Nicht nur Steuern zählen!

Zehn Fragen am Beispiel der Familienstiftung

Auch Berater müssen ihre Leistungen anbieten und „verkaufen“. Fachaufsätze zu schreiben, ist da ei­ne probate Möglichkeit, wobei alles rund um „Steuern sparen“ of­fen­bar be­son­ders gut läuft. Wohl des­halb begegnen mir immer mehr Ausführungen über die angebliche und/oder RA Dr. K. Jan Schiffer,echte Vor­teil­haftig gewisser Gestaltungen. Mitunter scheint es sogar, als lebten manche Publikationen nur noch da­von. Die Cash-GmbH, die dank be­stimm­ter Vorteile für unternehmerisches Ver­mö­gen hel­fen soll, Erb­schaft­steu­er zu sparen, ist so ein Fall, aber es werden auch Rand­erscheinungen vielfach thematisiert, et­wa Fa­mi­lien­stiftungen, von denen in Deutschland gerade einmal rund 500 existieren. Es fin­den sich fast mehr Ver­lautbarungen über diese Rechtsformexoten als es überhaupt praktische Beispiele gibt. Was mich dabei stört, ist der ausschließliche Blick auf das vergängliche Steuerrecht und die ver­meint­­li­chen oder ech­ten Steuervorteile. Betrachten wir das doch einmal hinsichtlich der Familien­stif­tung, die wir im Kon­text der Nachfolgelösung unter anderem bei Reinhold Würth antreffen!

Es kann doch nicht sein, dass bei einer tendenziell auf die Ewigkeit ausgerichteten Fami­li­en­stif­tung nur oder überwiegend das heutige Steuerrecht interessiert, das wir nur als Chaos im be­schleu­nig­ten Änderungsmodus kennen und fürchten gelernt haben. Einseitige Auslegungen füh­ren hier doch nur in die Irre. Ich vermisse bei den „Spar-Dich-reich-Gurus“ viele zielführende Fragen:

1. Lese ich da etwas über die Menschen, die von der Unternehmernachfolge durch Stiftungen be­trof­fen sind?
2. Lese ich etwas über die Abkömmlinge, die sich nicht ganz selten enteignet fühlen und die für das Vorhaben einer „Familienstiftung“ erst gewonnen werden müssen?
3. Lese ich überhaupt etwas darüber, dass diese Form der Gestaltung zum Unternehmen und zu den Mitgliedern der Unternehmerfamilie passen muss?
4. Lese ich etwas darüber, wie ich die richtigen Protagonisten finde, die das Unternehmen für die Stiftung und durch die Stiftung steuern sollen?
5. Lese ich etwas über die nicht eben profanen Frage der nach­haltigen (!) Erst- und Neubesetzung der Stiftungsorgane?
6. Lese ich etwas über die Zweifel an der Verfassungswidrigkeit des aktuellen Erbschaftsteuerrechts im Zusammenhang mit der Unternehmernachfolge?
7. Lese ich etwas über die Mitwirkung der Stiftungsaufsicht?
8. Lese ich etwas über die erforderliche Flexibilität einer solchen Gestaltung?
9. Lese ich etwas über die betriebswirtschaftliche Sinnhaftigkeit spezieller Gestaltungen?
10. Lese ich etwas über die tendenziellen Nachteile, etwa über die Starrheit von Stiftungen?

Nein, ich lese Steuern, Steuern, Steuern! Aktuelles Steuerrecht darf aber doch gerade nie der ent­schei­dende Maßstab für langfristige unternehmerische Entscheidungen sein. Vor allem dann nicht, wenn es um so langfristige Festlegungen wie die Gestaltung einer Unternehmernachfolge geht, und schon gar nicht im Hinblick auf Stiftungsgestaltungen, die grundsätzlich eine Ein­bahn­straße sind und deshalb in sämtlichen wichtigen Punkten zur Unternehmerfamilie passen müssen.

Warum schreibe ich das? Ich schreibe es, weil ich eine Bitte an Sie, liebe Leser, und an uns alle ha­be: Nämlich offen zu sein und zu bleiben für die Vor- und auch die Nachteile einer gepriesenen Möglichkeit! Damit meine ich nichts anderes als die gute alte Gesamtbetrachtung, bezogen auf den konkreten Ein­zelfall. Bei einer Stiftung gilt das für einen außerordentlich langen Zeitraum. Sie ist, wie die Fug­gerei in Augsburg zeigt, grundsätzlich für immer angelegt. Das übersteigt die sonst üblichen Pla­nungs­horizonte von drei bis fünf Jahren nun doch sehr. Alle Aspekte wirk­lich adäquat zu wür­di­gen, mag also im Zuge des Tempos und der Tendenz zur Über­­spezialisierung un­se­rer Tage schwer sein. Un­er­lässlich ist bleibt trotzdem, es zu versuchen – zumal, wenn es um die Zu­kunft von Familien­un­ter­neh­men geht.

RA Dr. K. Jan Schiffer, SP§P Schiffer & Partner – Partnerschaft von Rechtsanwälten, Bonn

Steuerprüfung-und-BetriebsprüfungSteuerprüfung und Betriebsprüfung
Hausbesuche vom Finanzamt bei Unternehmern, Selbständigen und Privatleuten

Rechtsanwalt Dr. K. Jan Schiffer
PHR-Schriftenreihe 01/2014
Bonn 2014, 128 Seiten
»
Zum Shop