Statement: Dr. h. c. Michael Klett

 

Dr. h. c. Michael Klett
Ernst Klett AG, Stuttgart

Die »Junge Wirtschaft«, ein zeitweilig quicklebendiges, in seiner Meinungsäußerung fast erratisch unkonventionelles Blatt, war in Name und Wirkung tatsächlich ein Titel, der seine Zeit gefunden hatte. Hier wurde, wie wir Jungen Unternehmer damals fanden, viel zu wenig von den Debatten eingefangen, für die wir Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre Nächte und Tage opferten, weil die Zeitschrift auf den gesamten Kundenbestand aus dem kleinen, politisch aufmerksamen Lager der selbständigen Unternehmer Rücksicht zu nehmen hatte.

»Jung« – das Wort kommt einem heute in unseren vergreisten, handlungsschwachen Zuständen beinahe wunderlich vor, aber damals war es in aller Munde. Es war die Zeit einer leidenschaftlich lebendigen, dann ziemlich fiebrigen Jugend und ihrer »Bewegung«. Was die JUSO und APO-Hitzköpfe in Uni-Aulas und auf Marktplätzen waren, waren wir im Unternehmerlager – ein kleiner Haufen, der sich sicher war, anders sein zu müssen, »amerikanischer«, weltläufiger als die Väter, diese tüchtigen, alten, grummelnden Löwen, diese bärbeißigen Pioniere, die uns weder ranlassen wollten noch wussten, was das Gebot der Stunde war. Ein Einvernehmen mit ihnen war in der ASU, dem Gesamtverband der Selbständigen, nicht möglich.

Ein Einbeziehungsversuch durch BDA-Präsident Schleyer oder andere Industrieverbände wurde blank zurückgewiesen. Wir diskutierten Sachen wie ein eigenes Mitbestimmungsmodell, die Zerschlagung der Großindustrie nach dem amerikanischen Muster vom Anfang des Jahrhunderts, das Verbot von Wirtschaftssubventionen als Verfassungsgut, die drastische Verschärfung der Kartell-Aufsicht, ein einfaches Steuersystem, eine winzige Staatsquote. Diese Unbefangenheit gefiel der Presse, und die öffentliche Meinung honorierte die jungen Heißsporne mit unerwartetem Respekt.

Chefredakteur E. W. Mänken war ein guter Journalist. Er kam gern in unsere Vorstandssitzungen und hatte bald gemerkt, dass da was los war, dass die »Junge Wirtschaft« eine gute Profilchance hatte gegenüber den weitgehend drögen, aber soliden Wirtschaftsteilen der Tageszeitungen und der Wirtschaftsmagazine. Sie blieb klein, aber fein. Dennoch hatten wir den Eindruck, dass sie so etwas wie ein Leitblatt unkonventioneller Auffassungen und Strömungen war, und von den Redakteuren der großen Blätter aufmerksam verfolgt wurde.