 gegründete Scheibel Schwarzwaldbrennerei, Kappelrodeck, erzeugt vorwiegend Obstbrände und Weindestillate. Insgesamt werden 22 Spezialitäten hergestellt. Die Jahresmenge liegt bei 430.000 Litern, die unter anderem in 220.000 Flaschen abgefüllt werden. Lose Ware wird an Weiterverarbeiter abgegeben. Kunden sind Fachhandel und Gastronomie sowie Pralinenhersteller oder Präsentservices für die Industrie. Das von den Geschwistern Michael und Martina Scheibel – beide überaus profilierte Kenner der Materie – geleitete Unternehmen beschäftigt 32 Mitarbeiter. Die Exportquote liegt bei 6 %. International sind vor allem die USA, Japan und die Benelux-Länder Abnehmerländer.

Anläßlich des 2. Deutschen Spirituosentages Anfang September trat Michael Scheibel mit Demonstrationen und Erläuterungen zu Reifung, Beurteilung, Trinktemperaturen, Gläsern und Trinkkultur auf. Als Probe des Erfahrungsschatzes war zu erfahren, dass viele feine Inhaltsstoffe nicht schon vom Brennen her vorhanden sind, sondern erst später entstehen, während unerwünschte Stoffe abgebaut werden. Einfache Brände seien in ein bis zwei Jahren ausgereift. Hochkomplexe Spitzendestillate brauchten bis zu zehn Jahren, um ihren Charakter voll zu entfalten. Insbesondere komme es auf gut dosierten Zutritt von Luftsauerstoff an. Ein Spitzenerzeugnis weise bei bester Pflege nach acht bis zehn Jahren über 200 verschiedene Aromen auf. »Auf der Flasche« bewege sich praktisch nichts mehr.

Der Trinkgenuss sei temperaturabhängig. Bei zu großer Wärme, schon bei Zimmertemperatur, trete der Alkohol in den Vordergrund, weil er leicht verdunste. Das Destillat schmecke dann spritig. Himbeergeist verlange 10-12° C, Geister mit lauteren Aromen etwas mehr. Bei Steinobstbränden, wie Kirschwasser, seien 14-16° C erforderlich. Kernobstbrände bräuchten sogar 16-18° C. Stilgläser seien wichtig, da sich sonst der Einfluss der Handwärme bemerkbar mache. Am besten geeignet seien Gläser mit kugelförmigem Kolben, der nach oben in einen »Kamin« auslaufe, der sich leicht verjünge und etwa ein Drittel des Glasinhalts ausmache. Einschenken solle man ebenfalls nur ein Drittel des Glasinhalts. Bei zu großen Gläsern und zu breiter Öffnung entweiche der Duft, bei zu kleinen könne er sich nicht entfalten. Nur wer erst mehrmals nippe und erneut den Duft genieße, zeige sich als wahrer Kenner.

www.scheibel.net