»Elite Report« 2015

UMAG: Herr von Schönfels, im diesjährigen »Elite Report« der Vermögensverwalter im deutschsprachigen Raum wurden 33 deutsche Institute, fünf österreichische Häuser, drei Schweizer und drei liechtensteinische Privatbanken prämiert. Was zeichnet diese »Elite« im Hans-Kaspar v. SchönfelsWesentlichen aus? Trotz der enteignungsfördernden Nullzins-Politik haben gute und vor allem intelligente Vermögensverwalter das ihnen anvertraute Kapital ausreichend gemehrt. Sie haben es ohne nennenswerte Verluste gebühren-, steuer- und inflationsbereinigt substantiell erhalten. Alle haben zudem mit einer gut strukturierten fachlich und menschlich sauberen Beratung und Betreuung überzeugt. Neben den guten Ergebnissen heißt das, sie konnten die vom Kunden dringlich gewünschte Zuverlässigkeit bis hinein in die Transparenz und vertragliche Fairness unter Beweis stellen. Dieses Niveau bringen leider immer noch zu wenige Vermögensverwalter auf den Tisch, vor allem dann nicht, wenn Provisionsfreude die Arbeit für den Kunden treibt.

Elite-Report-PyramideUMAG: Gab es in diesem Jahr Überraschungen für Sie, z.B. Institute, die erstmals den Sprung an die Spitze der Ausgezeichneten schafften? Oder Absteiger, die nicht mehr zur »Elite« gehören? Ja, Überraschungen gibt es immer wieder. So hat  Donner & Reuschel nun die Spitze erobert. In die Pyramide der Ausgezeichneten aufgenommen wurde erstmals die Vermögenskultur AG aus München flankiert von zwei Sonderpreisen,  die an die KSW Vermögensverwaltungs AG Nürnberg und die MARS Assetmanagement in Bad Homburg gingen. Damit tauchen kleine leistungsstarke Spezialisten für gehobene Aufgaben in unserer Positivliste auf. Wir sind sicher, dass die beiden Sonderpreisträger auch bald einen festen Rang in der Pyramide einnehmen werden. Nicht mehr ausgezeichnet wurde dagegen die BW Bank. Trotz großer Expansionsanstrengungen konnte sie sich nicht im Rahmen unserer zugegebenen verschärften Kriterien nicht behaupten. Wir sind aber sicher, dass gerade diese unternehmerorientierte Bank sich weiter anstrengen wird, um ihren Zielgruppe immer besser bedienen zu können.

UMAG: Nach welchem Verfahren bzw. welchen Kriterien wurden die ausgezeichneten Banken und Vermögensverwalter beurteilt und bewertet?  Wir haben ein ganzes Bündel von intensiven Recherchen, die die gesammelten Besuchserlebnisse ebenso ergänzen wie Vermögensausschreibungen und Depot- und Vertrags- Bewertungs-Themen. Insgesamt müssen wir 42 Parameter, die zur Gesamtbeurteilung führen aussagekräftig abarbeiten. Für uns gehen viele Leser, diesmal waren es 160, als „Tester ehrenhalber“ auf die Suche, um ihren neuen Vermögensverwalter zu finden. Wir begleiten sie und schöpfen ihre Erfahrungen – die positiven, wie die negativen – ab. Übrigens, unter diesen Suchenden sind viele Freiberufler und Unternehmer, die Vermögens-Elite eben. Auffällig ist, wie wenig Vermögensverwalter die wirklichen Bedürfnisse des Kunden herausfinden wollen. Vielen ist die Klarheit bringende Dialogarbeit fremd.

UMAG: Wie wurden die verschiedenen Parameter Ihres Tests gewichtet? Die erlebnisorientierten Eindrücke beispielsweise werden je mit 10 Punkten angesetzt. Der vorangegangene Bilanzcheck, der über die innere Leistungsqualität und Stabilität Auskunft gibt, schlägt mit 30 Punkten zu Buche. Die beste Qualität der Beratungssystematik erzielt mit 20 Punkten ebenso beste Noten, wie das Kompetenzfeld Vermögenserhalt, die Seniorenkompetenz, die vertragliche Qualität und die Anlagerichtlinien. Eine innerhalb der Branche vertraulich durchgeführte Leumundsbefragung ( 30 Punkte)  spürt ebenso gute, wie vor allem auch intime Hinweise auf. Die Wettbewerber selbst sind bestens über ihre Konkurrenz informiert. Unter anderem steht dann am Ende der Enteignungskoeffizient, der alle Gebührenstrukturen addiert, um heraus zu finden, ob ein Vermögen in die Schwindsucht getrieben wird oder gebührlich fair behandelt wird.

UMAG: Wie sehen Sie in diesem Jahr die Konkurrenz zwischen Banken und bankenunabhängigen Vermögensverwaltern? Die Konkurrenz tut gut, denn der Wettbewerb zwingt die Anbieter die Qualität zu steigern, und zwar nachweisbar.  Das beginnt bei der Aufmerksamkeit dem potenziellen Kunden gegenüber, um eine passende Schiene für ihn zu entwickeln. Natürlich müssen die Preise einer Überprüfung standhalten, wie auch das transparente Reporting, das letztlich die Erfolge auf Cent und Euro ausweist.

UMAG: Die Finanzmärkte werden immer noch wesentlich getrieben durch eine Politik des billigen Geldes, die einerseits eine weltweite Börsenhausse ausgelöst hat, zugleich aber die Zinsen für vermeintlich sichere Anlagen immer weiter nach unten drückt. Wie gehen professionelle Vermögensverwalter mit diesen Entwicklungen um? Diese unter den Nägeln brennende Frage beantworten die wirklichen Profis. Sie stellen sich auf die unterschiedliche Entwicklung auf den Märkten ein. Sie beherrschen und nutzen nämlich die globalen Analysen bis hinein in die Detailmärkte, können damit  also Chancen ermitteln und Risiken minimieren. Natürlich stellen sie sich auch den Ängsten ihrer Kunden. Dank dieser umfassenden Leistung wird dann eine Performance ermöglicht, die mehr als nur den Vermögenserhalt erzielt. Von einem guten Vermögensverwalter muss man diese hohe Intelligenz ebenso erwarten wie die offene Kommunikation mit dem Kunden, der Anspruch auf Aufklärung hat.

UMAG: Was können Sie zusammenfassend lobend über die Performance der Banken/Vermögensverwalter in diesem Jahr hervorheben und wo besteht auch weiterhin Verbesserungsbedarf? Selbst konservative Kunden werden mit dem Ergebnis des Vermögenserhalts von Könnern bedient. Allerdings gehört auch dazu, dass ein verantwortungsvoller Vermögensverwalter die Angst vor Aktien nicht weiter schürt,  sondern sie als Performance-Optimierer und Qualitätsinvestment aufzeigt. Uns scheint, das manche Vermögensverwalter sich um diese notwendige Aufklärung drücken. Das ist so etwas wie Feigheit vor dem Kunden.

UMAG: Abschließend: Viele Unternehmer beauftragen mit der privaten Vermögensverwaltung oft auch die Bank, die ihr Unternehmen finanziert. Sie bezeichnen dies als „riskantes Fehlverhalten“. Warum? Dienst ist Dienst, Schnaps ist Schnaps, jeder kennt den Spruch. Es ist riskant, wenn Unternehmer beide Finanzbereiche, also die Unternehmensfinanzierung und die Betreuung des Privatvermögens in eine Hand geben und dazu noch das Privatvermögen für die Firmenkredite als Sicherheit abtreten. Wir empfehlen hier deutlich die Vorteile der „Trennkost“ zu beherzigen.

Die Fragen stellte Carsten Becher

Rubrik-Kapitalanlage-Elite-Report»Elite Report« 2015

Oliver Stock (Hg.): »Elite Report Edition: Die Elite der Vermögensverwalter im deutschsprachigen Raum 2015«
Wolnzach 2014 | Verlag E. Kastner AG | 136 S. | 39,80 €
Tel.: 089/4703648 | E-Mail: bestellung@elitereport.de