Fuchs-Report 2015 | Effiziente Lösungen

Kunden im „Private Banking“ dürfen wie­der häufiger mit guter bis herausragender Beratungsqualität rechnen. Erfreulich ist auch, dass die Gebühren ab einer Million Euro Anlagevermögen leicht gesunken sind. In die­sem Sinne machten die Ralf VielhaberTestkunden bei ihrem zwölften Markttest bes­sere Erfahrungen als in den letzten Jah­ren. 35 Institute im deutschsprachigen Raum kristallisierten sich als „empfehlenswert“ heraus. Die „Private Banking Prüfinstanz“ ließ 84 Beratungsgespräche abhalten und wer­tete 69 schriftlich ausgearbeitete Ver­mögensstrategien sowie 92 Fragebögen aus. Die Qualität der vorgelegten Portfolios hat der Spezialist für Risikomessung Quan­vest aus Bad Homburg analysiert. Da immer mehr Privatanleger effiziente Beratung suchen, haben die Testkunden ihre Wünsche per Mail angemeldet. Sie wollten zuerst ein ausführliches Te­lefonat führen, um dem Berater ihre Vor­stellun­gen und Ziele mitzuteilen. Erst dann war die Präsentation eines Anlagevorschlags vorgesehen, der anschließend noch ein­mal von der Bank optimiert werden konnte.

Die Legende lautete in diesem Jahr, dass der (jüngere) Testkunde aus einer wohlha­benden Un­ternehmer-familie stamme. Eine von den Eltern angelegte Lebensversicherung über rund 4 Millionen wurde nach zwölf Jahren fällig. In einem Probejahr sollte die Hälfte dieses Betrags zunächst sicher bei der Bank liegen, also ohne no­minale Verluste auf Jahressicht. Die beiden übrigen Millionen er­hielten zwei In­stitute zur Vermögensverwaltung. Das pri­märe Anlageziel lautete, nach unten nur möglichst geringe Aus­schläge zu er­leben. Würde das Portfolio um 10 % ab­rutschen, sollte es sofort eine Info geben. Das mittelfristige Anlageziel lautete, in den nächsten fünf Jah­ren für realen Kapitalerhalt zu sorgen. Diesbezüglich sollte der Berater speziell das Risiko beziffern.

2014-Fuchs-Top-DeutschlandSieben Häuser haben diese Aufgabenstellung exzellent gelöst. Sie überzeugten mit einem erstklassig strukturierten Beratungs­prozess, hervorragendem Service und der Fähigkeit, sich ganz in den Kunden hineinzudenken. Zu diesen Top-An­bie­tern gehören die Bank Gutmann AG und die Walser Privatbank in Österreich, die DZ Privatbank und die Deka Bank in Luxemburg, die Raiffeisen Privatbank in Liechtenstein sowie das „Family Office“ Top-SchweizFe­ri Trust und die Baden-Württem­ber­gi­sche Bank in Deutschland. Die höchste Punktzahl erreichte die Bank Gutmann. Sie bot zusammen mit der Neuen Bank in Liechtenstein auch das beste Beratungsgespräch. Die be­ste Vermögensstrategie schlug die Baden-Württembergische Bank vor, das beste Portfolio erstellte das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim, die höchste Transparenz erreichte die SEB Private Banking in Luxem­burg. In der Langfristwertung der „Ewigen Bestenliste“ setzte sich die Feri Trust GmbH an die Spitze.

Top-LiechtensteinIn Deutschland wurden 38 Adressen von verdeckt auftretenden Testern aufgesucht. 15 Banken und unabhängige Vermögensverwalter gehören zu den empfehlenswerten Vermögensmanagern im deutschsprachigen Raum. Generell gilt, dass die Beratungskultur in Deutschland zugenommen hat und dass die Lösungsvorschläge wieder individueller ausgearbeitet werden. Allerdings sind die Renditeprognosen angesichts der Niedrigzinspolitik der Notenbanken deutlich gefallen. Dafür ha­ben die deutschen Anbieter ihre Depots gut gegen Krisen gesichert. Gleichwohl unterschieden sich die Anlagevorschläge deutlich. Ak­tien wurden als Renditebringer favorisiert. Anlagen in Hedgefonds oder in Edelmetallen galten als weniger attraktiv. Passive Produkte (ETF) waren auf dem Vormarsch.

Top-ÖsterreichIn der Schweiz suchten die verdeckt auftretenden Tester 22 Anbieter auf, wobei lediglich die Bank Julius Bär als „un­ein­geschränkt empfehlenswert“ agierte. All­gemein entstand der Eindruck, dass viele Adressen die neuen Be­ratungsstandards im „Wealth Management“ erstaunlicherweise immer noch nicht verinnerlicht ha­ben, während in Österreich im „Private Banking“ teilweise ein herausragendes Preis-Leistungs-Verhältnis anzutreffen ist. Dabei ist das Leistungsspektrum international breit gefächert. Die guten Adressen in Luxemburg fallen positiv durch ihre umfassende Betrachtung der Kundenbedürfnisse auf, weit über die eigentliche Geldanlage hinaus. Ebenso beeindruckte die Fähigkeit einzelner Häuser im Fürstentum Liechtenstein, wo aktuell gleich sechs emp­fehlens­wer­te Banken sit­zen, sich präzise in die Kundensituation hineinzudenken und Lösungen anzubieten.

AuTop-Luxemburgch in der Organisation der Kundenbetreuung zeigten sich erfreuliche Entwicklungen. So ging die Anzahl der Kunden je Berater im Durchschnitt zurück. Außerdem sinken die Gebühren im Trend. Die durchschnittliche „All-in-Fee“, also die Honorare für die Vermögensverwaltung, Transaktionskosten und „Kick backs“, liegt über alle deutschsprachigen Länder hinweg bei 1,25 %, wobei die Schweiz darüber lag. Bestandspflegeprovisionen werden immer häufiger voll an Kunden durchgereicht.

Allerdings sind nach wie vor auch kritische Punkte festzuhalten. So trauen sich viele Adressen im Markt nicht, sich einem direkten langfristigen Vergleich der von ihnen erzielten Performance zu stellen. Darüber hinaus haben zu viele Häuser zu­dem von Niederlassung zu Niederlassung immer noch große Qualitätsdifferenzen.

Ralf Vielhaber, Verlagsleiter Verlag FUCHS­BRIEFE, Dr. Hans Fuchs GmbH, Berlin

Rubrik-Kapitalanlage-Fuchsbriefe-kleinerFuchs-Report 2015

Redaktion FUCHSBRIEFE (Hg.): »Fuchs-Report: Tops 2015. Wo der Kunde König ist. Vermögensmanagement im Test«
Berlin 2014 | Verlag FUCHSBRIEFE | 104 S. | 94,00 €
ISBN 978-3-943124-37-8