Sieben Schlüsselfragen

Unternehmernachfolge und Stiftungen

Familienunternehmer, also „Alleinentscheider“, bei denen die Familie den oft traditionsreichen Be­trieb trägt, wollen ihr Lebenswerk in aller Regel für die (künftige) Familie bewahren. Da kommt nicht selten der Gedanke an eine Stiftung auf. Vor allem, wenn sich in der Familie gerade kein ge­eig­neter oder nachfolgebereiter Erbe findet. Und es stimmt ja: Stiftungen wirken langfristig, theo­retisch sogar ewig. Das ist eine Binsenweisheit, auch wenn die Verbrauchsstiftung gegenwärtig auf dem Vormarsch ist. Die Erkenntnis gilt vor allem, wenn Stiftungen zur Gestaltung der möglichst dauer­haften Unternehmernachfolge eingesetzt werden. Die Fachwelt hat das breit und tief disku­tiert. Das ist die eine Seite!

Die andere Seite ist, dass wir Berater uns mit kreativen Mandanten nicht selten steuerlich motiviert auch an die Grenzen einer solchen Gestaltung bewegen und gegebenenfalls sogar darüber hinaus, et­wa bei einen besonders ausgefuchsten Doppelstiftungsmodell, wenn die eine oder die andere Stiftung gemessen an der Höhe ihrer Unternehmensbeteiligung ausgesprochen viele Stimmrechte, aber nur ganz wenige Gewinnanteile erhält. Mitunter entsteht auch eine wahre Modellfreude der Berater, die sich in komplexen und langen Ausarbeitungen niederschlägt. Die schließlich gewählte Variante wird dann typischerweise vorsorglich mit einer verbindlichen Auskunft der Finanzver­wal­tung unterfüttert. Die Finanzverwaltung bestätigt dann die Zulässigkeit der Gestaltung ausgehend von einem ganz konkreten Sachverhalt.

Mir stellen sich in solchen Fällen immer wieder diese sieben Schlüsselfragen:

1. Wie wird die Macht der Führungsstiftung effektiv kontrolliert (echtes Vieraugenprinzip, unab­hän­giges Kontrollorgan etc.), ohne dass ein Funktionärsmanagement entsteht? Es soll doch viel­mehr erfolgversprechendes Unternehmertum gefördert werden. Insofern will ich hier davon schwei­gen, dass der Mensch bisweilen der Versuchung erliegt, sich selbst zu beglücken, beispielsweise indem er ungebührlich hohe Vergütungen für sich beschließt, wenn er dazu etwa als Stiftungs­vor­stand die freie Befugnis hat.

2. Wie werden die Organe der Führungsstiftung nachhaltig mit kompetenten und engagierten Persönlichkeiten besetzt? Allein das sich mit den Jahren wiederholende Erfordernis, zwei bis drei Stiftungsvorstände sowie drei bis fünf kontrollierende Stiftungsräte zu berufen, zeigt den hohen Schwierigkeitsgrad dieser Aufgabe.

3. Lohnt sich der dauerhafte Mehraufwand wirklich? Es sind typischerweise zwei Stiftungen und die verschiedenen Gesellschaften des Unternehmens zu verwalten. Auch dazu braucht es die ge­eig­neten Personen und Steuerberater und Wirtschaftsprüfer etc. All das und vieles mehr kostet be­kannt­lich Geld. Das Ehrenamt ist hier nicht auf dem Vormarsch!

4. Passt die Gestaltung überhaupt zur Unternehmerfamilie? Niemand darf sich enteignet fühlen und sich aufgefordert sehen, nach Gegenstrategien zu suchen. Solange die Familie, was ja Sinn der Sache ist, irgendwie mit dem Konstrukt verbunden ist und bleibt, behalten die Mitglieder der Fa­mi­lie zumindest faktischen Einfluss. Die Fachwelt kennt diese Zusammenhänge in negativer Ausprä­gung unter dem Schlagwort „Lästiger Gesellschafter“.

5. Hält die verbindliche Auskunft der Finanzverwaltung in dem für die Stiftung angedachten langen Zeitraum? Wurde ausreichend bedacht, dass sich die „verbindliche“ Auskunft nur auf einen ganz bestimmten Sachverhalt bezieht, dass sich Sachverhalte aber erfahrungsgemäß im Laufe von Jahr­zehn­ten mehr oder weniger ändern, so dass neue Sachverhalte entstehen? Zur Erinnerung: Vor hun­dert Jahren regierte uns noch der deutsche Kaiser.

6. Hat die Unternehmerfamilie die erforderliche Stiftungsreife? Ist ihr vor allem klar, dass es sich bei dem Weg in die Stiftung faktisch um eine Einbahnstraße handelt und dass sie sich dauerhaft den Regeln der Stiftung unterwirft? Die Stiftung gehört ja eben nicht der Familie, sondern sich selbst.

7. Hat das Konstrukt die für den Unternehmensbereich und letztlich auch für die Familie die ge­bo­tene Flexibilität?

Wenn sich auf diese Fragen keine nachhaltigen Antworten finden lassen, heißt es: Hände weg von dem Gestaltungsvorschlag.

RA Dr. K. Jan Schiffer, SP§P Schiffer & Partner – Partnerschaft von Rechtsanwälten, Bonn

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Hausbesuche vom Finanzamt bei Unternehmern, Selbständigen und Privatleuten

Rechtsanwalt Dr. K. Jan Schiffer
PHR-Schriftenreihe 01/2014
Bonn 2014, 128 Seiten
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