Fuchs-Report 2014 | Tendenz zu Standardlösungen

Das Wichtigste vorweg: Die Anlageberatung wird schematischer. Die individuelle Kundenbetreuung nimmt ab. Privatbanken ziehen sich in der Vermögensverwaltung vermehrt auf standardisierte Produkte zurück, und zwar Ralf Vielhaberauch gegenüber wohlhabenden Privatpersonen mit einstelligen Millionen­ver­mögen. Doch die Konfektions­ware von der Stange genügt oft nicht den Erwartungen. Dabei rufen die scharfen Regulierungsauflagen für die Branche, die dem Verbraucherschutz dienen sollen, teilweise kuriose Folgen hervor. Man darf den Eindruck haben, dass Beratung neuerdings in Form und Inhalt zunächst der Finanzaufsicht zu genügen hat. Ob sie zum Kunden passt, hat weniger Stellenwert. Das sind die zentralen Ergebnisse der diesjährigen Mar­kt­studie »Vermögensmanagement im Test. Die Europaliga der Vermögensmanager«.

In diesem Sinne scheint es so, als ob der Sachbearbeiter in vielen Banken den Anlageberater abgelöst habe. Kunden könnten sich mitunter fast so vorkommen wie auf dem Einwohnermeldeamt. Dem staatlichen Regulierungsbestreben wird offenbar relativ uninspiriert entsprochen. Indessen ist die Beratung vermögender Menschen natürlich nicht mit dem konventionellen Anlagegeschäft in der Zweigstelle zu vergleichen. Vieles, was neuerdings sein soll, ist für das gehobene »Private Banking« kontraproduktiv und geht zu Lasten der Beratungsqualität.

Grafiken-Fuchsbriefe-2014-DeutschlandDie Bestandsaufnahme beruht auf einer Testreihe unter 100 Anbietern im deutschsprachigen Raum, die von der »Private Banking Prüfinstanz« im Laufe des Jahres 2013 durchgeführt wurde. Die Tester, selbst vermögende Privatleute, die von der PBPI für diese Erhebung geschult wurden, traten bei jedem Institut mit derselben Fallkonstellation auf. Sie hatten vorgeblich 2,5 Mio. Euro zu 1,7 % bei einer Direktbank angelegt. Nun wollten sie mehr aus ihrem Geld machen. 90 % des Anlagebetrags sollten in ein defensives Portfolio umgeschichtet werden. Unterjährige Gewinne wurden zur Auszahlung am Jahresende bestimmt, um sie für größere Anschaffungen und Reisen zu verbrauchen. Die Verluste sollten auf 10 % im Jahr limitiert sein. Die restlichen 10 % der Summe, 250.000 Euro, sollten in einem weiteren Depot chancenreich angelegt werden, wobei hier ein spezieller Vorschlag aus der Schatztruhe der Banken erwünscht war. Die Renditechance sollte jedenfalls zweistellig sein. Dafür, so viel Mut gaben die Testkunden vor, würden sie im Extremfall auch den Totalverlust des Anlagebetrags akzeptieren.

Grafiken-Fuchsbriefe-2014-SchweizDaraufhin wurde eine schriftliche Ausarbeitung der Ideen und Lösungsvorschläge mit einem konkreten Anlagekonzept erbeten, den der Risikomessspezialist Quanvest für die PBPI ausgewertet hat. Hierbei stellte sich heraus, dass die Produktauswahl nicht wirklich innovativ erfolgte, obwohl das aktive Portfolio-Management kaum reguliert worden ist. Anleihequoten von 70 bis 90 % waren trotz des anhaltenden Niedrigstzins­umfelds die Regel. Die drei besten Angebotsportfolios der Walser Privatbank, der BW-Bank und der Bank J. Safra Sarasin fielen sehr ähnlich aus. Die Kundenvorgabe, maximal 10 % Verlust im Jahr zu tolerieren, wurde vor allem dank einer guten Diversifizierung der Rentenanlagen eingehalten, obwohl der Anteil risikoreicherer Anlagen verglichen mit anderen Depots höher war. Die Aktienanteile waren über diverse Regionen und Sektoren in Einzelwerten investiert.

Grafiken-Fuchsbriefe-2014-LiechtensteinZum Design der PBPI-Markttests ge­hört, dass sich alle Anbieter mit derselben Aufgabenstellung beschäftigen müssen, ohne dass die Testkunden alle Details bereitwillig selbst kommunizieren. Qua­li­täts­be­ra­tung zeichnet sich dadurch aus, dass der Kundenbetreuer weiß, welche Punkte er ansprechen muss. Insofern wurde außer der Portfoliogestaltung stets auch eine ganzheitliche Beratung erwartet, die sich mit dem Einkommen, mit dem sonstigen Vermögen, mit illiquidem Vermögen wie Immobilien, mit Zukunftsrisiken, etwa einer Berufs­un­fä­higkeit, sowie in der Perspektive mit der geordneten Vermögensweitergabe befasst.

Das unter allen Gesichtspunkten beste Beratungsgespräch erlebten die Tester bei der LGT in Liechtenstein. Vom exzellenten Service über die empathischen Fähigkeiten bis hin zur fachlichen Beratung wurde in der Bank des Fürsten quasi eine königliche Leistung erlebt. Präzise Fragen, klare, verständliche Antworten und eine eigene Meinung: So wünschen sich Kunden ihre Berater. Die beste Vermögensstrategie legte die in Schweden beheimatete SEB Private Banking in Luxemburg vor. Sie punktete in einem ausgefeilten Gesamtkunstwerk speziell mit den risiko­reicheren Anlageteil des Vermögens. Die Idee, in eine preiswert zu erwerbende, von der Bank geprüfte Schiffsbeteiligung aus dem Jahr 2004 einzusteigen, war treffsicher und unter Chance-Risikoaspekten abgewogen. Auch das Gesprächs­protokoll war vorbildlich für den Wettbewerbsmarkt. Außerdem überzeugte die SEB mit Spitzenwerten in der Transparenz und mit einem Topwert des Beratungsgesprächs.

Schaut man auf die Länderlandschaft im deutschsprachigen Raum, dann lässt die Qualität in der Bundesrepublik, in Österreich und in der Schweiz leicht nach, wäh­rend Liechtenstein und Luxemburg zulegen. Allerdings war das Ausgangs­niveau der Betrachtung in der Schweiz von Anfang an am niedrigsten. Luxemburg hat sich dank der Quali­täts­initiative der Auslands­töchter deu­t­scher Banken allmählich an die Spitze gesetzt, während sich Liechtenstein stets auf hohem Niveau bewegte und nun nochmals leicht hinzugewonnen hat. Deutschland und Öste­rreich waren anfangs leicht überdurchschnittlich und liegen nun im Trend.

Ralf Vielhaber, Verlagsleiter Verlag FUCHS­BRIEFE, Dr. Hans Fuchs GmbH, Berlin

»Fuchs-Report: Tops 2014. Europaliga der Vermögensmanager. Vermögensmanagement im Test«Fuchs-Report 2014

Redaktion FUCHSBRIEFE (Hg.): »Fuchs-Report: Tops 2014. Europaliga der Vermögensmanager. Vermögensmanagement im Test« | Berlin 2013 | Verlag FUCHSBRIEFE | 108 Seiten | 94,00 € | ISBN 978-3-943124-30-9